Mit dem symbolischen ersten Spatenstich haben die Stadtwerke Dessau den Bau einer innovativen Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlage (iKWK) im Stadtteil Zoberberg gestartet. Das kommunale Energieversorgungsunternehmen setzt damit nach eigenen Angaben einen weiteren Baustein seines Fernwärme-Transformationsplans um.
// VON Susanne Harmsen MEHR...
Die neue Energiezentrale entsteht am Auenweg neben dem Umspannwerk Alten und soll künftig das Wohngebiet Zoberberg, das Klinikum Dessau sowie weitere Bereiche des Fernwärmenetzes mit Wärme versorgen.
An dem offiziellen Baustart nahmen Vertreter aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft teil. Dazu gehörten Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze, Jacqueline Lohde, Beigeordnete für Bauen und Stadtgrün der Stadt Dessau-Roßlau, sowie Dino Höll, Geschäftsführer der Dessauer Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft (DVV). Ebenfalls vertreten waren nach Angaben der Stadtwerke die Fernwärmeversorgungs-GmbH Dessau, Planungs- und Bauunternehmen sowie weitere Projektpartner.
Beitrag zur klimaneutralen WärmeversorgungLaut den Stadtwerken soll die Anlage einen Beitrag dazu leisten, die Wärmeversorgung schrittweise von fossilen Energieträgern auf erneuerbare Energien umzustellen. Gleichzeitig soll die Versorgungssicherheit erhalten bleiben. Jacqueline Lohde erklärte, mit der neuen Anlage entstehe eine Infrastruktur, die langfristig eine moderne und zunehmend klimaneutrale Wärmeversorgung ermögliche und zur Umsetzung der Wärmewende vor Ort beitrage.
Auch Ministerpräsident Sven Schulze bezeichnete das Vorhaben als wichtigen Baustein der Transformation der Wärmeversorgung. Innovative Technologien, wirtschaftliche Aspekte und Klimaschutz könnten bei solchen Projekten zusammenwirken und damit die Voraussetzungen für die Energiewende schaffen, sagte er.
Nach Angaben von DVV-Geschäftsführer Dino Höll verbindet die neue Anlage Versorgungssicherheit mit hoher Energieeffizienz und einem steigenden Anteil erneuerbarer Energien. Das Unternehmen setze damit seinen Transformationspfad fort und investiere in die künftige Wärmeversorgung der Stadt.
Technisch kombiniert die Energiezentrale mehrere Erzeugungsanlagen. Kernstück sind zwei Blockheizkraftwerke mit jeweils 2,5
MW elektrischer und 2,8 MW
thermischer Leistung. Sie werden zunächst mit Erdgas betrieben, sollen jedoch später auf Wasserstoff umgestellt werden können.
Ergänzt werden sie durch eine Wärmepumpe mit 1,3
MW thermischer Leistung, einen Elektroheizkessel mit 0,9
MW, zwei Heißwasserkessel mit jeweils 3,3
MW thermischer Leistung sowie zwei Wärmespeicher mit jeweils 150
Kubikmetern Fassungsvermögen. Eine Photovoltaikanlage auf den Dächern soll zusätzlich Strom für den Anlagenbetrieb liefern.
Nach Angaben der Stadtwerke ermöglicht diese Kombination einen flexiblen Betrieb. Während die Wärmepumpe die Grundlast übernehmen soll, können die Blockheizkraftwerke insbesondere in den Wintermonaten zugeschaltet werden. Die Wärmespeicher sollen erzeugte Wärme zwischenspeichern und zeitversetzt in das Netz einspeisen.
80 Prozent Wärme aus der KWKDie Anlage soll jährlich rund 27,2
Millionen kWh Wärme in das Fernwärmenetz einspeisen. Etwa 80
Prozent der Wärmeerzeugung sollen aus Kraft-Wärme-Kopplung stammen. Zum Start rechnet das Unternehmen mit einem Anteil erneuerbarer Wärme von rund 20
Prozent. Langfristig soll das Versorgungsgebiet Zoberberg nach Angaben der Stadtwerke nahezu vollständig mit erneuerbaren Energien und umweltfreundlicher Kraft-Wärme-Kopplung versorgt werden.
Für das Projekt investieren die Stadtwerke rund 15
Millionen Euro. Bereits im Juli 2024 erhielt das Vorhaben einen Förderzuschlag der Bundesnetzagentur. Die Inbetriebnahme der neuen Energiezentrale ist für Ende 2027 vorgesehen.
Die iKWK-Anlage ist Teil des Fernwärme-Transformationsplans der Stadtwerke Dessau. Das Unternehmen verfolgt das Ziel, seine Fernwärmeversorgung bis spätestens 2045 klimaneutral zu gestalten. Dazu soll der Erzeugungspark schrittweise umgebaut und künftig stärker auf innovative Kraft-Wärme-Kopplung, Großwärmepumpen, industrielle Abwärme und weitere erneuerbare Wärmequellen setzen.
(sh)
// VON Susanne Harmsen WENIGER