STROM.
Die Börse Epex Spot verzeichnet an ihren europäischen Day-Ahead-Strommärkten von Januar bis Mitte Juni insgesamt 2.431 Stunden mit negativen Preisen. Spitzenreiter ist -Frankreich.
Platz 2 in Europa nach knapp sechs Monaten des Jahres: In 287 Stunden lag der Day-Ahead-Preis in der Gebotszone Deutschland/Luxemburg im Minus. 2.431 Stunden mit negativen Preisen waren es an allen europäischen Day-Ahead-Märkten der Strombörse Epex Spot in der Zeit von Januar bis 19. Juni.
// VON Manfred Fischer
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Wie eine Aufstellung der Börse mit Sitz in Paris für diese Redaktion zeigt, war nicht, wie vielleicht erwartet, Deutschland der Spitzenreiter bei negativen Strompreisen, sondern Frankreich. Dort lag der Strompreis bis Mitte Juni 400 Stunden lang im Minus. In den Niederlanden zahlten Händler an 236 Stunden drauf, um überschüssigen Strom loszuwerden. Mit 213 Stunden folgte Polen.
Zum Vergleich: 2025 hatte die Epex für Deutschland insgesamt 576 Stunden mit negativen Preisen verzeichnet, für Frankreich 513, für die Niederlande 584. An erster Stelle rangierte die schwedische Gebotszone SE2 mit 681 Stunden. Alles in allem gab es 2025 an den Epex-Day-Ahead-Märkten 6.780 Stunden mit Minuspreisen.
Einschneidend, nicht nur in Deutschland, war der 1.
Mai 2026. In Frankreich rutschte der Preis an der „Fete du Travail“ laut den europäischen Übertragungsnetzbetreibern (Entsoe) auf minus 497,80
Euro/MWh. In Polen sackte er bis auf minus 489,99
Euro/MWh ab. In den Niederlanden sank der Day-Ahead bis auf minus 499,37
Euro/MWh, obwohl der 1.
Mai dort ein Werktag ist.
Vergleichsweise gering schlug der Preis dagegen etwa in Spanien nach unten aus - auch dort ruht die Arbeit am 1.
Mai. Zeitweise fiel er auf minus 2,10
Euro/MWh. In Finnland lag das Minimum laut Entsoe bei einer schwarzen Null, in den schwedischen Gebotszonen SE1 und SE2 bei einer roten Null.
BDEW: „Negative Preise in vielen Ländern parallel“Dass es länderübergreifend zu Preisstürzen kommt, liegt für den Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) auf Anfrage auf der Hand: „Aufgrund der Gleichzeitigkeit der PV- und Wind-Produktion können negative Preise in vielen Ländern parallel auftreten, wie zum Beispiel am 1.
Mai.“ Kann Deutschland bei Stromimporten von negativen Preisen in Nachbarländern profitieren? „Am 1.
Mai 2026 wurde sehr wenig importiert
/ exportiert, weil das Preisniveau in allen angrenzenden Ländern niedrig war. Quantitativ lässt sich der Effekt daher schwer beziffern“, schreibt der BDEW.
Die Internationale Energieagentur (IEA) schreibt in ihrem jüngsten Jahresbericht („Electricity 2026“) von einer Häufung negativer Preise in vielen europäischen Märkten. Demnach erreichte der Anteil der Stunden mit negativen Preisen im Jahr 2025 in Ländern wie Frankreich, Deutschland, den Niederlanden und Spanien 6
Prozent – verglichen mit rund 3 bis 5
Prozent im Jahr 2024. Spanien verzeichnete den größten Anstieg gegenüber dem Vorjahr, wobei sich die Zahl der Stunden mit negativen Preisen verdoppelte.
Finnland und Schweden gegen den TrendGegen den Trend verlief die Entwicklung in Finnland und Schweden. Im Jahr 2024 hatte Finnland mit 8
Prozent den höchsten Stundenanteil mit negativen Preisen, danach kam Schweden. In Finnland sank die Anzahl dieser Stunden um etwa 40
Prozent, in Schweden um nahezu 30
Prozent, so die IEA.
„Dies könnte auf verschiedene strukturelle Faktoren zurückzuführen sein, darunter die Einführung der Flow-Based-Market-Coupling-Methode zur Berechnung und Zuteilung grenzüberschreitender Stromhandels-Kapazitäten, den Ausbau von Speichern sowie eine stärkere Preisreaktion der Stromerzeugung“, erläutert die Organisation. Zudem verweisen die IEA-Experten auf die fortschreitende Elektrifizierung der Fernwärme in Finnland.
„Negative Preise deuten im Allgemeinen auf eine mangelnde Flexibilität des Systems hin, die auf technische, regulatorische oder vertragliche Gründe zurückzuführen ist, insbesondere in Zeiten geringer Stromnachfrage und hoher Stromerzeugung“, so die IEA. Der Verband der industriellen Energie- und Kraftwirtschaft (VIK) sprach gegenüber der Redaktion von einem „Alarmsignal für Stress im Stromsystem“.
„Flexibilität sollte nicht durch Extremwerte motiviert sein“Das Alarmsignal Anfang Mai hat dazu geführt, dass die regulatorische Preisuntergrenze auf minus 600 Euro weiter abgesenkt wurde (wir berichteten). Wo die technische Grenze im Handel nach unten gezogen wird, ist aus Sicht des VIK zweitrangig. Viel wichtiger: „Flexibilisierung.“
Ähnlich sieht man das bei Tibber. „Die Grenzen werden für die Systemstabilität benötigt. Das Problem ist nicht die Preisgrenze, sondern die fehlende Flexibilität und Marktintegration“, sagt Ralf Walther, Energy Market Lead bei dem Energieanbieter. „Extremwerte sind eher Ausdruck eines Ungleichgewichts und ein starker Hinweis darauf, dass mehr Flexibilität ermöglicht werden muss.“
// VON Manfred Fischer
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