BILANZ. Osnabrücks Versorger bleibt weiter auf Konsolidierungskurs. Dank finanzieller Hilfe der Stadt reichte es 2025 zwar für einen stattlichen Gewinn. Das operative Ergebnis rutschte aber ab.
Die Stadtwerke Osnabrück befinden sich weiter im Umbruch. Die Nackenschläge der jüngeren Vergangenheit beschäftigen die Niedersachsen auch im dritten Jahr unter der Führung von Vorstand Daniel Waschow und Dirk Eichholz (Finanzen). Der ausgewiesene Gewinn von 21,5 Millionen Euro ist eine Steigerung um 7,4 Millionen Euro (52,5 Prozent), ohne erneute Finanzspritze der Kommune aber nicht denkbar.
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Beim exklusiven Gespräch mit dieser Redaktion kommt Vorstand Daniel Waschow dann auch schnell auf die Herausforderungen zu sprechen. Die Erlössituation werde sich „nicht automatisch verbessern“, nur weil die Stadtwerke an Stabilität gewonnen und 2025 enorme 112 Millionen Euro investiert hätten. Das brauche Zeit. Im operativen Bereich, also den direkt beeinflussbaren Geschäftsfeldern, sackte das Ergebnis vor Steuern um 13 Millionen Euro auf ein Minus von 300.000 Euro ab.
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Sehen die Stadtwerke Osnabrück stabil aufgestellt in herausfordernden Zeiten: Daniel Waschow (links) und Dirk Eichholz Quelle: Volker Stephan |
Allerdings ist dies eine erwartete Entwicklung, die offenbar nur mittelfristig zu bremsen sein wird. Denn Osnabrück hat sich nach den desaströsen Jahren 2021 und 2022 aus dem bundesweiten Energievertrieb zurückgezogen und damit Einnahmen, aber auch Risiken, bewusst ausgeschlossen. Wenn dann 2025 aus dem Geschäft mit Netzen, Anlagen und der Energieerzeugung weniger herausspringt, grüßt die rote Null beim operativen Ergebnis.
Stadt stärkt Tochter mit Verlustausgleich und KapitalspritzenWaschow und Eichholz betonen jedoch, dass das Jahr 2025 „deutlich über Plan“ geendet habe. Möglich ist dies, weil die Konzernmutter, die Stadt Osnabrück, Geld ins Unternehmen pumpt. Auf zwei Arten: dauerhaft durch die Übernahme der (leicht schrumpfenden) Millionendefizite von Nahverkehr (ÖPNV) und Bädern sowie durch 75 Millionen Euro, die in fünf Tranchen zu jährlich 15 Millionen Euro aufs Konto der Stadtwerke wandern sollen. Dadurch wuchs das Eigenkapital 2025 von 185 Millionen auf 231 Millionen Euro, und die für kreditgebende Banken wichtige Quote liegt nun bei mehr als 23 Prozent (2024: 20 Prozent).
Das Vorstandsduo ist bemüht, die wiedergewonnene Handlungsfähigkeit der Stadtwerke zu unterstreichen. Für die großen Aufwendungen im Wasser-, Wärme- und Netzbereich verbessere sich die Ausgangslage zusehends. Dies sei laut Daniel Waschow im Übrigen gelungen, ohne mit „McKinsey-Maßstäben“ im Unternehmen gekehrt zu haben. Heißt: Ein Stellen- und Spartenabbau ist bisher weder erfolgt noch geplant, da erscheint ein Verlust von Arbeitsplätzen wie in Bielefeld – 290 Stellen wollen die Ostwestfalen streichen (wir berichteten) – nicht einmal als Punkt am Horizont auszumachen.
Bleibt die Frage, womit Osnabrück Geld verdienen kann, wenn die Stadt nicht mehr ihre schützende Hand über das Unternehmen hält. Am Fluss Hase lautet die Antwort: mit den Bereichen des Energiegeschäfts, dem Hafen, der Parkraumbewirtschaftung, dem regulierten Netzgeschäft sowie dem geförderten Wohnungsbau und dem Glasfaser, das die Stadtwerke nun mit Partnern entwickeln.
Perspektivisch wolle der Versorger auch in Wärmeprojekte und Batteriespeicher investieren. Das wird dauern und damit muss die Kommune sich fürs Erste gedulden, bis das Geld den umgekehrten Weg auf ihr Konto nimmt.
Beim Blick auf den Umsatz der strategischen Geschäftsfelder fällt auf, dass die Verlustbringer ÖPNV/Parken (plus 1,5 Millionen Euro) und Bäder (60.000 Euro) leicht besser abschnitten. Das, so betont Dirk Eichholz, mache sich direkt bei der Kommune bemerkbar, deren Verlustausgleich geringer ausfällt.
Der Gesamtumsatz der Stadtwerke fiel von 594 Millionen Euro auf 515 Millionen Euro. Erzeugung, Netze und Anlagen sackten auf 440 Millionen Euro ab (von 511 Millionen Euro), Güterlogistik spielte 7,1 Millionen Euro ein (minus 800.000 Euro). Der Stromabsatz bei Endkunden war mit 461 Millionen kWh rückläufig (-16,6
Prozent) und sorgte für um 15 Prozent geringere Erlöse (2025: 124
Millionen Euro).
Der größte Schwund war bei Sondervertragskunden zu verzeichnen, der Absatz fiel um 25,8 Prozent auf 213
Millionen kWh. Gründe sind hier der Fokus auf regionalen Vertrieb und weniger risikobehaftete Branchen.
Ähnliches gilt für den Gassektor, wo die Stadtwerke mit 1,17 Milliarden kWh 15,3
Prozent weniger absetzten. Auch hier ging das Geschäft mit Sonderkunden besonders stark (44,9 Prozent) auf 222
Millionen kWh zurück. Insgesamt lag der Umsatz noch bei 110
Millionen Euro (-16,2 Prozent).
Ein Plus von 5,4 Prozent verzeichnete dagegen der Wärmeabsatz (53,3 Millionen kWh) dank neu erschlossener Gebiete und Immobilien. Der Umsatz kletterte hier um 500.000 Euro auf 7,5 Millionen Euro.
// VON Volker Stephan WENIGER