VERTRIEB. Die Gaspreise im Einkauf sind nach wie vor deutlich höher als vor Ausbruch des Irankonflikts. Heben Versorger die Verbraucherpreise für Bestandskunden an?
„Gas-Schock für Europa“ oder „Speicher leer, Preise explodieren“ – solche Schlagzeilen der vergangenen Wochen haben Erinnerungen geweckt an die Zeit ab Spätsommer 2021. Nach Corona war weltweit der Erdgasbedarf gestiegen und auf Marktengpässe gestoßen; in Westeuropa waren die Beschaffungspreise im Sommer 2022 durch die Decke geschossen, nachdem Russland die Nord-Stream-Lieferungen erst verringerte, später eingestellt hatte. Seit Ende Februar ist es der Irankrieg, der sich auf die Gaspreise auswirkt.
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Anfang April beobachtete das Vergleichsportal Verivox ein Dreijahreshoch bei den Preisen für Neukunden. Eine Botschaft, wie sie dieser Tage der Energieriese Eon hat verlauten lassen, findet da besonders Gehör. Man verstehe die Sorgen der Menschen gut, könne aber beruhigen, so Filip Thon, CEO von Eon Energie Deutschland, in einer schriftlichen Erklärung: „Wir als Eon werden die Strom- und Gaspreise für unsere Bestandskundinnen und -kunden in diesem Jahr stabil halten.“ Eon, so Thon weiter, habe Strom und Gas langfristig eingekauft und die benötigten Energiemengen in diesem Jahr bereits vollständig gedeckt. Das gelte auch für die grundversorgten Kunden.
Eine Einschränkung macht der Vorstandschef der Eon-Vertriebstochter: „Nicht möglich ist eine seriöse Prognose, die kurzfristige, regulatorische Eingriffe mit möglichen Veränderungen des Endkundenpreises aufgrund der aktuell herausfordernden, geopolitischen Lage betreffen“, schreibt er. Die Deutsche Presse-Agentur griff Thons Botschaft prompt auf.
Höhere Preise in BremenDabei ist sie so neu nicht. Ähnlich äußerte sich EWE-Chef Stefan Dohler Mitte März gegenüber der dpa. „Wir haben wie immer Gasmengen für unsere Kunden beschafft“, zitierte ihn die Nachrichtenagentur. EWE habe einen sehr hohen Anteil von Festpreisverträgen, die Preise in der Regel für ein Jahr garantierten. „Da machen wir keine Abstriche“, so der Vorstandsvorsitzende des Oldenburger Versorgers. Auch in der Grundversorgung gebe es keine Anzeichen für eine notwendige Preiserhöhung. Anders sähe es aus, wenn der Konflikt sich noch länger hinzieht.
In Bremen bleiben Gaskunden Preiserhöhungen hingegen nicht erspart. Der Konflikt im Nahen Osten entwickle sich zunehmend als Preistreiber im Energiehandel und für die Beschaffung, erläutert der Vertriebsgeschäftsführer der „swb“, Alexander Kmita, in einer Mitteilung Ende April. Das Energieunternehmen, das zu 100
Prozent der EWE gehört, setzt zum 1.
Juli den Preis pro Kilowattstunde um 0,47
Cent hoch, der monatliche Grundpreis ändert sich nicht.
Die Erhöhung betreffe sowohl die Grundversorgung als auch die weiteren SWB-Erdgasprodukte im Privat- und Gewerbekundensegment. Verträge mit Preisgarantie während der Erstlaufzeit seien davon ausgenommen. „Ohne die Anpassung zum 1.
Juli 2026 können wir diese Mehrkosten nicht ausgleichen“, erklärt Kmita.
Ist der leichte Preisaufschlag in Bremen Vorbote einer Welle? Aktuell scheint der See still zu ruhen. „Für Kunden in derzeit laufenden Tarifen (Preisanpassungen i. d. R. zum Jahresbeginn erfolgt oder zeitlich fixierter Festpreis) bestehen bislang keine Auswirkungen“, berichtet der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) im „Quick-Check Gas- und Strompreise“ vom 28.
April. Eine belastbare Prognose, ob und wann die Preisentwicklungen am Großhandelsmarkt bei Haushaltskunden Auswirkungen haben werden, wäre allein aufgrund der vielen Einflussfaktoren nur schwer möglich, betont der BDEW gegenüber der Redaktion.
Preisrückgang im AprilDer Verband verweist auf die unterschiedlichen Beschaffungsstrukturen der Vertriebe oder auf den Punkt, wie viele Kunden in Fixpreistarifen sind und wie lange die Fixpreis-Periode noch läuft. Im Allgemeinen seien die privaten Endkundenpreise für Strom und Gas bei den meisten Lieferanten auf längere Zeit im Voraus fixiert und an den Terminmärkten abgesichert.
Bei den Gaspreisen für Neukunden stellt der BDEW für April einen leichten Rückgang fest. Zum Stichtag 1. April sah er den durchschnittlichen Erdgaspreis für ein Einfamilienhaus mit einem Jahresverbrauch von 20.000 kWh bei 12,82
Cent/kWh, auf Beschaffung und Vertrieb entfielen 6,49
Cent/kWh. Die neue Auswertung, Stichtag ist der 15., ergibt einen Preis von 12,45
Cent/kWh, Beschaffung und Vertrieb machen 6,17
Cent/kWh aus. Im Vergleich zu Jahresbeginn sei der durchschnittliche Gaspreis für Haushaltskunden für derzeit abschließbare Lieferverträge (Stichtag 15.
April) um 1,3
Cent/kWh angestiegen, so die Analysten des BDEW.
Anzeichen dafür, dass Eon mit seiner Botschaft für Bestandskunden zur großen Ausnahme wird, sieht man auch bei Verivox nicht. Das Vergleichsportal betrachtet die Grundversorgungstarife als möglichen Indikator für die Preisentwicklung. Hier zeigt sich aktuell kein Muster, dass der Irankonflikt auf die Tarife durchschlägt“, so ein Sprecher des Portals zur Redaktion.
// VON Manfred Fischer WENIGER