STUDIEN. Laut einer Studie von BDEW und EY steigt der Investitionsbedarf der Stadtwerke für Energiewende-Projekte deutlich. Viele Unternehmen setzen deshalb auf neue Finanzierungsmodelle.
Die Energiewende führt bei Stadtwerken zu einem deutlichen Anstieg des Investitionsbedarfs. Vor allem der Ausbau von Stromnetzen, die Wärmewende, erneuerbare Energien und die Digitalisierung erfordern in den kommenden Jahren erhebliche finanzielle Mittel.
// VON Susanne Harmsen MEHR...
Zu diesem Ergebnis kommt die Stadtwerkestudie 2026, die der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) gemeinsam mit der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft EY aus London veröffentlicht hat. Grundlage der Untersuchung ist eine Befragung von 100 Stadtwerken und regionalen Energieversorgern in Deutschland.
Investitionsbedarf fast verdreifachtDie Studie zeigt, dass die Energiewende aus Sicht vieler Unternehmen eine neue Dimension erreicht. Neun von zehn befragten Stadtwerken erwarten einen Investitionsbedarf, der deutlich über dem bisherigen Niveau liegt.
Ein Viertel der Unternehmen rechnet sogar mit einer Steigerung der Investitionen um mehr als 200 Prozent. Besonders hohe Ausgaben planen die Versorger für den Ausbau der Stromnetze, die Transformation der Wärmeversorgung sowie Projekte im Bereich der erneuerbaren Energien.
Mit den steigenden Investitionen rückt die Finanzierung stärker in den Fokus. Laut Studie wird die Energiewende zunehmend auch zu einer Finanzierungs- und Strukturierungsaufgabe. Neben technischen, regulatorischen und personellen Herausforderungen gewinnt die langfristige Sicherung von Kapital an Bedeutung.
Schwieriges Geschäftsumfeld
Gleichzeitig bewerten die befragten Unternehmen ihr wirtschaftliches Umfeld zurückhaltender als noch vor wenigen Jahren. Während vor vier Jahren noch 75 Prozent ihren Geschäftserfolg als „gut“ oder „sehr gut“ einschätzten, liegt dieser Anteil aktuell bei 47 Prozent. Auch die Erwartungen an die kommenden Jahre fallen verhaltener aus. Lediglich 43 Prozent der Befragten blicken nach eigenen Angaben positiv in die Zukunft.
BDEW Hauptgeschäftsführerin Kerstin Andreae unterstrich, wenn die Energiewende vor Ort die Investitionssummen der Stadtwerke um ein Vielfaches erhöhe, ergebe sich ein Bedarf an neuen Finanzierungskonzepten. „Die Unternehmen benötigen verlässliche und investitionsfördernde Rahmenbedingungen sowie langfristige Planungssicherheit.“
Der wachsende Kapitalbedarf führt laut Studie auch zu einem stärkeren Wettbewerb um Finanzmittel. Nationale und internationale Kapitalgeber gewinnen damit für die kommunale Energiewirtschaft an Bedeutung.
Stadtwerke auf PartnersucheVor diesem Hintergrund beschäftigen sich Stadtwerke verstärkt mit strategischen Fragen zu ihrem Portfolio und ihren Geschäftsfeldern. Dabei geht es unter anderem um Renditeerwartungen, Risiken sowie die Entscheidung, welche Aktivitäten eigenständig umgesetzt, gemeinsam mit Partnern entwickelt oder ausgelagert werden sollen. Metin Fidan, Industrials & Energy Partner bei EY, bezeichnet Stadtwerke als zentrale Akteure der Energiewende.
Nach Angaben der Studienautoren erwarten 92 Prozent der befragten Unternehmen, dass die anstehenden Investitionen zusätzlich durch externe Finanzierungsinstrumente unterstützt werden müssen. Damit gewinnt auch die Frage an Bedeutung, unter welchen Bedingungen Projekte aus Sicht von Investoren als wirtschaftlich tragfähig und planbar gelten.
Innenfinanzierung begrenztUm ihre finanzielle Leistungsfähigkeit zu stärken, setzen die Stadtwerke zunächst auf Maßnahmen der Innenfinanzierung. Am häufigsten nannten die Befragten Kostensenkungen mit 84 Prozent. Es folgen die Gewinnthesaurierung mit 77 Prozent sowie eine optimierte Investitionsplanung mit 76 Prozent.
Diese Instrumente stoßen laut Studie jedoch zunehmend an Grenzen. Grund dafür sind Umfang, Dauer und Gleichzeitigkeit der geplanten Investitionen. Deshalb greifen viele Unternehmen zusätzlich auf neue Finanzierungsformen zurück.
Genannt werden unter anderem Schuldscheindarlehen, Kredite der Europäischen Investitionsbank, eigenkapitalähnliche Gesellschafterdarlehen sowie Beteiligungen von Private-Equity-Investoren oder Bürgern. Bürgerkapital wird dabei beispielsweise über Crowdfunding, Genussrechte oder Kooperationen mit lokalen Kreditinstituten eingebunden.
Die Autoren der Studie kommen zu dem Schluss, dass nicht einzelne Finanzierungsinstrumente entscheidend sind, sondern deren strategische Kombination. Erfolgreich seien Finanzierungskonzepte vor allem dann, wenn sie in eine ganzheitliche Finanzierungsstrategie eingebettet werden.
Die
Stadtwerkestudie 2026 von BDEW und EY steht als PDF zum Download bereit.
// VON Susanne Harmsen WENIGER