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| Tom Weingärtner Quelle: E&M |
Gasflüsse haben sich verschoben
Dazu tragen nach Ansicht der Regulierungsbehörde in Ljubljana zwei Entwicklungen bei: ein deutlicher Nachfragerückgang und eine höhere Leistungsfähigkeit der Infrastruktur. Offensichtlich ist es der Branche seit dem russischen Überfall auf die Ukraine gelungen, das vorhandene Leitungsnetz auf eine andere Lieferstruktur umzustellen.
Gas wird inzwischen nicht mehr überwiegend von Ost nach West transportiert, sondern kreuz und quer durch die Europäische Union. An 40 Prozent der Interkonnektoren hat sich die Haupttransportrichtung gegenüber 2021 geändert. Deutschland bleibt ein wichtiges Transitland, doch das weitergeleitete Gas kommt heute vor allem aus dem Norden und Westen. Frankreich hat sich zu einem Transitland entwickelt und leitet Gas aus Spanien nach Belgien und Deutschland weiter.
Zusätzliche LNG-Terminals und Investitionen in das Leitungsnetz haben neue Transportrouten ermöglicht, die Kapazität erhöht und das Pipelinenetz „rekonfiguriert“. Damit reagierte die Gaswirtschaft auf den Anstieg der LNG-Importe und die Notwendigkeit, die Ukraine mit Unterstützung der EU zu versorgen.
Die neue Struktur des Gasmarktes ist durch einen geringeren Verbrauch und neue Lieferwege geprägt. Im Jahr 2025 lag die Nachfrage nach Erdgas in der EU bei 340 bcm und damit 18 Prozent unter dem Niveau von 2021. Fast die Hälfte wurde durch LNG gedeckt, 2021 waren es erst 23 Prozent.
Stabilisierung des Preisniveaus
Darauf haben sich die Unternehmen nach Ansicht von Acer erfolgreich eingestellt. Als wichtigsten Hinweis nennen die Regulierer die Stabilisierung des Preisniveaus. Zwischen Anfang 2024 und 2026 schwankten die Preise deutlich weniger als in den beiden Jahren zuvor und pendelten sich bei rund 36 Euro/MWh ein. Das lag über dem Niveau vor dem Ukrainekrieg von 31 Euro/MWh, aber deutlich unter dem Durchschnittspreis von 87 Euro zwischen Anfang 2022 und Ende 2023.
Ein weiteres Indiz sei der Rückgang von Engpässen und der damit verbundenen Erlöse der Netzbetreiber. Im vergangenen Jahr waren 24 Interkonnektoren überbucht, ähnlich viele wie im Jahr zuvor. 2023 waren es noch 35, 2022 sogar 50. Die Engpasserlöse lagen zuletzt bei rund 140 Millionen Euro jährlich, gegenüber 52 Millionen Euro im Jahr 2021.
Engpässe bestehen weiterhin in West-Ost-Richtung und im Südosten der EU. Dort steigen die Risiken wegen der wachsenden Nachfrage in der Region und in der Ukraine. Stark ausgelastet sind zudem die Leitungen zwischen Frankreich und Belgien sowie zwischen Deutschland und Polen.
Das neue Gleichgewicht auf dem europäischen Gasmarkt ist damit noch nicht so stabil wie vor dem Ukrainekrieg. Die Unternehmen versuchen jedoch, sich wieder stärker über langfristige Lieferverträge abzusichern. So verhandelt der deutsche Versorger Sefe (vormals Gazprom Germania) über einen Vertrag zur Lieferung von einer Million Tonnen Flüssigerdgas pro Jahr. Der kanadische Energieminister Tim Hodgson sagte am 27. Mai in Vancouver, das Gas werde im geplanten Gasfeld Ksi Lisims in British Columbia gefördert und ab 2030 zur Verfügung stehen. Die Laufzeit des Vertrags soll 20 Jahre betragen. Zudem zeigt sich, dass die Marktteilnehmer ihre Beschaffungsstrategien an die veränderten Rahmenbedingungen angepasst haben. Sie sichern Mengen früher und breiter ab als noch vor wenigen Jahren.
Vorerst macht sich auf dem europäischen Gasmarkt jedoch weiterhin die Krise im Nahen Osten bemerkbar – durch stärkere Preisschwankungen und Preise von mehr als 50 Euro/MWh. Mit einer Rückkehr zu dem Anfang dieses Jahres erreichten Gleichgewicht ist zu rechnen, wenn die Straße von Hormus wieder geöffnet wird.










