FOSSILE.
Die fossilen Energiepreise sind am 8. April gepurzelt: Iran, Israel und die USA hatten sozusagen in letzter Minute einen Waffenstillstand vereinbart.
Die Vereinbarung zwischen den Hauptkontrahenten des Irankriegs sehen eine zweiwöchige Waffenruhe und die Öffnung der Straße von Hormus für den Schiffsverkehr vor, die unter anderem für etwa 20 Prozent des globalen Ölverbrauchs wichtig ist. Der Waffenstillstand kam kurz vor einem Ultimatum von Donald Trump zustande, wahrscheinlich auf Vermittlung des besonders von den Lieferausfällen betroffenen Pakistan. Der US-Präsident hatte dem Iran mit der Auslöschung seiner Zivilisation und der Zerstörung von Kraftwerken sowie weiterer Energieinfrastruktur gedroht.
// VON Georg Eble und Marie Pfefferkorn / dpa
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Unklar ist dabei, ob der Iran weiterhin sein seerechtswidriges Schutzgeld von bis zu 2 Millionen US-Dollar pro Öltanker erhebt, der eine der iranischen Küste näher liegende Route passiert. Das iranische Außenministerium jedenfalls forderte die Reeder zur vorigen Abstimmung ihres Kurses mit dem iranischen Militär auf. Mehr als 400 Tanker sollen beiderseits des Ausganges des Persischen Golfs ankern und auf ihre Weiterfahrt warten.
Analysten: Ölpreis bleibt vorerst auf erhöhtem NiveauÖl: Die Ölpreise haben am Mittwoch deutlich nachgegeben. Juni-Brent verlor bis gegen 17.00 Uhr 14,85 auf 94,42 Dollar je Barrel. Mai-Gasöl verbilligte sich um 230,75 auf 1137,00 Dollar je Tonne. Die Unsicherheit darüber, ob der Waffenstillstand zwischen den USA und dem Iran Bestand haben wird, dürfte laut Analysten aber dafür sorgen, dass die Preise zunächst auf einem erhöhten Niveau verharren. Ein weiterer Faktor ist die Zeit, die es brauchen dürfte, bis sich die Staus rund um die Straße von Hormus auflösen und sich die Versorgung wieder normalisiert.
Trump erklärte am frühen Mittwoch in einem Beitrag in sozialen Medien, die USA würden „bei der Bewältigung des Verkehrsstaus“ in der Meerenge helfen. „Es wird viele positive Entwicklungen geben! Es wird viel Geld verdient werden. Iran kann mit dem Wiederaufbau beginnen“, schrieb er.
Laut der Schiffsverfolgungsseite MarineTraffic schienen am frühen Mittwoch zwei Schiffe zu versuchen, die Meerenge zu passieren. Mehrere weitere Schiffe waren ebenfalls auf dem Weg dorthin.
Erdgas: Der Day-ahead-Preis für den kontinentalen Leitkontrakt an der niederländischen TTF sank ebenfalls deutlich. Der Frontmonat Mai verlor bis gegen 14.00 Uhr 7,425 Euro auf 45,075 Euro je Megawattstunde. Auch a, deutschen THE ging es für den Day-ahead nach unten (s. separaten Marktkommentar.)
„Der globale LNG-Markt hat sich von einer kurzfristigen Störung in eine Phase struktureller Anspannung verschoben“, so Analysten von ANZ, bevor der Waffenstillstand bekannt wurde (wir berichteten). Ihre Bedenken dürften aber weitergelten: „Selbst wenn sich die Schifffahrtsrouten wieder öffnen, lässt sich der Ausfall katarischer Mengen nicht kurzfristig kompensieren. Der Markt wird daher über höhere Preise, Lagerabbau und eine Rationierung der Nachfrage ins Gleichgewicht gebracht.“ Der Iran hatte durch seine Angriffe auf den LNG-Komplex Ras Laffan 17
Prozent der katarischen Produktionskapazität zerstört.
Bundesregierung rechnet nicht mit schnell sinkenden SpritpreisenTrotz abgestürzter Rohölpreise haben die allermeisten Tankstellen am Mittwochmittag ihre Preise deutlich erhöht. Im bundesweiten Durchschnitt verteuerte sich Superbenzin der Sorte E10 zwischen 11.45 Uhr und 12.15 Uhr um 5,7 Cent pro Liter, Diesel um 5,3 Cent, wie der ADAC mitteilt. Nach der Erhöhung kostete ein Liter E10 im Schnitt 2,208 Euro, ein Liter Diesel 2,471 Euro.
Die Bundesregierung hat vor einer überzogenen Erwartung schnell sinkender Spritpreise infolge der Waffenruhe im Iran-Krieg gewarnt. „Die Wiedereröffnung der Straße von Hormus braucht Zeit und führt nicht schnell unmittelbar zurück zum Status aus dem Februar“, sagte der stellvertretende Regierungssprecher Sebastian Hille in der Bundespressekonferenz in Berlin.
Energiepreis-Krisengipfel in BerlinVizekanzler Lars Klingbeil lädt Wirtschaft und Gewerkschaften zu einem Energiepreis-Krisengipfel am Freitag ein. Es würden Maßnahmen geprüft, wie Verbraucher möglichst zielgenau entlastet werden können, hieß es.
Der SPD-Chef hatte zum Beispiel Entlastung über eine Mobilitätsprämie angeregt und deren Finanzierung über eine Übergewinnsteuer. Außerdem wirbt er für einen flexiblen Preisdeckel für Sprit. Unionsfraktionsvize Sepp Müller (CDU) sagte, die Lage sei komplex und volatil und gebe keinen Grund für voreilige Kurskorrekturen. Ein Waffenstillstand sei noch kein tragfähiger Frieden.
// VON Georg Eble und Marie Pfefferkorn / dpa
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