Die Energiemärkte haben zum Wochenausklang ihre Aufwärtsbewegung fortgesetzt. Am Strommarkt zogen sowohl die kurzfristigen Kontrakte als auch das Frontjahr deutlich an, unter anderem gestützt durch die Aussicht auf eine anhaltend schwache Wind-Einspeiseleistung. Auch CO2 legte wieder zu, ebenso wie der Gasmarkt, der angesichts der Eskalation im Nahen Osten auf den größten Wochengewinn seit Beginn Februar 2022 zusteuerte. Die Sorge vor anhaltenden Lieferstörungen sowie sehr niedrige Speicherstände treiben die Risikoprämien nach oben. Auch Kohle und Öl tendierten fester. Insgesamt bleiben die Energiemärkte stark von geopolitischen Schlagzeilen geprägt, während gleichzeitig strukturelle Angebotsrisiken zunehmend eingepreist werden.
// VON Marie Pfefferkorn MEHR...
Strom: Durchweg fester hat sich der deutsche OTC-Strommarkt am Freitag gezeigt. An der Börse wurde der Montag im Base mit 129,40
Euro je Megawattstunde gehandelt. Am Donnerstag mussten für den Freitag selbst im außerbörslichen Handel 124,00
Euro in der Grundlast und 119,00
Euro in der Spitzenlast gezahlt werden.
Die Einspeiseleistung der Erneuerbaren dürfte am Montag etwas geringer ausfallen als noch am Freitag. Auch im weiteren Verlauf der neuen Arbeitswoche erwarten die Meteorologen von Eurowind nur eine moderate Einspeiseleistung.
Das US-Wettermodell hat seine Prognosen im Vergleich zum Vortag etwas angepasst und geht nun von einer zumeist unterdurchschnittlichen Windstrom-Einspeiseleistung bei gleichzeitig fast durchgehend überdurchschnittlichen Temperaturen aus. Lediglich um den 17.
März herum dürfte es kurzzeitig etwas kühler werden, hier werden leicht unterdurchschnittliche Werte in Aussicht gestellt.
Am langen Ende des Strommarktes gewann das Cal
27 um 3,17 auf 90,68
Euro je Megawattstunde.
Erdöl: Für die Ölpreise ging es weiter aufwärts. Bis gegen 15.00
Uhr gewann Mai-Brent um 4,26 auf 89,67
US-Dollar je Barrel hinzu. April-Gasöl legte um 38,25 auf 1072,25
US-Dollar je Tonne zu.
Hintergrund ist der Krieg gegen Iran, der inzwischen in den siebten Tag gegangen ist, ohne dass ein baldiges Ende absehbar wäre. Die Containerreedereien A.P. Moller-Maersk und Hapag-Lloyd setzten wichtige Schifffahrtsrouten in den Nahen Osten aus. Die Auswirkungen des Kriegs in der Region stören zunehmend die globalen Handelsströme.
CO2: Fester haben sich die CO2-Preise zum Wochenausgang präsentiert. Der Dec
26 gewann bis gegen 14.00
Uhr 1,04 auf 71,39
Euro je Tonne. Umgesetzt wurden bis zu diesem Zeitpunkt 20,7
Millionen Zertifikate. Das Hoch lag bei 71,64
Euro, das Tief bei 69,88
Euro.
Der CO2-Markt hatte sich im Wochenverlauf angesichts der geopolitischen Lage sehr volatil und anfällig für Schlagzeilen gezeigt. Angesichts einer zunehmend unsicheren Gasversorgung und deutlich gestiegener Preise gehen die Analysten von Belektron davon aus, dass die Stromerzeugung verstärkt auf Kohlekraftwerke verlagert werden könnte, was auch zu einer höheren Nachfrage nach CO2-Zertifikaten führen würde.
Während die Volatilität an den Energiemärkten insgesamt hoch bleibt, deute der aktuelle Anstieg bei den Emissionszertifikaten darauf hin, dass strukturelle Nachfragefaktoren wieder stärker in den Vordergrund treten und die zuvor dominierende Risikoaversion überlagern, so die Analysten.
Erdgas: Die europäischen Gaspreise haben am Freitag weiter zugelegt und sind wieder über die Marke von 52
Euro je Megawattstunde geklettert. Bis gegen 14.00
Uhr gewann der Frontmonat April am niederländischen TTF um 1,50 auf 52,40
Euro je Megawattstunde hinzu.
Damit steuerten die Gaspreise laut Trading Economics auf den größten Wochengewinn seit Februar 2022 zu. Hintergrund sind wachsende Sorgen, dass ein länger andauernder Konflikt im Nahen Osten die Gasversorgung erheblich stören könnte.
Die Preise sind in dieser Woche um mehr als 50
Prozent gestiegen und erreichten damit den höchsten Stand seit Anfang 2023. Erste Hinweise auf mögliche Versorgungsprobleme in der Region zeichnen sich bereits ab: Die abtrünnige moldauische Region Transnistrien warnte, dass ihr innerhalb weniger Tage das Gas ausgehen könnte.
Analysten gehen unterdessen davon aus, dass die europäischen Gasspeicher Ende März nur noch zu 22 bis 27
Prozent gefüllt sein könnten, was deutlich unter dem Fünfjahresdurchschnitt von rund 41
Prozent liegen würde. Sollten in den kommenden vier Wochen weniger LNG-Lieferungen eintreffen, könnten die Speicherstände weiter sinken und das Risiko von Versorgungsengpässen steigen.
Unterdessen teilte die Regierung von Präsident Donald Trump mit, dass sie mehrere Maßnahmen prüft, um auf den starken Anstieg der Energiepreise zu reagieren.
Nach Einschätzung der Analysten der Commerzbank könnte der Gaspreis mittelfristig auf etwa 67
Euro je ansteigen, wenn die katarischen Gasexporte längerfristig unterbrochen bleiben (8
Prozent der europäische Gasimporte fallen weg und zusätzliche 15
Prozent am Weltmarkt) und Russland die Lieferungen nach Europa sofort beenden würde.
Sollte Russland keine anderen Abnehmer für das Gas finden, was derzeit nach Europa geht, würde das globale Gasangebot weiter zurückgehen und der europäische Gaspreis potenziell auf über 70
Euro ansteigen. Würde Russland die Lieferungen nach Europa nicht einstellen, aber die katarischen Exporte würden weiterhin ausfallen, könnte sich der Gaspreis dem Modell zufolge knapp unter 60
Euro einpendeln.
// VON Marie Pfefferkorn WENIGER