Die Hamburger Energiewerke (HEnW) haben das Geschäftsjahr 2025 mit einem positiven Ergebnis von 19,3 Millionen Euro abgeschlossen und liegen damit rund 5 Prozent über Plan. Im Vorjahr hatten die HEnW noch ein Ergebnis von 48,9 Millionen Euro erzielt. Den im Vergleich zu den Vorjahren niedrigeren Gewinn begründen die HEnW mit höheren Zinsaufwendungen und Abschreibungen aufgrund der Investitionstätigkeiten sowie rückläufigen Marktpreisen.
Einen wesentlichen Beitrag leistet die Nutzung industrieller Abwärme. Seit dem vergangenen Jahr speist der Kupferhersteller Aurubis Prozesswärme in das Fernwärmenetz ein. Unterstützt wird die Integration durch einen neuen Wärmespeicher, der mehr Flexibilität ermöglicht. Der Anteil von Wärme aus Industrieabwärme und Müllverwertung am Fernwärmemix stieg dadurch von 19 Prozent im Jahr 2022 auf inzwischen 31 Prozent. Nach Angaben der Hamburger Energiewerke profitieren rechnerisch rund 540.000 Wohneinheiten von den Fortschritten bei der Dekarbonisierung.
Fernwärme bleibt das Rückgrat der Transformation
Gleichzeitig investieren die HEnW in den weiteren Ausbau ihrer Erzeugungs- und Speicherinfrastruktur. Herzstück der künftigen Wärmeversorgung ist der Energiepark Hafen. Mehrere zentrale Komponenten, darunter die Power-to-Heat-Anlage, die Abwasser-Wärmepumpe und ein großdimensionierter Wärmespeicher, sind bereits fertiggestellt. Auch die sogenannte Südleitung zur Anbindung an das Stadtnetz steht kurz vor der Inbetriebnahme.
Entscheidend für den Gesamtbetrieb ist die neue Gas- und Dampfturbinenanlage (GuD), die künftig verschiedene klimafreundliche Wärmequellen bündeln wird. Die Anlage ist nach Unternehmensangaben zu mehr als 90 Prozent fertiggestellt und soll Ende des Jahres in Betrieb gehen. Um die Versorgungssicherheit während des Übergangs zu gewährleisten, bleibt das Heizkraftwerk Wedel bis zum Ende der Heizperiode 2026/2027 parallel in Betrieb. Die endgültige Stilllegung ist für den 1.Juli 2027 vorgesehen.
Bis spätestens 2030 wollen die Hamburger Energiewerke vollständig aus der Kohleverstromung aussteigen. Dafür sind weitere erhebliche Investitionen geplant. Nach Angaben der Geschäftsführung sollen bis zum Ende des Jahrzehnts rund 1,87 Milliarden Euro in das Fernwärmesystem sowie weitere 700 Millionen Euro in den Ausbau erneuerbarer Energien fließen.
Ausbau Erneuerbarer und neue Angebote für Haushalte
Neben der Wärmewende setzen die HEnW auch auf den Ausbau der eigenen Ökostromerzeugung. Im Jahr 2025 übernahm das Unternehmen Mehrheitsanteile an zwei Freiflächen-Solarparks mit Batteriespeichern im Raum Schwerin. Zusätzlich wurde der eigene Solarpark Northeim in Betrieb genommen. Die drei Anlagen erzeugten in diesem Jahr bereits rund 45.000 MWh Strom – ausreichend, um rechnerisch etwa 18.000 Zwei-Personen-Haushalte mit Energie zu versorgen.
Auch im Privatkundensegment erweitert der Versorger sein Angebot. Seit 2024 vermitteln die HEnW gemeinsam mit regionalen Handwerksbetrieben Photovoltaikanlagen und Wärmepumpen. Die Nachfrage entwickelt sich dynamisch: Rund 250 Anfragen für PV-Anlagen und mehr als 500 für Wärmepumpen wurden bislang registriert. Ergänzt wird das Portfolio inzwischen durch Wallboxen für die Elektromobilität.
Für Hamburgs Umweltsenatorin und Aufsichtsratsvorsitzende Katharina Fegebank zeigt die Entwicklung, dass die Stadt trotz schwieriger energiepolitischer Rahmenbedingungen konsequent an ihren Klimazielen festhält. Die Hamburger Energiewerke seien dabei ein zentraler Baustein für eine resiliente, klimafreundliche und langfristig unabhängige Energieversorgung.
Christiane Preuß, Geschäftsführerin der Hamburger Energiewerke, forderte mehr Planungssicherheit bei Förderprogrammen und regulatorischen Rahmenbedingungen, um die Investitionen in die Energie- und Wärmewende verlässlich fortsetzen zu können.



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