SMART METER. Der Metering-Dienstleister Voltaris hat die ersten Netz- und Messstellenbetreiber für das Steuern in der Niederspannung fit gemacht.
Während die meisten großen Messstellenbetreiber (MSB) die gesetzlichen Vorgaben zum Rollout intelligenter Messsysteme – sie mussten zum 31. Dezember 2025 mindestens 20
Prozent ihrer Pflichteinbaufälle abgearbeitet haben – einhalten konnten, hinken zahlreiche mittlere und kleinere Unternehmen der Quote immer noch hinterher.
// VON Fritz Wilhelm MEHR...
Beim Metering-Dienstleister Voltaris hat man dafür plausible Erklärungen. Eine wesentliche Rolle spielt die Anbindung von IT-Systemen. Doch mittlerweile geht es nicht mehr nur um die Ermittlung von Messdaten und die Erstellung von Verbrauchsabrechnungen, sondern auch um die Ermittlung von Netzzuständen und letztendlich die Steuerung von Anlagen, um kritische Netzsituationen zu beheben oder gar im Voraus schon zu vermeiden.
Bei einem Gespräch mit Journalisten wies Stephan Röhrenbeck, Leiter MSB-Management bei Voltaris, dass neben dem sogenannten „passiven externen Marktteilnehmer“ (pEMT) für das Steuern ein aktives EMT-System (aEMT) notwendig ist. „Wir haben uns für eine vollintegrierte Systemlandschaft entschieden“, betont er. Dieses umfasst eine pEMT-, ein aEMT- und ein Gateway-Administrationssystem. Für die Kunden des Metering-Dienstleisters bedeutet dies, sie können auf ein konsistentes System zurückgreifen und haben auch über den Sammelmandantenbetrieb die Möglichkeit „kosteneffizient in das Thema Steuern in der Niederspannung einzusteigen“, wie Röhrenbeck für die Voltaris-Lösung wirbt.
Entscheidend sei dabei gewesen, die Zahl der Schnittstellen in möglichst geringer Zahl zu halten und zu vereinfachen. Drei sind es noch. Eine Schnittstelle führt zum jeweiligen ERP-System, über die Stammdaten, Gerätedaten und Portfolioinformationen fließen. Zwar seien von Seiten der Systemhersteller noch einige Anpassungen notwendig. „Wir haben aber eine Übergangslösung erarbeitet, mit der auch ein manueller Transfer über standardisierte Formate möglich ist“, erläutert Röhrenbeck. So könnten Messstellenbetreiber auch ohne erweiterte ERP-Schnittstelle zumindest einmal starten.
Die zweite Schnittstelle dient der Abwicklung der Netzzustandsdaten, für die Voltaris auch das aEMT-System nutzt, „weil man hier ein hochverfügbares System für den Use Case ‚Steuern‘ aufgebaut hat und diese Infrastruktur auch nutzt, um möglichst schnell und hochverfügbar Netzzustandsdaten liefern zu können“, wie Röhrenbeck erklärt.
Alternative Arten der SteuerungDie dritte Schnittstelle ist die sogenannte BDEW Web API. Die Steuerbefehle werden im Netz-Cockpit generiert und über die standardisierte Marktkommunikation mit der BDEW WebAPI an das aEMT-System übermittelt, das dann den Steuerbefehl an die Steuerbox einer Anlage oder eines Energiemanagementsystems weiterleitet.
Sofern alle Beteiligten zielgerichtet mitwirken, sei das „Onboarding“ eines Stadtwerks beziehungsweise eines Messstellenbetreibers durchaus innerhalb von vier Monaten möglich – angesichts der IT-seitigen To-do-Liste, die in einem solchen Fall abzuarbeiten sei, gar kein so langer Zeitraum, wie der Metering-Spezialist meint.
Bei zwei großen Netz- und Messstellenbetreibern hat Voltaris bereits sowohl eine Test- als auch Wirk-PKI aufgebaut. Etwa 1.000 werden zur Ermittlung von Netzzustandsdaten herangezogen, die an das Netzcockpit übermittelt werden. Bereits auf der Test-PKI seien Steuerbefehle inklusive Rückquittierung in die Systeme übermittelt worden. Dies werde nun auch im Wirksystem erfolgen, „so dass die beiden Netzbetreiber in einen größer angelegten Rollout von Steuerboxen starten können“, erklärte Röhrenbeck.
Für das Steuern sind allerdings nicht zwangsläufig Steuerboxen notwendig. Es geht auch direkt aus dem Smart Meter Gateway. „Wir werden das auch anbieten“, sagte Röhrenbeck. Es sei aber noch ein „perspektivisches Thema“. Denn noch habe kein Gateway-Hersteller ein entsprechendes zertifiziertes Gerät. Außerdem seien dann noch einmal Anpassungen in den Backend-Systemen notwendig. Es müsse auch das Netz-Cockpit wissen, ob eine Steuerbox vorhanden ist oder die Steuerung aus dem Smart Mater Gateway erfolgen soll.
Beim Steuern über eine Steuerbox werde, nachdem der Steuerbefehl im aEMT empfangen wurde, ein sogenannter CLS-Kanal aufgebaut zwischen dem aEMT-Systems und der Steuerbox, und der Steuerbefehl dann durchgeleitet. Beim Steuern über das Smart Meter Gateway müsse ein Profil aufgespielt werden. Dann könne über einen integrierten EEBus Stack gesteuert werden.
Röhrenbeck betonte, dass sich beide Steuerungsarten nicht ausschließen, und dass beide Varianten nebeneinander genutzt werden könnten. Er gehe allerdings davon aus, dass sich die Unternehmen in zwei, drei Schritten, vom Steuern per Relais mit der Steuerbox zum Steuern aus dem Smart Meter Gateway vortasten werden.
// VON Fritz Wilhelm WENIGER