Überwiegend fester haben sich die Energiemärkte nach den Osterfeiertagen präsentiert. Erneut war der Blick der Marktteilnehmer vor allem auf US-Präsident Donald Trump und seine Aussagen sowie das Ultimatum der USA zur Wiederöffnung der Straße von Hormus im Fokus.
// VON Marie Pfefferkorn MEHR...
Am Strommarkt ging es überwiegend aufwärts, während sich bei CO2 die jüngste Schwächephase fortsetzte, trotz grundsätzlich bullish bewerteter regulatorischer Signale rund um MSR (Marktstabilitätsreserve) und Benchmark-Anpassungen.
Deutliche Aufschläge verzeichnete erneut der Gasmarkt, getrieben von anhaltenden Störungen im LNG-Handel über die Straße von Hormus und strukturell angespannten Angebotsbedingungen.
Insgesamt bleibt das Marktumfeld von hoher Volatilität geprägt, wobei geopolitische Entwicklungen und Versorgungssorgen das Sentiment dominieren.
Strom: Fast durch die Bank fester hat sich der deutsche OTC-Strommarkt am Dienstag präsentiert. Der Day-ahead wurde mit 87,25 Euro je Megawattstunde im Base und 50,50 Euro je Megawattstunde im Peak bewertet.
Die Einspeiseleistung der Erneuerbaren dürfte am Mittwoch leicht über dem Niveau vom Dienstag liegen. Für den Donnerstag wird dann ein deutlicher Anstieg erwartet, bevor die Einspeiseleistung am Freitag wieder etwas zurückgehen dürfte.
Am langen Ende des Strommarktes gewann das Cal 27 bis zum Nachmittag 0,84
Euro auf 94,15 Euro je Megawattstunde hinzu.
CO2: Erneut etwas schwächer hat sich der CO2-Markt am Dienstag gezeigt. Der Dec 26 verlor bis gegen 14.00 Uhr 0,23
Euro auf 71,46 Euro je Tonne. Umgesetzt wurden bis zu diesem Zeitpunkt 12,0 Millionen Zertifikate.
Die vor Ostern bekannt gewordenen EU-Initiativen, die Reform der MSR sowie der geleakte Entwurf der Benchmark-Werte der Generaldirektion Klima (DG CLIMA) blieben laut den Analysten von Vertis hinter den Erwartungen zurück und werden daher eher bullish bewertet.
Bei der MSR hatte sich der Markt auf ein vollständiges Einfrieren der Reduzierungsrate oder eine Absenkung auf 12
Prozent positioniert. Stattdessen beließ die Kommission die Rate bei 24
Prozent und strich lediglich die Obergrenze von 400
Millionen Zertifikaten für die MSR-Akkumulation, um künftig größere Volumen für mögliche Eingriffe aufzubauen. Diese Eingriffe bleiben jedoch zeitlich entfernt und erfordern zur Sicherstellung der Flexibilität eine Anpassung von Artikel 29a, die im Rahmen der EU-ETS-Richtlinienüberarbeitung im Juli verhandelt wird – womit die Maßnahme kurzfristig faktisch wirkungslos bleibt.
Bei den Benchmarks zeigt das Leak, dass die Kommission den sogenannten Fallback Benchmark nicht einfrieren wird – ein Schritt, der für betroffene Sektoren spürbare Entlastung gebracht hätte. Beide Maßnahmen fallen damit relativ zu den Markterwartungen eher bullish aus und lassen die Knappheitsnarrative für 2026 bis 2027 intakt.
Die Analysten von Vertis sehen damit kurzfristig ein leichtes Aufwärtspotenzial für den CO2-Markt, das jedoch durch die Unsicherheiten im Zusammenhang mit dem Irankrieg und der damit verbundenen möglichen Nachfrageschwäche eingeschränkt bleibt.
Erdgas: Mit weiteren Aufschlägen haben die Gaspreise auf die aktuelle geopolitische Lage reagiert. Der Frontmonat am niederländischen TTF gewann bis gegen 14.00 Uhr 2,375
Euro auf 52,125 Euro je Megawattstunde. Am deutschen THE ging es für den Day-ahead um 2,475
Euro auf 53,725 Euro nach oben.
Marktteilnehmer führten als Begründung an, dass die Lieferungen von Flüssigerdgas durch die Straße von Hormus weiterhin stark eingeschränkt bleiben und das globale Angebot verknappen. Daten von Kpler zufolge kehrten am Montag zwei LNG-Ladungen aus Katar um, die offenbar auf dem Weg durch die Straße von Hormus waren.
„Der globale LNG-Markt hat sich von einer kurzfristigen Störung in eine Phase struktureller Anspannung verschoben“, so Analysten von ANZ. „Selbst wenn sich die Schifffahrtsrouten wieder öffnen, lässt sich der Ausfall katarischer Mengen nicht kurzfristig kompensieren. Der Markt wird daher über höhere Preise, Lagerabbau und eine Rationierung der Nachfrage ins Gleichgewicht gebracht.“
Niedrigere Speicherstände verringern laut den Analysten die Flexibilität sowohl in Europa als auch in Asien und erhöhen die Sensitivität gegenüber Wettereinflüssen und ungeplanten Ausfällen. Gleichzeitig nimmt die Liquidität am Spotmarkt ab, da Käufer zur Absicherung verstärkt auf langfristige Lieferverträge ausweichen.
// VON Marie Pfefferkorn WENIGER