BILANZ. 50 Hertz bilanziert für 2025 ein Ergebnis von kapp einer halben Milliarde Euro. CEO Stefan Kapferer schweben bei Netzanschlüssen „Kontingente“ für Erneuerbare und Batteriespeicher vor.
Der Übertragungsnetzbetreiber 50
Hertz hat im vergangenen Jahr ein Konzernergebnis nach IFRS-Regelwerk in Höhe von 486
Millionen Euro erzielt. Das waren 176
Millionen Euro mehr als 2024. „Die starken finanziellen Ergebnisse sind die Folge einer ausgezeichneten operativen Leistung“, kommentierte der Chef der Elia-Gruppe, Bernard Gustin, die Bilanz der deutschen Tochter bei einer Pressekonferenz am 10.
März. Das Kapital von 50
Hertz sei, wie der Aufsichtsratsvorsitzende betonte, „weiter gestärkt“ worden. Frisches Geld, das es dem Unternehmen ermöglichen soll, „zentrale Infrastrukturprojekte umzusetzen und die hohe Systemsicherheit zuverlässig zu gewährleisten“.
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Für die Jahre 2026 bis 2028 sieht das Unternehmen jährliche Investitionen von rund 5
Milliarden Euro vor. Im zurückliegenden sei mit 3,8
Milliarden Euro der Planwert erreicht worden, berichtete die Geschäftsführerin Finanzen und Portfoliomanagement, Christine Janssen. „Für die aktuelle Regulierungsperiode von 2024 bis 2028 können wir unseren bisherigen Plan von knapp 23
Milliarden Euro bestätigen“, sagte sie. Dies sei fast fünfmal so viel wie in der vorherigen Regulierungsperiode.
Die Finanzierung durch Fremdkapital, organisiert durch die Muttergesellschaft Eurogrid bezifferte sie für 2025 auf 3,1
Milliarden Euro. An Eurogrid – der direkten Muttergesellschaft von 50 Hertz innerhalb der Elia-Gruppe – ist der Bund über die KfW-Bank mit 20
Prozent beteiligt. „Besonders stolz sind wir auf die Emission von Deutschlands erstem EU Green Bond nach dem neuen European Green Bond Standard mit einem Gesamtvolumen von über einer Milliarde Euro in zwei Tranchen“, so Janssen.
Über 90 neue Netzanschlüsse bewilligtDas deutliche Ergebnisplus von 57
Prozent auf 486
Millionen Euro rührte, wie die Finanzchefin erläuterte, auch von Sondereffekten her. 46,5
Millionen Euro ergeben sich aus der geplanten schrittweisen Senkung der Körperschaftssteuer in den Jahren 2028 bis 2032. Darüber hinaus spiegelten sich Zinseffekte im IFRS-Ergebnis wider.
Positive Bilanz zieht das Unternehmen auch beim Netzausbau. Mit dem Energieleitungsausbaugesetz sei man fast durch, sagte der 50-Hertz-CEO. „Auch bei den Projekten im Bundesbedarfsplanungsgesetz kommen wir sehr gut voran.“
Erneuerbare machten in der Regelzone im vergangenen Jahr laut Kapferer einen Anteil von 74
Prozent der Last aus. „Das letzte Jahr war ein schwaches Windjahr“, erinnerte er. Der Stromverbrauch betrug 93
Milliarden kWh (2024: 94
Milliarden kWh). „Der Stromverbrauch hat nach wie vor keinen dynamischen Anstieg“, sagte er.
Positiv beschiedene Netzanschlussbegehren gab es mehr als 90 im vergangenen Jahr. Deren Anschlussleistung summiert sich 50 Hertz zufolge auf knapp 35
MW. Aktuell lägen weitere Anträge für 140
Batteriespeicher, 17
Rechenzentren und zwei Elektrolyseure vor.
Reifegradverfahren allein reicht nicht„Wir werden sicher nicht allein mit dem Reifegradverfahren alle Fragen lösen können. Es lässt uns nicht die Möglichkeit zu sagen, Batteriespeicher sind schon viele da, lass uns doch lieber noch drei Rechenzentren anschließen oder einen weiteren Windpark“, sagte Kapferer über das neue Prozedere, das die vier ÜNB am 1.
April starten. Und er fügte hinzu: „Hier werden wir mit der Politik auch nochmal über die Frage reden müssen, inwieweit die Politik den Mut hat, bestimmte Kontingente festzulegen, die im NEP-Prozess möglicherweise als Bedarfe ausgewiesen werden: Wie viel Gigawatt Batteriespeicher, wie viele Elektrolyseure sind notwendig, wie viel Erneuerbare brauchen wir.“
Auch die Frage, wo Erneuerbare-Anlagen errichtet werden und wo nicht, hält Kapferer für notwendig. „Es ist nicht die Aufgabe des Netzkunden und auch nicht die Aufgabe des Übertragungsnetzbetreibers, jedem Grundstückseigentümer in Deutschland einen Business Case zu verschaffen durch den Anschluss für Erneuerbare“. Es gehe nicht darum, weniger Erneuerbare zuzubauen, sondern darum, sie an Standorten zuzubauen, wo sie besser ihre Aufgabe bei der Dekarbonisierung des Systems erbringen können als an anderer Stelle.
Wind an Land als „Lastesel“Welche Technologie Priorität haben sollte, steht für Kapferer außer Frage: „Wind an Land ist in vielerlei Hinsicht der Lastesel der Erzeugungskapazitäten in der Zukunft“, sagte er.
Auch was die Schwerpunktsetzung bei der Kraftwerksstrategie der Bundesregierung angeht, findet der 50
-Hertz-Chef klare Worte. Es stimme, dass mehr Kraftwerke im Süden erforderlich seien, aber ein Drittel der neuen Kapazitäten brauche man im Nordosten. Die Kapazitäten benötige man für den Fall, „dass wir einmal Netzwiederaufbau machen“ und zur Bereitstellung bestimmter Systemdienstleistungen. „Es gibt im Netzgebiet von 50 Hertz sehr wenig Gaskapazität.“
// VON Manfred Fischer WENIGER