Fester haben sich die Energiemärkte am Freitag gezeigt. Vor allem am Gasmarkt gingen die Notierungen abermals steil nach oben. Der Auslöser dürfte neben der Irankrise, die allerdings langsam abflaut, die neue Kältewelle sein, die Europa in der neuen Woche in den Griff nimmt. Die niedrigen Temperaturen sollen auch in der Folgewoche noch anhalten und laut den Angaben einiger Wetterdienste sogar weiter zurückgehen, was die Sorgen wegen der rasch sich leerenden Gasspeicher in der EU weiter nährt.
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Im Höhenflug sind aktuell auch die CO2-Notierungen. Die bullishe Stimmung am Markt widerspiegelt sich in den rekordhohen Nettolongpositionen spekulativ ausgerichteter Anleger. Doch Marktbeobachter warnen vor dieser übermäßig konzentrierten Positionierung, die rasch zu massiven Abschlägen führt, sobald sich das Blatt am Markt einmal wendet.
Strom: Fester hat sich der deutsche OTC-Strommarkt am Freitag gezeigt. Der Montag wurde am Freitag im Base mit 132
Euro je Megawattstunde gesehen. Für den Peak war bis zum Nachmittag kein Handel zustande gekommen. Die Meteorologen von Eurowind rechnen für den Montag mit einer Einspeiseleistung der Erneuerbaren von 19,5
Gigawatt. Für den Berichtstag prognostizierte der Wetterdienst 24
Gigawatt. Sehr schwach dürfte der Dienstag der neuen Woche ausfallen, für den Eurowind nur 8
Gigawatt vorhersagt. Neben den massiven Aufschlägen beim Primärenergieträger Gas und für CO2-Zertifikate treibt auch die erwartete Kältewelle in Nordwesteuropa und Deutschland die Strompreise nach oben. Eurowind rechnet ab sofort mit Temperaturen, die Tag für Tag etwas mehr zurückgehen. Am langen Ende gewann das Strom-Frontjahr 0,41 auf 87,24
Euro.
CO2: Fester haben sich die CO2-Preise am Berichtstag gezeigt. Der Dec
26 gewann bis gegen 13.41
Uhr 0,96 auf 93,20
Euro je Tonne. Umgesetzt wurden bis zu diesem Zeitpunkt 13,6
Millionen Zertifikate. Das Hoch lag bei 93,45
Euro, das Tief bei 91,96
Euro. Händler verwiesen auf die Aufwärtsbewegung bei Strom und Gas, aber auch auf die zu erwartende Kältewelle in Europa als Gründe für die Aufschläge.
Erdgas: Sehr fest haben sich die europäischen Gaspreise am Freitag gezeigt. Der Frontmonat am niederländischen TTF gewann bis gegen 13.44
Uhr 4,000 auf 37,000
Euro je Megawattstunde. Am deutschen THE ging es um 2,525 auf 37,525
Euro je Megawattstunde nach oben.
Händler vermuten Short-Eindeckungen vor dem Wochenende als Grund für die Preissteigerungen. Manche Marktteilnehmer hätten Angst, dass es am Samstag oder Sonntag bei geschlossenen Märkten doch noch zu einem US-Militärschlag gegen Iran kommen könnte, hieß es.
Preistreibend seien aber auch die erwarteten niedrigeren Temperaturen in Europa und Asien, die zu einem höheren LNG-Bedarf führen. So sollen die Temperaturen in Peking und Shanghai bis Mitte der neuen Woche um 20
Grad Celsius sinken. In Japan wurde eine landesweite Warnung vor sehr niedrigen Temperaturen herausgegeben.
Hinzu kommt, dass die EU-Gasbestände – anders als die Lager am Ölmarkt – eher ungewöhnlich niedrig sind: Der aktuelle Füllstand von 52 Prozent liegt mehr als 10 Prozentpunkte unter dem üblichen Wert. Wie stark die Sorge vor einer Angebotsverknappung noch wächst, dürfte wesentlich von den Witterungsbedingungen des weiteren Winters abhängen.
Für den weiteren Jahresverlauf rechnen die Analysten der Commerzbank allerdings mit einer Entspannung und verweisen auf ein wachsendes LNG-Angebot. Es drohe eher eine Überversorgung am Markt, hieß es.
// VON Claus-Detlef Großmann WENIGER