Erneut ohne klare Richtung haben sich die Energiemärkte am Dienstag präsentiert. Am Strommarkt gerieten die kurzfristigen Kontrakte deutlich unter Druck, belastet durch eine stark steigende Einspeiseleistung der Erneuerbaren, während auch das Frontjahr nachgab. Gegenläufig entwickelte sich der CO2-Markt, der weiter zulegte und sich über die Marke von 70
Euro bewegte, gestützt durch geopolitische Unsicherheiten und strukturelle Faktoren. Am Gasmarkt setzte sich die Abwärtsbewegung fort, trotz anhaltender Angebotsrisiken durch gestörte LNG-Flüsse und niedrige Speicherstände. Öl zog wieder an und näherte sich der Marke von 100 US-Dollar. Insgesamt bleibt das Marktumfeld volatil und stark von geopolitischen Schlagzeilen geprägt, wobei kurzfristige Gegenbewegungen jederzeit möglich erscheinen.
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Strom: Überwiegend etwas schwächer hat sich der deutsche OTC-Strommarkt am Dienstag präsentiert. Der Day-ahead verlor um 39,00 auf 38,00
Euro je Megawattstunde im Base und um 19,50 auf 37,25
Euro je Megawattstunde im Peak. An der Börse mussten für die Grundlast 37,68 Euro und für die Spitzenlast 36,92
Euro gezahlt werden.
Die Meteorologen von Eurowind stellen für den Mittwoch einen deutlichen Anstieg der Einspeiseleistung der Erneuerbaren auf knapp 53
Gigawatt in Aussicht. Am Donnerstag dürfte die Einspeiseleistung zwar deutlich zurückgehen, mit mehr als 40
Gigawatt aber auch noch recht hoch ausfallen. Für die darauf folgenden Tage werden deutlich geringere Beiträge von Wind und Solar erwartet.
Am langen Ende des Strommarktes verlor das Cal
27 bis zum Nachmittag 1,73 auf 97,21
Euro je Megawattstunde.
CO2: Die CO2-Preise haben am Dienstag weiter zugelegt. Der Dec
26 gewann bis gegen 14.00 Uhr 1,34 auf 70,60 Euro je Tonne. Umgesetzt wurden bis zu diesem Zeitpunkt 16,9
Millionen Zertifikate. Das Hoch lag bei 70,89
Euro, das Tief bei 68,28
Euro. Auch die weitere Entwicklung der CO2-Preise bleibt vor allem abhängig von der geopolitischen Entwicklung und den damit verbundenen Schlagzeilen, wie die Analysten von Vertis betonen.
Sollten sich die Angebotssorgen im Hinblick auf LNG- und Öl-Lieferungen abschwächen, könnte dies die CO2-Preise weiter stützen. Zudem warte der CO2-Markt aktuell auf Details zu einer Überarbeitung der Marktstabilitätsreserve, nachdem EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sich auf dem jüngsten Gipfel grundsätzlich für das EU-ETS ausgesprochen hatte.
Erdgas: Die europäischen Gaspreise haben am Dienstag ihren Abwärtskurs fortgesetzt. Der Frontmonat April am niederländischen TTF verlor 2,500 auf 53,950
Euro je Megawattstunde. Am deutschen THE ging es für den Day-ahead um 1,075 auf 56,575
Euro nach unten.
Marktteilnehmer sprachen am Dienstag von widersprüchlichen Signalen im Zusammenhang mit dem Konflikt im Mittleren Osten, nachdem Präsident Trump zuvor eine fünftägige Verschiebung zuvor angedrohter Angriffe auf die iranische Ölinfrastruktur angekündigt und auf „produktive Gespräche“ zur Beendigung des Krieges verwiesen hatte. Iran bestritt jedoch, dass entsprechende Gespräche stattfinden.
Die Energiemärkte bleiben seit Beginn des Konflikts hoch volatil, während die Straße von Hormus weiterhin weitgehend geschlossen ist und damit Öl- und LNG-Transporte einschränkt. Iranische Angriffe haben zudem rund 17
Prozent der LNG-Exportkapazität Katars außer Gefecht gesetzt; die Reparatur beschädigter Anlagen könnte laut Qatar Energy bis zu fünf Jahre dauern.
Vor dem Hintergrund deutlich geleerter europäischer Gasspeicher nach dem Winter dürfte es den Mitgliedstaaten schwerfallen, die Lagerbestände im Sommer wieder aufzufüllen, sofern die Störungen anhalten und sich der Wettbewerb mit Asien um LNG-Ladungen weiter verschärft.
// VON Marie Pfefferkorn WENIGER