Der Krieg um den Iran verdeutliche einmal mehr die Notwendigkeit, die Stromproduktion mittels erneuerbarer Energien rasch auszubauen. Das betonte der Präsident des österreichischen Elektrizitätswirtschaftsverbands Oesterreichs Energie, Michael Strugl, bei der Vorstellung des „Zielbilds“ der Branche am 5. März in Wien. Strugl, der auch Generaldirektor des Stromkonzerns Verbund ist, erläuterte, der Erneuerbaren-Ausbau sei keineswegs nur ein klimapolitisches Thema: „Es geht vor allem um Resilienz und Preisstabilität.“
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Beim Import fossiler Energieträger sei Österreich möglichen „geopolitischen Verwerfungen“ ausgesetzt. Dieses Risiko lasse sich durch die Nutzung heimischer Energiequellen sowie die Elektrifizierung der Energieversorgung verringern: „Wir müssen alle unsere Möglichkeiten und Ressourcen nutzen.“ Es gelte, mit kluger sowie integrierter Planung einen „optimalen Technologiemix“ zu schaffen: „Das haben wir bis jetzt leider nicht hinbekommen.“
Aktualisierte StrategieBei dem „Zielbild“ handelt es sich um eine aktualisierte Version der „Stromstrategie 2040“, der E-Wirtschaftsverband bei seinem Kongress Mitte September 2024 präsentiert hatte. Damals erwartete Oesterreichs Energie, der Strombedarf werde sich von 68
Milliarden kWh im Jahr 2020 bis 2040 auf etwa 145,2
Milliarden kWh mehr als verdoppeln. Die voraussichtliche Erzeugung wurde mit 146,5
Milliarden kWh beziffert, von denen 58,1
Milliarden auf die Wasserkraft inklusive Pumpspeicher, 39,9
Milliarden auf die Windkraft und 32,6
Milliarden auf die Photovoltaik entfallen sollten. Mit Biomasse und „grünen“ Gasen betriebene Kraft-Wärme-Kopplungen sowie Gasturbinen machten weitere 9,2
Milliarden kWh aus.
Das „Zielbild“ geht dem gegenüber von einem Bedarf von etwa 123
Milliarden kWh im Jahr 2040 aus, hieß es auf Nachfrage der Redaktion. Somit würde sich der Anstieg im Vergleich zu 2020 auf etwa 81
Prozent belaufen, in der „Stromstrategie 2040“ hatte er 113,5
Prozent betragen. Die erwartete Erzeugung wird im „Zielbild“ mit 125,9
Milliarden kWh beziffert. Dominant bleibt weiter die Wasserkraft mit 52,4
Milliarden kWh, gefolgt von der Windkraft mit 35,7
Milliarden und der PV mit 22,9
Milliarden kWh. Um rund einen Prozentpunkt höher als in der „Stromstrategie“ fällt der Anteil der Windkraft aus, der sich im „Zielbild“ auf 28,3
Prozent beläuft. Dies geht vor allem zulasten der PV, deren Anteil mit 18,2
Prozent um etwa 3
Prozentpunkte unter dem in der „Stromstrategie“ angegebenen Wert liegt.
Obergrenze für PV Der Autor des Zielbilds, Anton Burger vom deutschen Beratungsunternehmen Compass Lexecon, erläuterte, der Ausbau der PV sei nach wie vor sinnvoll. Es gebe jedoch eine Obergrenze, ab der die Kosten für ihre Integration in das Stromsystem ihren Nutzen überstiegen. Diese beträfen etwa Zahlungen für den tendenziell steigenden Bedarf an Redispatchmaßnahmen sowie Regelenergie, aber auch für den Netz- und Speicherausbau. In Österreich liege die Obergrenze für den wirtschaftlich sinnvollen PV-Ausbau „in der relativ großen Bandbreite von 15.000 bis 25.000
MW“.
Zur aktualisierten Prognose hinsichtlich Entwicklung des Strombedarfs bekundete Strugl, 2024 seien nicht zuletzt die Elektrifizierung der Industrie sowie der Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft und damit die Errichtung von Elektrolyseuren „optimistischer“ eingeschätzt worden, als dies nunmehr der Fall sei. Beides werde kommen, „aber weniger rasch, als wir seinerzeit erwartet haben“. Ohnehin empfehle sich, jede Strategie und jedes Zielbild regelmäßig zu überarbeiten. Sein eigenes Unternehmen, der Stromkonzern Verbund, tue dies jährlich.
ÖNIP anpassen Handlungsbedarf sieht Strugl vor allem bei der Windkraft. Diese habe ihr Produktionsmaximum üblicherweise im Winterhalbjahr, wenn die PV und die Wasserkraft ihre Erzeugungsminima erreichten. Dringend anzupassen ist laut Strugl der Österreichische Integrierte Netzausbauplan (ÖNIP) vom April 2024. Diesem zufolge würde die Stromerzeugung 2040 bei insgesamt 133
Milliarden kWh liegen, von denen 48
Milliarden auf die Wasserkraft, 41
Milliarden auf die PV und 29
Milliarden kWh auf die Windenergie entfallen. Der Anteil der PV ist nach Ansicht der E-Wirtschaft mit knapp 31
Prozent zu hoch bemessen, jener der Windkraft mit 22
Prozent dagegen zu niedrig. „Wir würden den Erzeugungsmix in unserem neuen Zielbild als in etwa optimal betrachten“, konstatierte Strugl.
Unbestreitbar ist laut Burger, dass weiterhin flexible thermische Erzeugungsanlagen benötigt werden, um die witterungsbedingt schwankende Stromproduktion mittels erneuerbarer Energien auszugleichen. Für deren Finanzierung sind Kapazitätsmechanismen unverzichtbar, bestätigte Burger der Redaktion.
// VON Klaus Fischer WENIGER