Der österreichische Öl-, Gas- und Chemiekonzern OMV erzielte im ersten Quartal 2026 einen Gewinn (Periodenüberschuss) von rund 1,65
Milliarden Euro. Gegenüber dem Vorjahresquartal ist dies nahezu eine Versechsfachung. Sie ergibt sich im Wesentlichen dadurch, dass die OMV und die Investmentgesellschaft XRG aus Abu Dhabi per 25. März den Polyolefinkonzern Borouge International Group schufen. In diesen brachte die OMV ihren 75-Prozent-Anteil an dem Kunststoffkonzern Borealis ein. Aus dieser Transaktion ergaben sich positive bilanzielle Sondereffekte von netto etwa 743
Millionen Euro.
// VON Klaus Fischer MEHR...
Die XRG gehört der Abu Dhabi National Oil Company (Adnoc), die 24,9
Prozent der OMV hält. Weiters erzielte die OMV wegen der infolge des Kriegs im Nahen Osten gestiegenen Rohöl- und Erdgaspreise Lagerhaltungsgewinne von netto rund 254
Millionen Euro.
Deutlich verschlechtert hat sich indessen der Free Cash Flow nach Dividenden, der sich von +317
Millionen Euro im ersten Quartal 2025 auf -2,15
Milliarden Euro verringerte. Ihre Nettoverschuldung gibt die OMV mit etwa 4,51
Milliarden Euro an, was gegenüber dem Vorjahresquartal einem Anstieg um etwa 40
Prozent entspricht.
Der Umsatz der OMV sank um 6
Prozent auf 5,86
Milliarden Euro, worin die Borealis-Beteiligung nicht mehr enthalten ist. Das operative Ergebnis ohne Berücksichtigung der Borealis fiel um 5
Prozent auf 934
Millionen Euro.
Gesunkene Umsätze Im Segment Energy war ein Rückgang des Umsatzes um 18
Prozent auf 2,55
Milliarden Euro zu verzeichnen, das operative Ergebnis fiel um 20
Prozent auf 662
Millionen Euro. Der durchschnittlich realisierte Rohölpreis belief sich auf 72,29
US-Dollar/Barrel und war damit um etwa 1
Prozent niedriger als im ersten Quartal 2025. Ihren durchschnittlich realisierten Erdgaspreis beziffert die OMV mit 31,08
Euro/MWh, was einem Rückgang um 19
Prozent entspricht. Ihre Produktion an Kohlenwasserstoffen sank um 7
Prozent auf 288.000
Barrel/Tag, von denen 163.000
Barrel auf Öl und Kondensate sowie 125.000
Barrel auf Erdgas entfielen.
Somit verringerte sich die Ölförderung um 9
Prozent und die Gasförderung um 5
Prozent. Die Verkaufsmenge betrug 252.000
Barrel/Tag und war um 11
Prozent niedriger als im Vorjahresquartal. Der Ölabsatz verminderte sich um 15
Prozent auf 144.000
Barrel/Tag, der Gasabsatz um 4
Prozent auf 107.000 Barrel. Um 15
Prozent gestiegen sind die Produktionskosten der OMV, die sich auf 11,60
US-Dollar/Barrel beliefen.
Im Bereich Fuels sank der Umsatz des Konzerns um 2
Prozent auf 4,15
Milliarden Euro. Die Verfünffachung des operativen Ergebnisses auf rund 327
Millionen Euro ist im Wesentlichen durch die eingangs erwähnten Lagerhaltungsgewinne bedingt. Die Verkaufsmengen an Kraftstoffen und sonstigen Produkten erhöhten sich in Europa um etwa 8
Prozent auf 3,8
Millionen Tonnen.
Für das Segment Chemicals, das die OMV als ihren „Wachstumsmotor“ erachtet, meldete sie eine Verminderung des Umsatzes um 8
Prozent auf 235
Millionen Euro. Die Verzehnfachung des operativen Ergebnisses auf rund 1,10
Milliarden Euro ergibt sich durch die Sondereffekte infolge des Einbringens der Borealis-Anteile der OMV in die Borouge Group International.
Der Krieg im Nahen Osten brachte für das Segment Chemicals laut dem Quartalsbericht „logistische Beeinträchtigungen und Kostensteigerungen“ mit sich. Mit der Einrichtung „alternativer Logistikrouten“ gelang es der Borouge PLC, an der die OMV vor ihrer Einbringung in die Borouge International Group beteiligt war, etwa 60
Prozent der im März erzeugten Mengen an Polyolefinen auf den Markt zu bringen. Dies dämmte „die Auswirkungen auf den Umsatz und die Kundenversorgung“ ein.
Ausblick unter Vorbehalt Für das Gesamtjahr erwartet die OMV einen durchschnittlichen Preis für Rohöl der Marke Brent zwischen 85 und 95
US-Dollar/Barrel. Ihren durchschnittlich realisierten Gaspreis prognostiziert sie mit 35 bis 40
Euro/MWh. Ihre Kohlenwasserstoffproduktion dürfte zwischen 280.000 und 290.000
Barrel/Tag liegen, „vorbehaltlich des Zeitpunkts und des Umfangs der Aufhebung der Beschränkungen für die Schifffahrt durch die Straße von Hormus“.
Generell basiert der Ausblick dem Quartalsbericht der OMV zufolge „insbesondere auf der Annahme, dass die Beschränkungen für den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus vor Ende des ersten Halbjahres 2026 aufgehoben werden. Die tatsächlichen Ergebnisse können erheblich abweichen, sollte sich die geopolitische Lage anders als derzeit angenommen entwickeln“.
OMV-Generaldirektor Alfred Stern sprach von einer „soliden Leistung trotz eines stark volatilen Marktumfelds. Unser diversifiziertes und integriertes Portfolio konnte erneut seine Resilienz unter Beweis stellen“.
// VON Klaus Fischer WENIGER