Trotz neuer militärischer Auseinandersetzungen zwischen den USA und Iran haben sich die Energiemärkte am Donnerstag leichter gezeigt. Offenbar haben die Märkte gelernt, das Risiko solcher Scharmützel nicht überzubewerten. Die Marktbeobachter verweisen als Erklärung jedoch auch auf die starke Reduzierung der chinesischen Rohölimporte seit Beginn des Iran-Krieges.
// VON Claus-Detlef Großmann MEHR...
Im Rätsel um die fehlenden 3
Millionen Barrel Öl, die China üblicherweise importiert, derzeit aber nicht, gibt es nun Hinweise. Die Chinesen fahren weniger benzinbetriebene Autos und nehmen statt des Flugzeugs vermehrt den Zug zum Reisen. Das Land fährt überdies die Produktion von petrochemischen Anlagen zurück, in denen Rohöl in Vorprodukte verarbeitet werden, darunter auch Kunststoffe. Peking greift außerdem auf seine Reserven zurück. Die Frage ist, wie lange China die Importkürzungen durchhalten kann und was passiert, wenn das Land wieder mehr Öl einführen muss.
Strom: Tendenziell etwas fester hat sich der deutsche Strommarkt am Donnerstag gezeigt. Der Day-ahead gab allerdings im Base deutlich nach. Die Grundlast fiel um 15,00 auf 97,25
Euro, die Spitzenlast legte dagegen um 2,50 auf 89,50
Euro zu. An der Börse kostete der Base 97,46
Euro, der Peak 89,30
Euro.
Ursächlich für den Preisrückgang von Donnerstag auf Freitag ist die deutlich höhere Erneuerbaren-Einspeiseleistung. Am Freitag sollen sich die Beiträge von Wind und Solar im Base auf 31,9
Gigawatt belaufen, während für den Donnerstag nur 21,9
Gigawatt vorhergesagt wurden. Für den Samstag und den Sonntag prognostiziert Eurowind eine Erneuerbaren-Einspeiseleistung von 49,7 beziehungsweise 47,8
Gigawatt sodass es mit Sicherheit wieder zu Negativpreisen am Wochenende kommen wird. Auch für die neue Woche rechnet Eurowind zunächst mit recht hohen Beiträgen von Wind und Solar.
Am langen Ende legte das Cal
27 um 0,49 auf 95,52
Euro zu. Legt man der Preisdifferenz allerdings den Settlementkurs des Vortags an der EEX zugrunde (95,96
Euro), ergibt sich ein Preisrückgang, was besser zur Entwicklung der Nachbarmärkte passt.
CO2: Die CO2-Preise haben am Donnerstag etwas nachgegeben. Der Dec
26 verlor bis gegen 13.37
Uhr um 0,45 auf 77,05
Euro je Tonne. Umgesetzt wurden bis zu diesem Zeitpunkt 10,4
Millionen Zertifikate. Das Hoch lag bei 77,45
Euro, das Tief bei 76,51
Euro. Angesichts der Äußerungen von US-Präsident Donald Trump, die auf stärkere Angriffe gegen den Iran hindeuten, dürften die Energiepreise volatil verlaufen, was die Impulse für den CO2-Markt zugunsten der Bären verschiebt, so die Analysten von Redshaw Advisors. Die breitere neutrale Spanne von 75,00
Euro bis 80,00
Euro bleibt jedoch intakt.
Erdgas: Ermäßigt haben sich die Erdgaspreise am Donnerstag. Am TTF verlor der Frontmonat Juli bis gegen 13.30
Uhr 0,955 auf 49,550
Euro je Megawattstunde. Am deutschen THE sank der Day-ahead um 0,575 auf 49,750
Euro je Megawattstunde. Die Gaspreise zeigten sich nach einem Sprung im frühen Handel nur wenig berührt von der neuerlichen Eskalation am Persischen Golf. Die USA haben ihre Angriffe auf Ziele im Iran unterdessen abgeschlossen. Das zuständige Zentralkommando des US-Militärs teilte auf der Plattform X mit, die Angriffe seien beendet. Attackiert worden seien militärische Überwachungskapazitäten, Kommunikationssysteme und Luftverteidigungsstellungen im gesamten Iran. Iran reagierte umgehend auf die Angriffe. Es hieß, die Straße von Hormus sei für alle Schiffe geschlossen. Wer versuche, sie zu passieren, werde angegriffen.
Unterdessen meldet der norwegische Gasnetzbetreiber Gassco einen erheblichen Rückgang des Gasflow auf aktuell 271,2
Millionen Kubikmeter. Am Vortag waren noch 335,2
Millionen Kubikmeter registriert worden. Laut Gassco muss in den kommenden Tagen mit wartungsbedingten Minderkapazitäten von jeweils rund 70
Millionen Kubikmetern gerechnet werden. Im Gasfeld Troll führen ungeplante Wartungen zu einer um 15
Millionen Kubikmeter verminderten Kapazität.
// VON Claus-Detlef Großmann WENIGER