GAS. Vergangenen Sommer hatte Sefe den Liefervertrag abgeschlossen, jetzt fließt Gas aus Aserbaidschan über die Türkei und Italien nach Österreich und Deutschland.
„Ab Januar 2026 wird aserbaidschanisches Gas unter anderem an Abnehmer in Österreich und Deutschland geliefert“, teilte Aserbaidschans nationale Ölgesellschaft Socar am 16.
Januar mit. Die Gastransporte erfolgten über die Transadriagasleitung TAP, den europäischen Teil des Südlichen Gaskorridors. „Die Gaslieferungen nach Österreich und Deutschland über Italien erweitern die geografische Reichweite für aserbaidschanisches Gas in Europa. Damit steigt die Zahl der Länder, die Gas aus Aserbaidschan beziehen, auf 16“, so Socar.
// VON Josephine Bollinger-Kanne MEHR...
Ein wichtiger Meilenstein in der Energiestrategie des Landes sei damit erreicht. Abgesehen von Deutschland und Österreich importieren Italien, Griechenland, Bulgarien, Rumänien, Ungarn, Serbien, Slowenien, Kroatien, die Slowakei, Nordmazedonien, die Ukraine, die Türkei, Georgien und Syrien Gas aus Aserbaidschan.
Deutschland soll Gasimport aus Aserbaidschan verdoppelnDie deutsche staatliche Energiegesellschaft Sefe und Socar hatten im Juni 2025 einen langfristigen Gasliefervertrag unterzeichnet. Der Vertrag mit einer Laufzeit von zehn Jahren sieht vor, ab 2025 jährlich bis zu 15
Milliarden kWh, das heißt rund 1,5
Milliarden Kubikmeter, Gas zu liefern. „Das Gas wird nach Italien geliefert und nach Deutschland oder in benachbarte europäische Märkte transportiert“, bestätigte Sefe hierzu auf Anfrage im Juni.
In der Pressemitteilung von der aserbaidschanischen Botschaft in Berlin zum Gasliefervertrag von Socar und Sefe war die Rede davon, dass sich zusammen mit den bestehenden Lieferungen an Uniper in ähnlicher Größenordnung die Gasexporte Aserbaidschans nach Deutschland auf rund 3 Milliarden Kubikmeter jährlich verdoppeln würden.
Uniper prüft Optionen im kaspischen Raum
Uniper arbeite weiter aktiv mit Partnern zusammen und prüfe Möglichkeiten zur Ausweitung der Gaslieferungen aus der Kaspischen Region, erklärte Rashad Huseynli, Leiter des Büros von Uniper in Baku, aserbaidschanischen Medien zufolge im Oktober. Ihm zufolge erhält Uniper über die TAP aktuell 1,5
Milliarden Kubikmeter Gas im Jahr aus Aserbaidschan.
„Das Gas wird in Italien angeliefert. Uniper war 2020 das erste deutsche Unternehmen, das Gas über die TAP bezog. Das italienische Gasnetz ist eng mit der übrigen europäischen Infrastruktur verbunden, sodass zusätzliche Lieferungen zur Energiesicherheit der Nachbarländer beitragen können. Durch langfristige Verträge stellt Uniper sicher, dass ein erheblicher Teil der Mengen für Kunden in Deutschland und anderen europäischen Ländern zu flexiblen Konditionen verfügbar bleibt“, erläuterte Huseynli. Demzufolge erhielten deutsche Kunden in den vergangenen keine direkten Gasimporte aus Aserbaidschan, sondern über Länder in Südosteuropa, die Uniper belieferte.
Nachfrage wächstÜber die offizielle Aufnahme der direkten Gaslieferungen von Socar nach Österreich und Deutschland informierte am 16.
Januar auch die aserbaidschanische Botschaft in Berlin. „Im Jahr 2025 hat Aserbaidschan rund 13
Milliarden Kubikmeter Gas nach Europa exportiert, während das Exportvolumen im Jahr 2021 noch bei etwa 8 lag.“ Dies dokumentiere die schrittweise Ausweitung der Lieferkapazitäten und die wachsende Nachfrage nach diversifizierten und verlässlichen Energiequellen.
Insgesamt exportierte Aserbaidschan im letzten Jahr 25,2
Milliarden Kubikmeter Gas, wovon 9,6
Milliarden Kubikmeter auf die Türkei, 2,3
Milliarden Kubikmeter auf Georgien und 0,5
Milliarden Kubikmeter auf Syrien entfielen. Zugleich haben sich die Importe der EU nach Zahlen der Brüssler Denkfabrik Bruegel 2025 um über 2
Prozent auf 12,3
Milliarden Kubikmeter Gas abgeschwächt, während die Bezüge von Flüssigerdgas LNG aus den USA um 61
Prozent auf rund 83
Milliarden Kubikmeter stark zulegten.
Um die europäischen Gasimporte aus Aserbaidschan zu verdoppeln und die Diversifizierung im Blick zu behalten, wie es im Memorandum zwischen Aserbaidschan und EU vom Juli 2022 vorgesehen ist, sind noch einige Investitionen und Ausbauarbeiten an der Transportrasse fällig.
// VON Josephine Bollinger-Kanne WENIGER