Uneinheitlich haben sich am Dienstag die Energienotierungen gezeigt. Während die Preise für Gas, Öl und Kohle vor dem Hintergrund des Irankrieges anzogen, zeigten sich die Notierungen für CO2 und Strom abwärts gerichtet. Ausschlaggebend hierfür war die sich immer stärker intensivierende Diskussion um eine Reform des EU-ETS vor dem Gipfel der Staats- und Regierungschefs am Donnerstag und Freitag.
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Alles deutet dabei auf die Einführung eines Mechanismus in den kommenden Monaten hin, mit dem die Zertifikate letztendlich billiger werden, um den Wettbewerbsdruck für die europäische Industrie zu lindern. Die heruntergeredeten CO2-Preise lösten am Berichtstag auch bei Strom den politisch gewollten Abwärtsdruck aus, der die bullishen Impulse von Kohle und Gas überkompensierte. Wie lange dies jedoch gelingen kann, ist derzeit kaum absehbar. Noch zeichnet sich kein Ende des Krieges ab.
Strom: Mit einem deutlichen Minus hat sich der deutsche OTC-Strommarkt am Dienstag präsentiert. Die Diskussionen um eine Reform des EU-ETS überkompensierten dabei den kriegsbedingten Preisanstieg bei Gas und Öl. Der Day-ahead verlor 37,00 auf 89,25
Euro je Megawattstunde im Base und 62,00 auf 68,25
Euro je Megawattstunde im Peak.
Maßgeblich für den Preisrückgang beim Day-ahead ist die höhere Einspeiseleistung der Erneuerbaren zur Wochenmitte. Die Meteorologen von Eurowind erwarten für den Mittwoch 28,9
Gigawatt an Beiträgen von Wind und Solar, während für den Berichtstag nur 17,2
Gigawatt anfallen sollen. Für die Folgetage ab Donnerstag veranschlagt Eurowind jedoch wieder eine deutlich geringere Erneuerbaren-Einspeiseleistung.
Am langen Ende sank das Strom-Cal-27 um 0,76 auf 91,48
Euro je Megawattstunde.
CO2: Mit einem sehr kräftigen Minus haben sich die CO2-Preise am Dienstag präsentiert. Der Dec
26 verlor bis gegen 13.31
Uhr 3,69 auf 65,31
Euro je Tonne. Umgesetzt wurden bis zu diesem Zeitpunkt 35,8
Millionen Zertifikate. Das Hoch lag bei 68,55
Euro, das Tief bei 64,93
Euro. Hintergrund der Abgaben ist die sich verstärkende Diskussion um eine Reform des EU-ETS, die auf eine Verminderung des CO2-Preises hinausläuft.
Deutschland geht es dabei vor allem um die Verteilung kostenloser CO2-Zertifikate, die verhindern soll, dass europäische Unternehmen auf dem Weltmarkt einen Nachteil erleiden. Diese Zuteilung läuft nach aktuellem Stand 2034 aus und beruht auf Zielwerten, die entscheiden, welche Firmen die kostenlosen Zertifikate bekommen. Nach Ansicht der Bundesregierung sind die Zielwerte für die deutsche Chemieindustrie zu ehrgeizig. Brüssel will nach den Worten von Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen „in Kürze“ eine Anpassung der Zielwerte vorschlagen und dabei „die von der Industrie geäußerten Bedenken berücksichtigen“. Von der Leyen kündigte in einem Brief an die EU-Staats- und Regierungschefs außerdem die Ausweitung eines Mechanismus an, der die CO2-Preise stabil halten soll.
Erdgas: Die europäischen Gaspreise haben sich am Dienstag fester gezeigt. Der Frontmonat April am niederländischen TTF gewann bis gegen 13.26
Uhr 1,070 auf 51,825
Euro je Megawattstunde. Am deutschen THE ging es um 0,900 auf 52,800
Euro je Megawattstunde nach oben. Händler führen den Preisanstieg bei Gas auf die Ausweitung iranischer Angriffe auf die Energiewirtschaft am Persischen Golf zurück.
Der Betrieb eines Erdgasfeldes in den Vereinigten Arabischen Emiraten wurde eingestellt. Die Angriffe Teherans intensivieren sich zu einem Zeitpunkt, an dem sich Sorgen vor Lieferengpässen verstärken, nachdem der Krieg im Nahen Osten in seine dritte Woche geht. Die starken Einschränkungen des Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus am Persischen Golf beginnen sich vor allem auf Verbraucher in Asien auszuwirken, die auf Lieferungen aus der Golfregion besonders angewiesen sind und zuletzt auch auf dem europäischen Markt verstärkt Gas nachfragten.
// VON Claus-Detlef Großmann WENIGER