Nein, Wärmepumpen und Fernwärme sind nicht zwingend Konkurrenten auf dem Wärmemarkt. Schon die wiederkehrende Debatte darüber zeigt jedoch, dass sich die Wärmewende im Spannungsfeld zwischen Technik, Regulierung und Akzeptanz bewegt, sagten Teilnehmer einer Podiumsdiskussion auf der Handelsblatt-Tagung Energie in Berlin.
// VON Stefan Sagmeister MEHR...
Was die Diskutanten von der Novellierung des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) erwarten, wie von der Regierung angekündigt? Andreas Langer, Partner und Leader Power, Utilities & Renewables bei Deloitte rechnet nicht mit grundlegenden Änderungen am bestehenden GEG – wohl aber beim Namen, den die Regierung schon angekündigt hat: Gebäudemodernisierungsgesetz. Inhaltlich erwarte er jedoch weitgehend Kontinuität. Auch die 65-Prozent-Vorgabe von erneuerbaren Energien beim Wärmeeinsatz in Privathaushalten hält er weiterhin für wahrscheinlich.
Entscheidend für den Berater sei auch weniger eine konkrete Prozentzahl als die Verlässlichkeit des gesetzlichen Rahmens. Ständige Anpassungen und Richtungswechsel schadeten den Investitionsanreizen. Der Markt habe sich nach zwei schwierigen Jahren gerade erst stabilisiert, neue Unsicherheiten wären kontraproduktiv.
Diese Einschätzung teilte Felix Plog, CEO von Thermondo, dessen Unternehmen auch Wärmepumpen anbietet. Auch er beobachtet eine Beruhigung des Marktes und hofft ebenfalls, dass das neue Gesetz keine grundlegenden Brüche bringt. Zu viele Änderungen seien aus seiner Sicht schädlich. Der Bedarf an Wärmepumpen werde weiter steigen, Verdrängungseffekte gegenüber der Fernwärme sieht Plog nicht. In der Praxis komme es kaum zu Reibungen. Überlappungen beim Einsatz der beiden Techniken gebe es gelegentlich in urbanen Randgebieten.
Hans-Martin Hellebrand, Vorstandsvorsitzender der Badenova in Freiburg, sagte, sein Unternehmen arbeite bereits seit 2021 mit einer kommunalen Wärmeplanung und befinde sich vielerorts in der Umsetzung. Gerade beim Aufbau neuer Fernwärmenetze sei es allerdings problematisch, wenn auch Wärmepumpen parallel gefördert würden.
Wenn Netze geplant und gebaut würden, müsse am Ende auch die Fernwärme abgenommen werden, sonst drohten volkswirtschaftliche Fehlentscheidungen. Aus seiner Sicht sind konkurrierende Fördersysteme schädlich, wichtiger seien klare Anreize, die zur kommunalen Planung passen.
Andreas Feicht, Vorstandsvorsitzender der Kölner Rheinenergie AG, sagte, „die Wärmewende ist hochkomplex“. Sie dürfe den Gebäudeeigentümer aber nicht überfordern. Eigentümer sollten die Wahl haben, welches System sie einsetzen, sofern es sich für sie rechnet. Doppelförderungen, etwa von Fernwärme und Wärmepumpen parallel, seien hingegen schädlich, da war er sich mit dem Freiburger Kollegen einig.
Zum künftigen GEG sagte Feicht, er sei sich nicht sicher, ob die 65-Prozent-Regel dauerhaft Bestand haben werde. Er könne sich auch einen stärkeren Fokus auf den CO2-Ausstoß pro Quadratmeter vorstellen.
Einigkeit herrschte bei der Ablehnung eines Anschlusszwangs. Feicht: „Jede Form von Ordnungsrecht führt zu weniger Akzeptanz.“ Stadtwerke müssten ihre Kunden überzeugen, nicht zwingen.
Sind Verbraucher gut informiert?Beim Informationsstand der Verbraucherinnen und Verbraucher zu Heizsystemen gingen die Einschätzungen hingegen auseinander. Deloitte-Manager Langer verwies auf Umfragen, nach denen sich mehr als 80 Prozent der Bürger nicht gut informiert fühlten bei dem Thema. Das Heizungsgesetz habe zwar viel Aufmerksamkeit erzeugt, aber auch Verunsicherung.
Thermondo-CEO Felix Plog hingegen berichtete aus seiner Sicht hingegen von gut informierten Kunden. In den vergangenen eineinhalb Jahren habe eine deutliche Versachlichung stattgefunden, „Mit den Leuten kann man auf Augenhöhe reden.“
Zum Abschluss rückte das europäische Emissionshandelssystem ETS 2 in den Fokus.
Feicht bezeichnete den ETS
2 für den Wärmesektor als von herausragender Bedeutung, zugleich aber als extrem komplex. Unterschiedliche Kaufkraftniveaus von Deutschland bis Rumänien führten zu massiven Verteilungsfragen. Auch deshalb sei die Einführung von der EU-Kommission verschoben worden und es werde unter anderem über Preisdeckel beim CO2-Preis im Wärmemarkt diskutiert.
Klar wurde: Ohne stabile und verlässliche Preissignale, die mit Förderinstrumenten und ordnungsrechtlichen Vorgaben zusammenspielen, werde die Umsetzung der Wärmewende schwierig. Das liege weniger an fehlender Technik als an stimmiger Regulierung und Gesetzgebung.
// VON Stefan Sagmeister WENIGER