Das Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien (IAMO), die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) und das Institute for Technologies and Economics of Lithium (ITEL) starten ein gemeinsames Forschungsprojekt mit dem Titel „Wissenschaftliche Erforschung der gesellschaftlichen Akzeptanzfaktoren für die Lithiumwertschöpfung in Mitteldeutschland“.
// VON Manfred Fischer MEHR...
Im Mittelpunkt steht die Analyse, unter welchen sozialen, ökologischen und wirtschaftlichen Bedingungen Lithiumabbau und -verarbeitung in der Region umgesetzt werden können, teilt das Leibniz-Institut mit.
Vor dem Hintergrund hoher Importabhängigkeiten und geopolitischer Unsicherheiten gewinnt die regionale Gewinnung und Verarbeitung von Lithium an Bedeutung. so die Forschenden. In dem Projekt wollen sie untersuchen, wie sich potenzielle Wertschöpfungseffekte mit Umweltaspekten, Fragen der Landnutzung sowie den Erwartungen der Bevölkerung vereinbaren lassen.
„Im Einklang mit Gesellschaft, Umwelt und Wirtschaft“„Die Transformation hin zu einer klimaneutralen Wirtschaft kann nur gelingen, wenn die betroffenen Regionen mitgenommen werden. Wir wollen verstehen, welche Erwartungen, Sorgen und Werte dort aufeinandertreffen und wie daraus tragfähige Lösungen entstehen können“, erklären Professor Vladislav Valentinov, Projektleiter, und Associate Professor Stefan Hielscher, Projektkoordinator, am IAMO.
Auch die Perspektive der Rohstoffversorgung steht im Fokus. „Rohstoffresilienz bedeutet nicht nur, unabhängiger von globalen Lieferketten zu werden, sondern auch, regionale Potenziale im Einklang mit Gesellschaft, Umwelt und Wirtschaft verantwortungsvoll zu nutzen“, ergänzt Felix Schultz, Projektleiter an der MLU.
Das Projekt analysiert die Wahrnehmung unterschiedlicher Interessengruppen – darunter Bürgerinnen und Bürger, Unternehmen sowie kommunale Entscheidungsträger – und untersucht, welche Faktoren Vertrauen, Dialog und Mitgestaltung beeinflussen. Methodisch kombiniert das interdisziplinäre Team sozialwissenschaftliche Forschung mit Dialogformaten vor Ort, darunter Interviews, Workshops und Diskussionsveranstaltungen.
Thematische Schwerpunkte sind der Strukturwandel in ländlichen Räumen, ökologische Auswirkungen des Lithiumabbaus sowie wirtschaftliche Effekte auf Beschäftigung und regionale Entwicklung in Mitteldeutschland.
Das Projekt wird von IAMO und der MLU, Bereich Wirtschaftsethik, als Verbundpartner umgesetzt. ITEL ist assoziierter Partner.
Widerstand gegen Lithium-Abbau im ErzgebirgeDas ITEL mit Sitz in Halle an der Saale ist nach eigenen Angaben im Jahr 2021 auf Initiative von Baustoffunternehmen entstanden. Initiatoren sind laut Institutswebsite Rock Tech Lithium, Knauf Gips, Basalt-Actien-Gesellschaft, Schwenk Zement und GP
Papenburg Entsorgung Ost.
Zu den Förderern der Initiativen gehören unter anderem der Kupferproduzent Aurubis und das Bergbauunternehmen Zinnwald Lithium. Die Universität Halle listet das ITEL als „An-Institut“.
Im Osterzgebirge schwelt seit Langem ein Streit über den geplanten Abbau eines Lithiumvorkommens bei Altenberg an der Grenze zu Tschechien. In der Region soll sich die zweitgrößte Lithium-Lagerstätte Europas befinden. Während die Planungen für den Abbau auf tschechischer Seite laut Mitteldeutschem Rundfunk bereits fortgeschritten sind, regt sich auf deutscher Seite Widerstand.
Bürgerinitiativen und Umweltverbände haben laut Bericht in diesem Januar in einem Brief an die zuständige EU-Generaldirektion appelliert, dem Vorhaben erneut den Status als „Strategisches Projekt“ zu verwehren. Zinnwald Lithium hatte die Einstufung dem Vernehmen nach vor einem Jahr beantragt, die EU-Behörde lehnte den Antrag ab. Wie der MDR erfahren haben will, hat das Unternehmen vor Kurzem einen neuen entsprechenden Antrag eingereicht.
Auch in anderen Ländern regt sich Widerstand gegen den Abbau von Lithium-Vorkommen. So etwa in Westserbien, wo der britisch-australische Konzern Rio Tinto im Jadar-Tal Lithium und Bor im Auge hat. Im November 2025 setzte der Konzern das Projekt laut Medienberichten aus. Die EU hatte die Lagerstätte im Jadar-Tal im Sommer 2025 als „Strategisches Projekt“ ausgewählt.
Das Projekt, die
Akzeptanz der Lithiumwertschöpfung in Mitteldeutschland zu erforschen, wird vom Bundeswirtschaftsministerium (BMWE) gefördert. Die Laufzeit ist für November 2025 bis Oktober 2028 vorgesehen.
// VON Manfred Fischer WENIGER