BILANZ.
Eine Milliarde Euro frisches Kapital will EWE noch in diesem Jahr auftreiben. Der Oldenburger Energiekonzern bereitet dafür eine Kapitalerhöhung der Anteilseigner und eine Anleihe vor.
Abstriche beim Ergebnis, aber nicht bei den Investitionen: EWE steckt weiter erhebliche Mengen Geld in Netze, Ökokraftwerke und die grüne Wasserstoffproduktion, um den Transformationsprozess bei der Energieversorgung fortzuführen. Dafür kündigte der Oldenburger Energiekonzern bei der Präsentation des Jahresergebnisses für 2025 an, sich neuen finanziellen Spielraum im Umfang von 1 Milliarde Euro verschaffen zu wollen.
// VON Volker Stephan
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500 Millionen Euro sollen durch eine neue Anleihe hereinkommen, die EWE laut Finanzvorstand Frank Reiners im Sommer begeben will. Eine weitere halbe Milliarde Euro sollen die Anteilseigner per Kapitalerhöhung noch im laufenden Jahr beisteuern. Das sind der kommunale EWE-Verband (74 Prozent) und der französische Infrastruktur-Investor Ardian (26 Prozent).
Bei den Investitionen (16 Milliarden Euro über eine Dekade) liegt das Unternehmen im Plan. 2025 habe EWE den Durchschnittswert von 1,6 Milliarden Euro erreicht, 2026 soll es Rekordausgaben von 2 Milliarden Euro geben, so der Vorstandsvorsitzende Stefan Dohler am 23. April vor einer Medienrunde. Die angepeilte Stärkung des Eigenkapitals sei dabei auch ein Zeichen an die Banken. „Wir fahren keinen Kurs der maximalen Verschuldung, sondern wachsen mit Augenmaß“, so Dohler.
Windkraft schwächelt im Bilanzjahr 2025Ein laut Frank Reiners „extrem schwaches Windkraftergebnis“ hat die Bilanz für das Geschäftsjahr 2025 schlechter ausfallen lassen als erwartet. Auch niedrigere Endkundenpreise sowie eine geringere Stromabnahme von Großkunden ließen den Umsatz um 576,8 Millionen Euro auf rund 8,105 Milliarden Euro fallen (minus 6,6 Prozent). Der Gewinn sank um rund 240 Millionen Euro auf 411,3 Millionen Euro (minus 36,8 Prozent).
Auf die aktuellen Minuszeichen reagiert der Konzern mit einer neuen Betrachtung seiner Geschäftstätigkeit. Aussagekräftiger für die Ertragskraft sei wegen der hohen Investitionen das operative Ergebnis vor Abschreibungen (oEbitda). Und dieses habe sich 2025 kaum ins Negative gewendet, um lediglich 3,7 Prozent auf 1,214 Milliarden Euro. Reiners spricht daher „von einer stabilen Ertragskraft des operativen Geschäfts“.
EWE gliedert sein Geschäft in sechs Teilbereiche auf. Darunter zeigte sich im Umsatz allein das Segment „Infrastruktur“ verbessert. Die Netze und Speicher spielten 1,385 Milliarden Euro ein (plus 25,7 Prozent). Das Segment „Markt“ mit Energievertrieb und -handel steigerte allerdings bei gesunkenem Umsatz das operative Ebit um 42,5 Prozent auf 102 Millionen Euro.
Bei den erneuerbaren Energien sollen die Investitionen langfristig auf das Konzernergebnis einzahlen. EWE ist hier mit der Entwicklung sehr zufrieden. 2.500 MW hat die Tochtergesellschaft Alterric, mit der Aloys Wobben Stiftung (Enercon) gegründet, in der Erzeugung. Zuletzt erhielt das Unternehmen in Windkraft-Ausschreibungen den Zuschlag für weitere 862 MW.
Die starke Überzeichnung der Ausschreibungen sei laut Dohler ein Zeichen dafür, dass der Markt für die Energiewende liefern könne, so Dohler. Die Zuschlagswerte seien dadurch gering. Dies sei schlecht für den Investor, aber gut für den Verbraucher wegen der günstigeren Strompreise.
Keine Wechselbereitschaft bei den KundenDie Füllstände der Gasspeicher seien im Bund mit 23 Prozent sehr niedrig. 80 Prozent der EWE-Kapazitäten hätten Kunden zwar inzwischen gebucht, was konzernintern für eine gute Vermarktung spreche. Die Händler speicherten derzeit wegen der hohen Beschaffungspreise aber nicht ein. Eine Befüllung der eigenen Salzkavernen solle spätestens im Juni oder Juli beginnen. Bei den porösen Speichern, die sich langsamer füllten, sei Ende Mai der beste Startzeitpunkt. Alles sei allerdings abhängig von der Entwicklung in der Straße von Hormus, die Politik müsse hier vorbereitet sein.
Im Wasserstoffsektor habe sich am Investitionsziel von 1 Milliarde Euro nichts geändert. Der begrenzte Markthochlauf gebe aber nicht zur Euphorie Anlass, das „Tal der Tränen“ sei noch nicht durchschritten, so Dohler. Dass bei den Gasen Erdgas über die Kraftwerksstrategie weiter wichtig bleibt, hält er für den „richtigen Schritt“, die Diskussionen um neue Gaskraftwerke mit 10.000 MW Leistung für „verzerrt“ negativ.
Der Druck auf die Energiemärkte zeitigt einen Nebeneffekt. EWE erkennt aktuell bei der Kundschaft keine Wechselbereitschaft. Stefan Dohler schreibt dies den hohen Beschaffungskosten zu, die keinen aggressiven Preiskampf zuließen. Auf der anderen Seite hofft er, dass nicht wieder weniger seriöse Anbieter reihenweise Verträge kündigen.
Während der Energiekrise nach dem russischen Überfall auf die Ukraine hatten die Grundversorger in erheblicher Anzahl Kunden von Discountern aufnehmen und dafür teuer Energiemengen nachordern müssen. Aktuell liegt EWE bei 900.000 Verträgen für Strom, 500.000 bei Gas und 700.000 bei Telekommunikation. Dies seien stabile Zahlen, so Dohler.
// VON Volker Stephan
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