Die Stromnettoexporte aus Frankreich in angrenzende Länder summierten sich in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres nach Angaben des Übertragungsnetzbetreibers RTE auf 51
Milliarden kWh. Im gleichen Zeitraum 2025 waren es 37
Milliarden kWh. „Nie zuvor wurde im ersten Halbjahr ein solches Exportniveau erreicht“, schreibt RTE-Vorstandsmitglied Thomas Veyrenc im Juli auf Linkedin.
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Nach Deutschland und Belgien flossen laut Veyrenc netto 14
Milliarden kWh. Zum Vergleich: Im Jahr 2025 beliefen sich Nettoimporte Deutschlands aus allen Herkunftsländern im kommerziellen Außenhandel nach Daten der Bundesnetzagentur auf 21,9
Milliarden kWh.
14
Milliarden kWh Strom exportierte Frankreich im ersten Halbjahr auch nach Italien. Ins Vereinigte Königreich gelangten 12
Milliarden kWh. Lediglich gegenüber Spanien sei Frankreich ein leichter Nettoimporteur, da dort ebenfalls kostengünstig Strom produziert werde. 1
Milliarde kWh kamen vom Nachbarn im Westen.
Stromverbrauch unter VorkrisenniveauAls Ursache für die Entwicklung nennt Veyrenc die Erholung der Kernenergieproduktion, das Wachstum der erneuerbaren Stromerzeugung und den Stromverbrauch, der weiterhin unter dem Vorkrisenniveau liegt.
Rekordniveau erreicht in Frankreich auch die Zahl der Stunden mit negativen Strompreisen (wir berichteten). Bis Mitte dieses Jahres verzeichnet die Pariser Strombörse Epex Spot 400
Stunden, in denen der Preis negativ war. 513 solcher Stunden gab es im ganzen Jahr 2025. 2024 waren es 361
Stunden.
„Die Null- oder Negativ-Spotpreise nehmen nicht nur zahlenmäßig rasch zu (Anstieg um 50
Prozent im Jahresvergleich für den Monat April), sondern auch in ihrer Höhe (+10
Prozent zwischen 2025 und 2026)“, kommentierte Veyrenc bereits im Mai auf Linkedin. Ausschlaggebend dafür seien die zunehmende Erzeugung aus erneuerbaren Energien und der stabile Verbrauch.
Was Preisausschläge nach unten angeht, zeigt sich, dass in 483
Stunden von den insgesamt 513 mit negativen Preisen im Jahr 2025 auch in mindestens einem Nachbarstaat die Strompreise im Keller waren. „Wenn der Strompreis in Frankreich negativ ist, ist Frankreich in 90
Prozent der Fälle Nettoexporteur von Strom“, heißt es im „2025 Electricity Review“ von RTE. Gleichzeitig sei das Land jedoch häufig über mindestens eine seiner Grenzen Nettoimporteur. „Das bedeutet, dass Frankreich in diesen Situationen – ebenso wie im übrigen Jahresverlauf – aufgrund seiner geografischen Lage als ‚Stromdrehscheibe‘ fungiert.“
Preise gleichzeitig bei Nachbarn im roten BereichWie aus einer Aufstellung des Deutsch-französischen Büros für die Energiewende (DFBEW) für die Redaktion hervorgeht, waren in 179 Stunden die Großhandelspreise gleichzeitig in Deutschland, Belgien, Spanien und der Schweiz negativ. Nur in 30 der 513
Stunden hatte allein in Frankreich der Börsenpreis ein Minusvorzeichen. Nur in einem Nachbarland gleichzeitig negativ war der Preis in 64
Stunden, meist dann in Spanien (53 der 64
Stunden). Wenn der Preis in zwei angrenzenden Ländern in den roten Bereich (63
Stunden) fiel, betraf es am häufigsten Deutschland und Belgien (43 von 63
Stunden).
„Vergleicht man die Stromflüsse dieses Jahres mit den bisherigen Rekordjahren (2025, 2024 sowie 2002, das lange Zeit den französischen Rekord darstellte), zeigt sich, dass die Exporte insbesondere im Frühjahr außergewöhnlich hoch waren. Dies lässt sich durch die hohe Verfügbarkeit der Kernkraftwerke in diesem Zeitraum und – in geringerem Maße – durch den Ausbau der Solarenergie erklären“, so RTE-Vorstandsmitglied Veyrenc abschließend.
Die französische Regulierungsbehörde schreibt seit dem 1. Januar 2016 vor, dass alle Erzeugungsanlagen mit einer Leistung von mehr als 10 MW am Ausgleichsmechanismus – „mecanisme d'ajustement“ – teilnehmen müssen. Dies soll dafür sorgen, dass alle Erzeugungskapazitäten stärker zur Flexibilität des Systems beitragen.
// VON Manfred Fischer WENIGER