Fester haben sich die Energiemärkte am Dienstag gezeigt. Maßgeblich hierfür ist die sich zuspitzende geopolitische Lage um den Iran. Sollte es der politischen Führung des Landes nicht gelingen, die Proteste sehr rasch zu ersticken, dürfte auch der Aufwärtsdruck auf die Gas- und Ölpreise bestehen bleiben.
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Als weiterer bullisher Faktor erweisen sich zudem neue Wetterprognosen, die für Deutschland und Nordwesteuropa eine weitere Kältewelle ab Mitte der kommenden Woche vorhersagen.
Strom: Fester hat sich der deutsche OTC-Strommarkt am Dienstag präsentiert. Der Day-ahead kostete im Base 118,25 Euro/MWh und damit 12,25 Euro mehr als am Vortag. Der Peak legte um 16,00 Euro auf 137,75 Euro/MWh zu. Aus der Börsenauktion ging die Grundlast für Mittwoch mit 118,14 Euro/MWh hervor und die Spitzenlast mit 137,41 Euro/MWh.
Der etwas höhere Day-ahead-Preis widerspiegelt den leichten Rückgang der Erneuerbaren-Einspeiseleistung von 21,9 Gigawatt am Berichtstag auf 20,8 Gigawatt am Mittwoch. Für die Folgetage gehen die Meteorologen von Eurowind von tendenziell etwas geringeren Werten aus.
Maßgeblich für den Preisanstieg am Strommarkt sind die geopolitischen Spannungen insbesondere um den Iran, die auch die Preise des Primärenergieträgers Erdgas nach oben ziehen. Das US-Wettermodell geht mittlerweile von einer neuen Kältewelle in Deutschland aus, die ab kommenden Dienstag die Temperaturen immer weiter nach unten treiben dürfte. Diese könnten laut den US-Meteorologen bis zu 8 Grad Celsius unter das Durchschnittsniveau fallen.
Das Strom-Frontjahr notierte unverändert mit 84,15 Euro/MWh.
CO2: Fester haben die CO2-Preise am Dienstag im Verbund mit Gas und Strom notiert. Bis 13.50 Uhr gewann der Benchmark-Kontrakt Dec 26 um 0,64 Euro auf 90,74 Euro/Tonne. Umgesetzt wurden bis zu diesem Zeitpunkt 19,3 Millionen Zertifikate. Das Hoch lag bei 91,08 Euro, das Tief bei 90,18 Euro/Tonne.
Der europäische CO2-Preis hatte am Montag das erste Mal seit Ende August 2023 die Marke von 90 Euro je Tonne überschritten und ist damit stark ins neue Jahr gestartet. Unterstützt wird die Entwicklung durch neue Mechanismen wie CBAM und die weitere Angebotsverknappung.
Die deutliche Aufwärtsbewegung der vergangenen Monate, die von stark steigenden Netto-Long-Positionen bei den Investmentfonds mitgetragen war, dürfte sich in den kommenden Monaten laut den Analysten der Commerzbank aber nicht mehr fortsetzen, da die genannten Faktoren bereits eingepreist sein dürften.
Hinzu kommt, dass eine weiterhin vergleichbar schwache europäische Wirtschaft nicht viel neue Nachfrage am CO2-Markt erzeugen dürfte. Auch der steigende Anteil an erneuerbaren Energien bei der EU-Stromerzeugung verringert die Emissionen und damit den Bedarf an Zertifikaten, zumal ein weiterer Rückgang der europäischen Gaspreise im Jahresverlauf als zusätzlicher Bremsfaktor wirken sollte. Die Commerzbank rechnet daher nicht mit einer Fortsetzung der Preisdynamik und sieht den CO2-Preis zum Jahresende da, wo er auch jetzt gerade ist: bei 90 Euro/Tonne.
Erdgas: Erneut fester haben sich die europäischen Gaspreise am Dienstag gezeigt. Der Frontmonat Februar am niederländischen TTF notierte um 13.40 Uhr mit einem Plus von 0,65 Euro auf 31,00 Euro/MWh. Am deutschen THE legte der Day-ahead um 0,55 Euro auf 33,55 Euro/MWh zu.
Weiterhin steht der europäische Gasmarkt im Bann der Unruhen im Iran, die zu einer Sperrung der für den LNG-Transport wichtigen Straße von Hormus führen könnten. „Erstens gibt es potenzielle Risiken für die LNG-Lieferungen aus dem Persischen Golf“, so ING-Analysten.
„Zweitens besteht die Möglichkeit von Unterbrechungen der iranischen Gaslieferungen in die Türkei.“ Die Türkei müsste sich die ausgebliebenen Mengen am LNG-Weltmarkt beschaffen und träte somit als zusätzlicher Nachfrager auf.
// VON Claus-Detlef Großmann WENIGER