Überwiegend fester haben sich die Energiemärkte am Dienstag präsentiert. Während die kurzfristigen Stromkontrakte Abgaben verzeichneten, legte das lange Ende weiter zu. Auch CO2, Gas, Kohle und Öl verzeichneten Aufschläge. Stützend wirkten die anhaltenden geopolitischen Risiken im Nahen Osten sowie die Aussicht auf eine neue Hitzewelle in Europa, die den Gasverbrauch zur Stromerzeugung erhöhen könnte.
// VON Marie Pfefferkorn MEHR...
Der CO2-Markt erhielt Rückenwind durch die jüngsten Energiepreissteigerungen, blickt aber zunehmend auf die für Mitte Juli erwarteten Reformvorschläge zum EU-Emissionshandel. Insgesamt bleibt das Marktumfeld von einer hohen Nervosität geprägt. Geopolitische Schlagzeilen, Wetterprognosen und das Auffüllen der Gasspeicher bestimmen derzeit die Richtung an den Energiemärkten.
Strom: Überwiegend fester hat sich der deutsche OTC-Strommarkt am Dienstag präsentiert. Eine Ausnahme bildete allerdings der Day-ahead, der im Base um 35,75 auf 151,75
Euro je Megawattstunde verlor. Im Peak ging es um 33,50 auf 123,75
Euro je Megawattstunde nach unten.
Die Einspeiseleistung der Erneuerbaren dürfte am Mittwoch in etwa auf dem Niveau vom Dienstag liegen, bevor ab Donnerstag eine deutliche Steigerung erwartet wird. Der Höhepunkt der kommenden Tage dürfte am Sonntag mit einer Einspeiseleistung von mehr als 47
Gigawatt erreicht werden.
Am langen Ende des Strommarktes gewann das Cal
27 um 0,71 auf 92,77
Euro je Megawattstunde hinzu.
CO2: Mit deutlichem Plus hat sich der CO2-Markt am Dienstag gezeigt. Der Dec
26 gewann bis gegen 14.00
Uhr 1,27 auf 80,05
Euro je Tonne. Umgesetzt wurden bis zu diesem Zeitpunkt 12,3
Millionen Zertifikate. Das Hoch lag bei 80,25
Euro, das Tief bei 78,63
Euro.
Während die Temperaturen in Nordwesteuropa etwas nachgegeben haben, hat sich die jüngste Hitzewelle nach Süd- und Osteuropa verlagert, wie die Analysten von Vertis betonen. In Polen, Österreich und Tschechien könnten die Temperaturen in den nächsten Tagen in die Nähe von Rekordwerten steigen.
Die Wettermodelle deuten zudem darauf hin, dass in der Woche ab dem 6.
Juli erneut eine Hitzewelle in Nordwesteuropa bevorstehen könnte. Damit bliebe der wetterbedingte Aufwärtsimpuls für die europäischen Gas- und Strommärkte bestehen.
Gleichzeitig wird eine teilweise Erholung der Windeinspeisung erwartet, insbesondere in Deutschland. Dies dürfte die Stromerzeugung aus fossilen Kraftwerken und damit auch den Gasverbrauch im Energiesektor etwas verringern. Bis etwa 7.
Juli sieht das US-Wettermodell eine teils deutlich überdurchschnittliche Wind-Einspeiseleistung.
Was die politische Ebene angeht, dürften die Diskussionen um die Reform des EU-Emissionshandels sich weiter intensivieren, je näher der für den 15.
Juli angekündigte Vorschlag der Europäischen Kommission rückt.
Medienberichten zufolge hat die Europäische Volkspartei (EVP), die größte Fraktion im Europäischen Parlament, unter anderem vorgeschlagen, spekulative Aktivitäten einzuschränken, den linearen Reduktionsfaktor zu senken und Stromerzeugern in Ausnahmefällen kostenlose Zertifikatszuteilungen zu gewähren. Derzeit bleibt allerdings unklar, wie groß die politische Unterstützung für diese Vorschläge ist. Sollten einzelne Maßnahmen umgesetzt werden, könnten sie die Funktionsweise des CO2-Marktes jedoch spürbar verändern.
Die Energiemärkte haben zu Wochenbeginn nach den neuen Angriffen im Nahen Osten am Wochenende zugelegt und damit ebenfalls Aufwärtsimpulse für CO2 geliefert.
Erdgas: Die Gaspreise haben am Dienstag weiter hinzugewonnen. Der neue Frontmonat August am niederländischen TTF gewann bis gegen 14.00
Uhr 1,00 auf 43,65
Euro je Megawattstunde. Am deutschen THE ging es für den Day-ahead um 1,175 auf 44,025
Euro nach oben.
Die europäischen Erdgaspreise waren zwischenzeitlich auf den höchsten Stand seit mehr als zwei Wochen gestiegen. Die Marktteilnehmer richten ihren Blick laut Trading Economics auf die Gespräche zwischen den USA und dem Iran in Katar, nachdem die gegenseitigen Angriffe am Wochenende die Sorgen über mögliche Versorgungsstörungen wieder angefacht hatten.
US-Präsident Donald Trump erklärte, dass die Verhandlungen mit Teheran wieder aufgenommen werden sollen, nachdem sich beide Seiten auf ein Ende der gegenseitigen Angriffe im Bereich der Straße von Hormus verständigt hatten.
Zusätzliche Unterstützung erhält der Gasmarkt durch die hohen Temperaturen in Europa. Die Hitzewelle treibt die Stromerzeugung in Gaskraftwerken zur Deckung des steigenden Kühlbedarfs an und verschärft damit die Angebotslage am Markt.
Zugleich hat Europa weiterhin Schwierigkeiten, seine Gasspeicher auf das historische Niveau aufzufüllen. Die Speicheranlagen sind derzeit im Durchschnitt nur zu rund 48
Prozent gefüllt. Dies schürt die Sorge, dass die Region mit den niedrigsten Gasreserven seit 15
Jahren in die kommende Wintersaison starten könnte. Trotz des jüngsten Preisanstiegs steuern die europäischen Gaspreise im Monatsvergleich weiterhin auf einen Rückgang von mehr als 5
Prozent zu. Für das zweite Quartal zeichnet sich derzeit ein Minus von rund 14
Prozent ab.
// VON Marie Pfefferkorn WENIGER