Deutschland hat seine Treibhausgasemissionen im Jahr 2025 nur geringfügig reduziert, stellt der Bericht vom 14.
März fest. Nach Angaben des Umweltbundesamt (UBA) lagen die Emissionen bei rund 648,9
Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten. Gegenüber 2024 entspricht das einem Rückgang um etwa 0,9
Millionen Tonnen beziehungsweise 0,1
Prozent.
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Damit unterschritt Deutschland laut UBA zwar die nach dem Klimaschutzgesetz zulässige Jahresemissionsmenge von 661,6
Millionen Tonnen CO2 um rund 12,8
Millionen Tonnen. Zugleich hat sich die Minderung der Emissionen deutlich verlangsamt. Seit 1990 sank der Treibhausgasausstoß nach Behördenangaben insgesamt um rund 48
Prozent.
Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) erklärte bei der Vorstellung der Daten in Berlin, Deutschland sei auf dem Weg zur Klimaneutralität bereits deutlich vorangekommen. Zugleich seien die Fortschritte bei den Emissionen zu langsam gewesen, obwohl die Nachfrage nach klimafreundlichen Technologien wie Elektroautos und Wärmepumpen deutlich gestiegen sei.
Großer HandlungsbedarfAuch die mittelfristigen Projektionen des UBA zeigen zusätzlichen Handlungsbedarf. Das gesetzliche Ziel, die Treibhausgasemissionen bis 2030 um 65
Prozent gegenüber 1990 zu senken, bleibt laut Behörde grundsätzlich erreichbar. Voraussetzung seien jedoch zusätzliche Maßnahmen. Ab 2026 müssten die Emissionen bis 2030 jährlich um durchschnittlich 42
Millionen Tonnen CO2 sinken.
Nach den aktuellen Projektionen reichen die bisher umgesetzten klimapolitischen Instrumente nur für eine Reduktion um etwa 62,6
Prozent bis 2030. Gleichzeitig schrumpft der bisherige Puffer für die Zielerreichung deutlich. Er liegt laut UBA nun nur noch bei knapp 3,8
Millionen Tonnen.
Europäische Vorgaben gerissenAuch die Lücke zu den europäischen Vorgaben wächst. Mit Blick auf die Verpflichtungen aus der EU-Klimaschutzverordnung erhöht sich laut UBA die kumulierte Differenz bis 2030 im Vergleich zum Vorjahr um 29
Millionen Tonnen auf insgesamt 255
Millionen Tonnen CO2. UBA-Präsident Dirk Messner erklärte, „die Emissions- und Projektionsdaten zeigen eine sektorübergreifende Verlangsamung des Klimaschutzes“.
Gleichzeitig sei bekannt, welche Maßnahmen nötig seien, um die nationalen Klimaziele zu erreichen. Als zentrale Grundlage nannte Messner den weiteren Ausbau erneuerbarer Energien, den Aufbau von Speicher- und Netzinfrastruktur sowie eine stärkere Elektrifizierung in Verkehr und Gebäuden.
Ein Blick auf die einzelnen Sektoren zeigt laut UBA ein uneinheitliches Bild. In der Energiewirtschaft sanken die Emissionen leicht um etwa 0,6
Millionen Tonnen CO2 auf rund 189,1
Millionen Tonnen. Im Industriesektor gingen die Emissionen deutlich stärker zurück. Dies lag vor allem an der schwachen Konjunktur und geringeren Produktionsmengen in energieintensiven Branchen zurück. Dagegen stiegen die Emissionen im Verkehrs- und im Gebäudesektor.
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Prognostizierte Entwicklung der deutschen Treibhausgsemisssionen (Für Vollbild auf die Grafik klicken) Quelle: UBA |
Harsche VerbandskritikAuf Basis der UBA-Daten fordert Julia Bläsius, Direktorin der Agora Energiewende Deutschland, ambitionierte Klimaschutzmaßnahmen über alle Sektoren hinweg. Die Bundesregierung müsse in eine zukunftsfähige Infrastruktur investieren, zusätzliche Ausschreibungen für Windkraft an Land freigeben, verlässlich sinkende CO2-Flottengrenzwerte für Fahrzeuge festlegen und einen wirksamen Mieterschutz im Gebäudemodernisierungsgesetz verankern sowie Investitionen in Gebäude- und Heizungsmodernisierung fördern.
Greenpeace-Sprecherin Marissa Reiserer sieht Schneider mit dem anstehenden Klimaschutzprogramm in der Pflicht. Deutschland erlebe gerade, wie teuer die Abhängigkeit von Öl- und Gas-Lieferanten sei. Indem die Regierung die Strom-Alternativen zu Gas und Öl sabotiere, ließe sie die Menschen in eine Kostenfalle laufen, so Reiserer.
Die deutsche Umwelthilfe (DUH) nennt den Gebäudesektor als „größte klimapolitische Baustelle der Bundesregierung“. Mit dem Entwurf des Gebäudemodernisierungsgesetzes (GMG) würde die ohnehin bestehende Ziellücke im Klimaschutzgesetz massiv vergrößert, sagte DUH-Bundesgeschäftsführerin Barbara Metz. „Was wir brauchen, sind klare Prioritäten: eine Sanierungsoffensive, Bauen im Bestand und erneuerbare Wärme“, so Metz.
Der Bundesumweltminister will seine Berechnungen für das geplante Klimaschutzprogramm auf Basis der Prognosen aus dem Vorjahr fortführen, sodass das Programm bereits bei seiner Vorlage teilweise veraltet sein könnte. Das Klimaschutzprogramm der Bundesregierung soll nach Vorgaben des Gesetzes spätestens bis Ende März vorliegen. Es soll zusätzliche Maßnahmen enthalten, um die Emissionsziele bis 2030 und darüber hinaus einzuhalten.
Der
Bericht des UBA zu den Treibhausgasemissionen 2025 steht im Internet bereit.
// VON Susanne Harmsen WENIGER