In Sachen Energiepolitik sei Österreich „eines der besten Länder in Europa“. Doch bleibe genug zu tun, um den anspruchsvollen Zielen der Republik zu genügen. Das betonte der Exekutivdirektor der Internationalen Energieagentur (IEA), Fatih Birol, am 11. Mai bei der Präsentation des „Energy Policy Review Austria 2026“ seiner Institution in Wien. In dem Länderbericht legt die Agentur eine Reihe von Empfehlungen für das weitere Agieren vor.
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An erster Stelle steht die „bessere Verbindung zwischen den ambionierten energie- und klimapolitischen Zielen, den Umsetzungsmechanismen und den finanziellen Ressourcen“. Wie die IEA festhält, will Österreich seinen Strombedarf ab 2030 bilanziell vollständig mittels erneuerbarer Energien decken und seine gesamte Energieversorgung ab 2040 „klimaneutral“ bewerkstelligen.
Das bisherige Tempo der Umsetzung der diesbezüglichen Maßnahmen genügt dem Bericht zufolge jedoch nicht, um diese Ziele zu erreichen: „Dieser Mangel (shortfall) sowie die Unterbrechung wesentlicher Förderprogramme infolge budgetärer Beschränkungen haben zu Unsicherheit bei wesentlichen Akteuren des Energiemarkts geführt.“ Ohne eine stabile Verbindung zwischen den Zielen, den Maßnahmen und den Finanzmitteln laufe Österreich Gefahr, seine Glaubwürdigkeit sowie die Wirksamkeit seiner Politik in Hinblick auf die Energiewende zu untergraben.
Hinsichtlich der Förderungen sollte Österreich bestehende Instrumente verstärkt bündeln, sie mehrjährig konzipieren sowie klare Ziele samt einheitlichen Kritieren zur Gewährung der Subventionen festlegen. Wichtig sei ferner eine regelmäßige Überprüfung des Erfolgs der Maßnahmen.
Der Ausbau der Stromerzeugung mittels erneuerbarer Energien geht aber nicht nur zu langsam vor sich. Er erfolgt auch vom „Technologiemix“ her suboptimal, bemängelt die IEA: Einem „Boom“ bei der Photovoltaik steht ihr zufolge eine unzureichende Entwicklung bei der Windkraft gegenüber. Damit drohe eine zunehmende „Winterlücke“ bei der Stromversorgung, ein Gegensteuern sei geboten.
Wettbewerb verstärken Bezüglich des Strommarkts spricht sich die IEA unter anderem für striktere Vorgaben aus, was wechselseitige Beteiligungen von Energieunternehmen betrifft. Solche „Kreuzbeteiligungen“ hatten, wie berichtet, die Regulierungsbehörde E-Control sowie die Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) schon mehrfach kritisiert.
Im Fernwärmesektor sollten der IEA zufolge die Preistransparenz und der Konsumentenschutz verbessert werden, etwa durch die Verpflichtung der Unternehmen, ihre Tarifstrukturen deutlicher offenzulegen, die Kommunikation mit den Kunden zu intensivieren sowie Streitbeilegungsinstrumente zu schaffen. Als sinnvoll erachtet die Agentur auch die Verbindung der Ausbaupläne für die Fernwärme mit Österreichs Ziel der „Klimaneutralität“ ab 2040.
Überdies regt die IEA an, Preisentwicklungen im Energiegroßhandel stärker auf die Kunden einwirken zu lassen, deren „systemdienliches“ Verhalten jedoch zu belohnen, etwa durch flexbile Tarife – sowohl, was den Energiebezug, als auch, was die Netznutzung betrifft.
Dringenden Handlungsbedarf sieht die Agentur beim Ersatz der etwa 450.000
Öl- und 850.000
Erdgasheizungen durch klimaverträglichere Geräte. Derzeit liege die Austauschrate bei 30.000
Stück pro Jahr. In Hinblick auf die „Klimaneutralität“ im Jahr 2040 müssten es etwa 80.000 sein. Bei einschlägigen Förderungen wäre der IEA zufolge verstärkt auf die Steigerung der Energieeffizienz zu achten.
Wasserstoff nicht überfördern Ausführlich befasst sich die IEA weiters mit der Etablierung der Infrastruktur für die Versorgung Österreichs mit „grünem“ Wasserstoff. Sie rät, sich diesbezüglich am zu erwartenden Bedarf der Industrie zu orientieren und staatliche „Überförderungen“ entsprechender Projekte zu vermeiden.
Von der Redaktion auf den Wunsch Österreichs angesprochen, das Merit-Order-System im europäischen Stromgroßhandel zu reformieren, konstatierte Birol, er wolle sich nicht in energiepolitische Debatten einmischen. Jedenfalls aber gelte es, durch allfällige Eingriffe die Versorgungssicherheit im Strombereich nicht zu gefährden.
Verfügbar ist der Bericht auf der Website der
IEA.
// VON Klaus Fischer WENIGER