Insbesondere die geringere Stromproduktion mittels Wasserkraftwerken sowie die Abschöpfung sogenannter „Übergewinne“ senkten den Umsatz sowie das Konzernergebnis des größten österreichischen Stromkonzerns Verbund im Jahr 2025 erheblich. Das berichteten Generaldirektor Michael Strugl und Finanzvorstand Peter Kollmann bei der Präsentation der Jahresbilanz 2025 am 18. März in Wien.
// VON Klaus Fischer MEHR...
Der Umsatz sank verglichen zum Vorjahr 2024 um 2,6
Prozent auf 8,01
Milliarden Euro. Das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) verringerte sich um 21,3
Prozent auf 2,74
Milliarden Euro. Das Konzerergebnis schließlich fiel um 20,6
Prozent auf 1,49
Milliarden Euro. Mit Wasserkraftwerken, die etwa 90
Prozent seiner Stromerzeugung ausmachen, produzierte der Verbund 2025 rund 25,37
Milliarden kWh, damit 24,2
Prozent weniger als 2024.
Laut Kollmann war 2025 in Österreich das vierttrockenste Jahr seit 1926. Der Erzeugungskoeffizienz der Laufwasserkraftwerke des Verbunds belief sich auf den dimensionslosen Wert von 0,79 und lag damit um 30
Prozentpunkte unter dem Niveau von 2024. Weil die Verringerung der Stromerzeugung aus Wasserkraft um 1
Prozent das Konzernergebnis des Verbunds mit 15,8
Millionen Euro belastete, verringerte sich dieses um rund 382
Millionen Euro. Die „Übergewinn“-Abschöpfung wiederum belief sich auf etwa 136
Millionen Euro. Sie resultierte aus dem Beschluss der Bundesregierung, den „Energiekrisenbeitrag Strom“ auch 2025 einzuheben.
Belastung an der Grenze
Verbund-Generaldirektor Strugl konstatierte, die Belastung der österreichischen Elektrizitätswirtschaft durch politische Maßnahmen erreiche nun ihre Grenzen. Der Verbund habe der öffentlichen Hand im vergangenen Jahr über den „Energiekrisenbeitrag Strom“ hinaus rund 560
Millionen Euro Dividenden sowie 700
Millionen Euro an Steuern bezahlt: „Damit ist eine Dimension erreicht, die wir hinterfragen müssen.“ Dies gelte umso mehr, als die Bundesregierung plant, auch den ab 1. Januar 2027 geltenden Industriestrompreis von der E-Wirtschaft bezahlen zu lassen. Laut politischen Kreisen soll die Branche dafür etwa 250
Millionen Euro pro Jahr bereitstellen.
Strugl berichtete, er habe vor kurzem mit Finanzminister Markus Marterbauer (Sozialdemokratische Partei Österreichs) gesprochen. Dieser schätze die Beiträge der E-Wirtschaft zur Deckung der Ausgaben der öffentlichen Hand, habe aber klargemacht, „er braucht unser Geld. Wir haben ihm gesagt, wir zahlen selbstverständlich. Aber wir können uns nicht als Melkkuh verstehen“. Auch ergebe es wenig Sinn, die Strompreise durch Steuern und Abgaben zusätzlich zu belasten, wenn sie ohnedies als (zu) hoch erachtet würden.
Für dieses Jahr rechnet der Verbund mit einem Ebitda von etwa 2 bis 2,5
Milliarden Euro sowie einem Konzernergebnis von 900 Millionen bis 1,2
Milliarden Euro. Somit würde das Ebitda um 8,7 bis 26,9
Prozent sinken, das Konzernergebnis um rund 20 bis 39,6
Prozent.
Vernünftige Vorschläge Zu den am 17. März bekannt gewordenen Debatten auf EU-Ebene hinsichtlich der Begrenzung des Einflusses der Kosten für CO2-Zertifikate auf die Großhandelspreise für Strom konstatierte Strugl, es gelte, die diesbezüglichen Vorschläge zu diskutieren. Wichtig sei ein europaweit abgestimmtes Verhalten.
Von der Redaktion darauf angesprochen, dass der Vorstand der E-Control, Alfons Haber, die Vorschläge gestern als prinzipiell „guten Ansatz“ bezeichnet hatte, beschied Strugl, auch er halte die Überlegungen für „grundsätzlich vernünftig“. Jedenfalls aber empfehle sich, die Erzeugungskapazitäten auf Basis der erneuerbaren Energien zügig auszubauen. Je rascher dies erfolge, desto eher würden sich preisdämpfende Effekte im Stromgroßhandel bemerkbar machen.
Hohe Investitionen Strugl ergänzte, der Verbund plane, von diesem Jahr an bis einschließlich 2028 rund 6,79
Milliarden Euro zu investieren. Davon entfielen rund 2,12
Milliarden Euro auf Windparks und Photovoltaikanlagen sowie 1,38
Milliarden Euro auf Projekte im Bereich der Wasserkraft. Freilich benötige der Verbund entsprechende Rahmenbedingungen, allen voran das seit 2023 angekündigte Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungs-Gesetz (EABG).
Beim Ausbau der Windkraft in Österreich sieht sich der Verbund immer wieder mit Problemen konfrontiert, räumte Strugl ein. Erst am 15. März scheiterte eine Volksbefragung, über deren negativen Ausgang ganze 13 „Nein“-Stimmen entschieden. Strugl bestätigte der Redaktion, dass der Verbund bisweilen mit seiner mangelnden regionalen Verankerung in den Bundesländern zu tun hat. Er werde oft genug als „Wiener“ Unternehmen betrachtet, dessen Anliegen prinzipiell suspekt seien.
// VON Klaus Fischer WENIGER