Kritik von den Grünen im Landtag ist Till Backhaus gewohnt. Ob Tierschutz, Gewässerschutz, Moore – bei kaum einem Thema hat es der Umweltminister der oppositionellen Öko-Partei bisher recht machen können. Davon unbeirrt hat der SPD-Politiker jetzt einen prominenten Grünen im Süden der Republik um Unterstützung gebeten. Backhaus hat an Baden-Württembergs grünen Ministerpräsidenten Cem Özdemir appelliert, sich für die Abschaltung des Steinkohlekraftwerks in Rostock, das mehrheitlich EnBW gehört, stark zu machen. Das treibt die mecklenburg-vorpommersche Union auf die Barrikaden.
// VON Manfred Fischer MEHR...
„Die Forderung nach einer vorzeitigen Abschaltung des Kraftwerks Rostock ist energiepolitisch unverantwortlich und sozial blind“, wird der Vorsitzende der Landesunion, Daniel Peters, in einer Mitteilung zitiert. Das Kraftwerk, so Peters, sei allein im vergangenen Jahr ein halbes Jahr lang am Netz gewesen und habe gezeigt, „dass es weiterhin eine wichtige Rolle für die Versorgungssicherheit unseres Landes spielt“. Besonders befremdlich sei, dass Minister Backhaus die Fernwärmeversorgung tausender Rostockerinnen und Rostocker „offenbar völlig ausblendet“. Peters erwartet, dass Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) „ihren Minister zurückpfeift“.
Minister: CDU schürt AngstBackhaus verweist auf die Emissionen der Anlage. Sie machen laut Umweltministerium rund 10
Prozent des CO2-Ausstoßes im Land aus. „Jedes Jahr, das das Kraftwerk früher vom Netz ginge, würde rund 2 Millionen Tonnen CO2 einsparen“, erklärt der Minister auf Anfrage von E&M.
Der CDU wirft Backhaus vor, Angst zu schüren, „die unbegründet ist“. Es sei nicht gefordert worden, das Kraftwerk augenblicklich vom Netz zu nehmen. „Das Kraftwerk Rostock lief zuletzt nur noch einen vergleichsweise begrenzten Teil des Jahres. Auch im Jahr 2024, als die Stromproduktion des Kraftwerks einen historischen Tiefstand erreichte, war die Versorgungssicherheit nicht gefährdet“, so Backhaus.
Die Entwicklung der vergangenen Jahre zeige grundsätzlich, dass Mecklenburg-Vorpommern deutlich mehr Strom aus erneuerbaren Energien erzeuge als selbst verbrauche. Auch die Fernwärmeversorgung sieht das Umweltministerium auf gutem Weg und weist auf die kommunale Wärmeplanung hin. „Ich bin zuversichtlich, dass sie es gut machen werden“, sagt Backhaus über die Kommunen. Rostock sei mit seiner Wärmeplanung „praktisch fertig und ist damit Vorreiter im Land.“
EnBW hält an Kohleausstieg bis 2028 fest„In Bezug auf den Ausstieg aus der Kohleverstromung hält die EnBW weiterhin an ihrem Ziel fest, bis 2028 aus der Kohleverstromung auszusteigen – sofern die politischen Rahmenbedingungen es erlauben und die Versorgungssicherheit nicht gefährdet ist“, teilte ein EnBW-Unternehmenssprecher auf Anfrage der Redaktion mit. Der Gesetzgeber sieht im Kohleausstiegsgesetz als spätesten Termin das Jahr 2038 vor.
Der EnBW-Sprecher betont zudem, dass es sich um ein Gemeinschaftskraftwerk handle und die EnBW hier über das weitere Vorgehen nur in Abstimmung mit ihrem Partner Rheinenergie entscheiden könne. „Außerdem besteht bislang noch keine endgültige Klarheit über den finalen Gesetzesrahmen innerhalb des StromVKG, der für mögliche Weiterentwicklungen unserer Kraftwerksstandorte maßgeblich ist.“
Das Steinkohlekraftwerk in Rostock befindet sich zu 50,38
Prozent im Besitz der EnBW, 49,62
Prozent gehören der Rheinenergie AG. Es handelt sich um ein Mittellastkraftwerk mit einer elektrischen Leistung von 553
MW. Die Wärmeauskopplung beträgt maximal 300 MW. Das Kraftwerk kann schnell hoch- und heruntergefahren werden und so den Bedarf abdecken, der über die Grundlast hinausgeht. Die Laständerungsgeschwindigkeit beziffert die Sprecherin des Kraftwerks auf 20 MW pro Minute. „Bei einem Warmstart sind wir unter 2
Stunden wieder von null auf 100
Prozent.“
Im Jahr 2025 erzeugte das Kraftwerk 2
Milliarden kWh Strom, im Jahr 2024 waren es 703
Millionen kWh. Die Fernwärmeauskopplung betrug 2025 rund 185
Millionen kWh, 2024 waren es 75
Millionen kWh.
// VON Manfred Fischer WENIGER