PHOTOVOLTAIK. Viel Sonnenstrom, wenig Nachfrage - am Tag der Arbeit ist zu viel elektrische Arbeit im deutschen Stromnetz gewesen. Professor Lion Hirth appellierte schon, PV freiwillig abzuschalten.
Das lange 1.-Mai-Wochenende war wegen geringer Nachfrage bei sonnigem Wetter, das die PV-Anlagen auf Leistungshochs trieb, ein Feuerwerk negativer Day-ahead-Strompreise.
// VON Georg Eble MEHR...
Über den Umgang mit diesen Preisen, die das EEG-Konto doppelt mit Müllgebühren für überschüssigen Strom sowie mit Fördersätzen belasten, gab es, je nach ideologischer Prägung, unterschiedliche Ansätze: Bereits am 30.
April, an dem die Day-ahead-Auktion für den 1.
Mai um 12
Uhr stattfand, appellierte Lion Hirth, Energieökonomie-Professor an der Hertie School in Berlin, Chef der Beratungsgesellschaft Neon und durchaus Befürworter eines weiteren Ausbaus der Photovoltaik, auf Linkedin an die 5 Millionen Besitzer von Solaranlagen in Deutschland wörtlich: „Wenn ihr etwas Gutes für die Versorgungssicherheit und die Energiewende (und dem Bundeshaushalt) tun wollt, dann schaltet morgen eure PV-Anlage ab. Ehrlich gesagt, am besten gleich bis Montag auslassen.“
Zur Begründung führte Hirth aus: „Es kann passieren, dass wir in Deutschland morgen mehr Strom ins Netz einspeisen als wir abnehmen können. Viele kleine PV-Anlagen lassen sich nicht vom Netzbetreiber abschalten (so genau weiß es leider niemand), deswegen am besten selbst ausschalten.“ Die Betreiber sollten also nach dem Aufruf Hirths, wenn ihre Anlagen zu klein für die Direktvermarktungspflicht sind und vor dem Februar 2025 installiert wurden, Gemeinnutz vor Eigennutz stellen, denn wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind, erhalten sie trotzdem weiter den für sie geltenden gesetzlichen Einspeiseförder-Satz.
Ähnlicher Appell, anderer SchuldigerEinen ähnlichen Appell richtete Philipp Schröder, Gründungschef von Einskommafünfgrad, auf demselben Portal an die PV-Anlagenbetreiber: ebenfalls abschalten, aber zusätzlich Steuerbox zum Fernabschalten, Batterie und intelligentes Messsystem installieren.
Die Schuld für die Negativpreise sieht Schröder freilich nicht in der installierten PV-Leistung von 120.000
MW, die bei starkem Sonnenwetter angenähert wird und der eine Wochenendlast von grob nur 80.000
MW gegenübersteht, sondern im schleppenden Ausbau des Strom-Verteilnetzes. „Es ist eine Schande, wie günstiger, sauberer Strom im Überschuss mitten in der Energiekrise weggeschmissen wird, weil die nötige Infrastruktur an Smart Metern und Steuerungsboxen fehlt, um Erzeugung und Verbrauch zu synchronisieren! So wird der Allgemeineheit günstiger und sauberer Strom im Überfluss vorenthalten!“, postete Schröder.
So drastisch waren die Negativpreise am langen WochenendeAm 1. Mai, einem Freitag, kamen die sieben Viertelstunden von 12.45 bis 14.30 Uhr am technischen unteren Limit der Börse Epex Spot an, nämlich bei minus 499,99 Euro/MWh. Zuletzt hatte es diese Preise im Juni 2023 gegeben. Am Wochenende zuvor waren minus 480 Euro erreicht worden.
Im Intraday-Markt ging es am 1. Mai sogar bis minus 855 Euro/MWh hinunter, so das Portal Cleanthinking.
Am Abend, als die Ausflügler zurückkehrten, das Abendessen zubereiteten und die Unterhaltungselektronik einschalteten, fehlte dann absehbar der PV-Strom, sodass der Day-ahead-Preis für 19:45 Uhr auf +232,99 Euro/MWh ins Positive stieg.
Das extrem volatile Preismuster setzte sich in abgeschwächter Form am eigentlichen Wochenende 2./3. Mai fort. Am 2. Mai reichte es für Peakload (8 bis 20 Uhr) nur zu +2,32 Euro/MWh. Zwischen 9.45 und 16.30 Uhr waren die Day-ahead-Preise negativ, in der Spitze bis in den niedrigen dreistelligen Euro-Bereich.
Morgens und abends dagegen herrschten unter verkehrten Vorzeichen bis zu dreistellige positive Preise, mit +251,09 Euro/MWh für 19.45 bis 20 Uhr in der Spitze.
Am 3. Mai, dem Sonntag, beschränkten sich die negativen Preise auf 10.30 bis 16.30 Uhr und kamen nicht unter minus 15,15 Euro/MWh. Die traditionell teuerste Viertelstunde am Abend erzielte nur noch +153 Euro/MWh, Peakload schaffte es auf +34,45 Euro und Baseload auf +74,97 Euro.
// VON Georg Eble WENIGER