STROMNETZ. Die Bundesnetzagentur hat Daten zum Redispatch im dritten Quartal 2025 veröffentlicht. Maßnahmenvolumen und Kosten stiegen gegenüber dem Vorjahr deutlich, vor allem wegen PV-Strom.
Die Bundesnetzagentur hat kürzlich Zahlen zum Netzengpassmanagement im dritten Quartal 2025 vorgelegt. Laut der Behörde nahmen die vorläufigen Gesamtkosten im Vergleich zum Vorjahresquartal weiter zu. Das gesamte Maßnahmenvolumen aus Redispatchmaßnahmen mit Markt- und Netzreservekraftwerken sowie Countertrading stieg von 5,27
Milliarden kWh im dritten Quartal 2024 auf 5,65
Milliarden kWh im Berichtsquartal.
// VON Susanne Harmsen MEHR...
Das entspricht einem Plus von rund sieben Prozent. Die vorläufigen Gesamtkosten erhöhten sich im gleichen Zeitraum von 608
Millionen Euro auf rund 667
Millionen Euro und lagen damit fast zehn Prozent höher als ein Jahr zuvor. Hintergrund der Entwicklung ist nach Angaben der Bundesnetzagentur der weiter voranschreitende Ausbau erneuerbarer Energien in Regionen mit vergleichsweise geringer lokaler Stromnachfrage.
Da der Netzausbau häufig mit langen Planungs- und Genehmigungszeiten verbunden ist, lassen sich räumliche Ungleichgewichte zwischen Erzeugung und Verbrauch nur verzögert abbauen. Dies führt zu hohen Leistungsflüssen zwischen Erzeugungs- und Verbrauchsschwerpunkten und erhöht die Belastung der bestehenden Netzinfrastruktur.
Engpässe zunehmend im VerteilernetzUm Netzüberlastungen zu vermeiden, greifen die Netzbetreiber auf das Netzengpassmanagement zurück. Dabei reduzieren sie die Einspeisung in stark belasteten Netzbereichen und erhöhen sie in weniger ausgelasteten Regionen. Zunehmend geraten dabei auch die Verteilernetze in den Fokus.
Rund 41
Prozent der Redispatch-Menge bei erneuerbaren Energien waren laut Behörde im dritten Quartal 2025 auf Engpässe im Verteilernetz zurückzuführen, 59
Prozent auf Engpässe im Übertragungsnetz. Im Vorjahresquartal lagen die Anteile noch bei 36
Prozent im Verteilernetz und 64
Prozent im Übertragungsnetz.
Im dritten Quartal 2025 betrugen die im Redispatch angepassten Einspeisungen marktbasierter Erzeugungsanlagen rund 4,5
Milliarden kWh, nach 4,1
Milliarden kWh im Vorjahresquartal. Davon entfielen 3,3
Milliarden kWh auf Einspeisereduktionen. Mit 2,4
Milliarden kWh entfiel der größte Anteil dieser Reduzierungen auf erneuerbare Energien. Damit machten die Abregelungen etwa vier Prozent der gesamten erneuerbaren Stromerzeugung aus. Rund 96
Prozent der erneuerbaren Energie konnten somit ins Netz eingespeist und von den Letztverbrauchern genutzt werden.
Besonders deutlich fiel der Anstieg bei Photovoltaikanlagen aus. Das Volumen der Redispatch-Maßnahmen mit Photovoltaik erhöhte sich von 0,6
Milliarden kWh im dritten Quartal 2024 auf 1,16
Milliarden kWh im Berichtszeitraum und verdoppelte sich damit nahezu. Nach Angaben der Bundesnetzagentur entfielen rund 48
Prozent aller Redispatch-Maßnahmen mit erneuerbaren Energien auf Photovoltaik. Als Ursachen nennt die Behörde neben dem weiteren Zubau vor allem außergewöhnlich sonnige Wetterbedingungen, insbesondere im August.
Windkraft mit SturmspitzenAuch bei Windenergieanlagen an Land nahm das Abregelungsvolumen zu. Es stieg von 0,5
Milliarden kWh im dritten Quartal 2024 auf 0,75
Milliarden kWh im Berichtsquartal, ein Plus von rund 46
Prozent. Die Bundesnetzagentur führt dies auf den weiteren Ausbau der Windenergie an Land sowie ein Sturmtief Mitte September zurück, das in Norddeutschland zu einer sehr hohen Stromerzeugung führte.
Dagegen ging das Redispatch-Volumen bei Offshore-Windenergieanlagen trotz gestiegener Stromerzeugung um rund 37
Prozent auf 0,46
Milliarden kWh zurück. Grund dafür war laut Bundesnetzagentur eine veränderte Engpasssituation mit stärker ausgeprägten Ost-West-Lastflüssen, auf die Offshore-Windparks nur begrenzten Einfluss haben.
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Maßnahmen und Kosten des Engpassmanagements 2022 bis 2025 nach Monaten. Zur Vollansicht auf die Grafik klicken Quelle: Smard.de |
Redispatch-MaßnahmenZum Ausgleich der Reduzierungen erhöhten andere Erzeugungsanlagen ihre Einspeisung um insgesamt 1,4
Milliarden kWh. Das entspricht einem Rückgang von rund 13
Prozent gegenüber dem dritten Quartal 2024. Der größte Teil entfiel mit 1,2
Milliarden kWh auf Marktkraftwerke, weitere 0,3
Milliarden kWh stammten aus Reservekraftwerken.
Die Einsatzkosten für Redispatch-Maßnahmen mit konventionellen Anlagen lagen bei 207
Millionen Euro und damit leicht über dem Vorjahresniveau. Der finanzielle Ausgleich für abgeregelte erneuerbare Energien betrug rund 127
Millionen Euro und blieb trotz gestiegener Mengen nahezu konstant. Die Bundesnetzagentur begründet dies mit höheren Großhandelspreisen, die zu geringeren Marktprämien führten.
Deutlich stiegen dagegen die Kosten der Netzreserve. Sie beliefen sich insgesamt auf 317
Millionen Euro und lagen damit rund 22
Prozent über dem Vorjahreswert. Ursache war laut Bundesnetzagentur vor allem die Aufnahme zusätzlicher Anlagen in die Netzreserve sowie gestiegene Erzeugungsauslagen.
Die
Daten zum Engpassmanagement vom Smard-Portal stehen im Internet bereit.
// VON Susanne Harmsen WENIGER