Die Krise im Nahen Osten hat nach Ansicht der Internationalen Energieagentur (IEA) in Paris weitreichende und voraussichtlich lang andauernde Auswirkungen auf die Energiepolitik.
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Weltweit erhalte die Versorgungssicherheit inzwischen oberste Priorität, sagt IEA-Direktor Fatih Birol. Davon profitierten vor allem die erneuerbaren Energien und die Atomkraft, aber auch Kohle, Öl und Gas, wenn sie als heimische Energiequelle verfügbar seien. Die Sorge um das Klima und die Senkung der Treibhausgase sei dagegen in den Hintergrund gerückt.
Die globalen Trends, das geht aus dem jüngsten Bericht der IEA über die Investitionen im Energiesektor hervor, machen sich auch in der EU bemerkbar, obwohl sie von der Schließung der Straße von Hormus vergleichsweise weniger betroffen ist als insbesondere Asien. Die Europäer hätten ihre Energieversorgung erfolgreich diversifiziert, sagt Birol.
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Tom Weingärtner Quelle: E&M |
Der IEA-Bericht bescheinigt der EU einen systematischen Ausbau der erneuerbaren Energien, der sich seit 2020 erheblich beschleunigt habe. Im letzten Jahr legten die Investitionen in die Stromerzeugung aus Wind, Sonne und anderen erneuerbaren Quellen noch einmal um 7 Prozent zu auf 105 Milliarden Dollar (90,2
Milliarden Euro). In diesem Jahr erwartet die IEA noch höhere Investitionen in Speicher und Netze.
Weil die Preise vor allem für die Solaranlagen weiter fallen, fällt der Kapazitätszuwachs noch stärker aus. So sind die Kosten für 1 GW Solar PV in den letzten 10 Jahren um 80 Prozent gefallen, für Wind, Öl und Gas um rund 25 Prozent. Durch die seit 2015 installierten Kapazitäten zur Nutzung von erneuerbaren Energien habe die EU 2025 weniger Kohle, Öl und Gas im Gegenwert von mehr als 52 Milliarden Euro importieren müssen, heißt es in dem Bericht.
Probleme nur beim Offshore-AusbauProbleme sieht die IEA nur beim Ausbau der Windenergie auf See. Das Anfang des Jahres verkündete Investitionsprogramm für die Nordsee sei jedoch geeignet, die mit der Offshore-Windenergie verbundenen Risiken zu reduzieren und das Ziel, bis 2040 Windparks mit einer Kapazität von 15
GW ans Netz zu bringen, zu erreichen. Die damit verbundenen Investitionen schätzt man in Paris auf 9,5 Milliarden Euro.
Die EU habe die Abhängigkeit von russischem Öl und Gas seit 2022 deutlich zurückgeführt und importiere dafür 30 Prozent mehr LNG aus den Vereinigten Staaten und aus Afrika. Die Investitionen in die LNG-Infrastruktur stiegen deshalb im gleichen Zeitraum von 8 auf 15 Milliarden Euro. In diesem Jahr rechnet die IEA mit 17 Milliarden Euro.
Ihre Investitionserwartungen in CCS-Projekte hat die IEA insgesamt nach unten korrigiert, mit rund 4
Milliarden Euro steht die EU aber weltweit an der Spitze in diesem Bereich, gefolgt von den USA und dem Nahen Osten.
Die Elektrifizierung des Energieverbrauchs ist zwar ein wichtiges Ziel der europäischen Energiepolitik, stagniert aber seit Jahren. In Paris sieht man deswegen mit Wohlwollen, dass die Europäer mehr in den Ausbau der Elektrizitäts-Infrastruktur investieren. Allein für Batteriespeicher würden dieses Jahr voraussichtlich 11 Milliarden Euro ausgegeben, 30-mal mehr als 2020. Für den Ausbau der Leitungen seien Investitionen von weiteren 94,5 Milliarden Euro geplant, doppelt so viel wie 2020. Dabei spielten auch die von der Kommission in Aussicht gestellten Beihilfen eine Rolle.
Schließlich investieren die europäischen Verbraucher in diesem Jahr voraussichtlich 144 Milliarden Euro für elektrische Geräte oder Fahrzeuge.
Die Europäer investieren damit zwar pro Kopf 2,5-mal so viel für ihre Energieversorgung wie andere Länder aber im Verhältnis zu ihrem Sozialprodukt nur 2 Prozent, während der globale Durchschnitt bei 3 Prozent liegt.
Auch bei der Aufteilung ihrer Investitionen unterscheidet sich die EU deutlich vom Rest der Welt. Im globalen Durchschnitt wird am meisten in die Versorgung mit fossilen Brennstoffen (29
Prozent) investiert, gefolgt von elektrischen Endgeräten (23
Prozent), emissionsarmer Stromerzeugung (22
Prozent) und der Netzinfrastruktur einschließlich Speicher (19
Prozent). Die Europäer investieren dagegen vor allem in Endgeräte (38
Prozent), in Netze und Speicher (28
Prozent) und eine emissionsarme Stromerzeugung (26
Prozent). Auf eine sichere Versorgung mit fossilen Brennstoffen entfallen nur 5
Prozent der Investitionen.
Global liegen die fossilen Brennstoffe dagegen im Trend, vor allem Erdgas. In diesem Jahr erwartet die IEA Investitionen von 860 Milliarden Euro um Kohle-, Öl- und Erdgasvorkommen zu erschließen, zu warten oder zu modernisieren, drei Prozent mehr als 2025. Eine Ursache dafür sei das rasante Wachstum der künstlichen Intelligenz. In den Vereinigten Staaten werden für die Versorgung der Rechenzentren vor allem Gaskraftwerke gebaut. In Europa erwartet die IEA 2030 eine zusätzliche Stromnachfrage durch Rechenzentren von 300 TWh, hinzu kämen Wärmepumpen, Elektroautos und andere Geräte.
// VON Tom Weingärtner WENIGER