Fester haben sich die Energiemärkte zum Wochenschluss präsentiert. Öl steht unter dem Einfluss des eskalierenden Irankriegs ebenso wie Gas, das zudem von weiteren bullishen Faktoren getrieben wird. CO2 reagierte mit kräftigen Zugewinnen auf die Reformvorschläge der EU-Kommission für das ETS, obwohl die Gesamtzahl der Rechte nun weniger schnell abnehmen soll als bislang vorgesehen.
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Offenbar hatten sich viele Marktteilnehmer noch weitreichendere Änderungen im Emissionshandel erhofft und wurden nun auf dem falschen Fuß erwischt. Strom nahm die Tendenz bei Gas, Kohle und Öl auf und notierte gleichfalls fester. Der CO2-Markt, der häufig die Gegenrichtung zu Gas und Öl einschlägt, fiel diesmal als ausbalancierender Faktor am Strommarkt aus.
Strom: Überwiegend fester hat sich der deutsche OTC-Strommarkt zum Ende der Arbeitswoche gezeigt. Der Montag wurde mit 114
Euro je Megawattstunde gehandelt und lag damit allerdings deutlich unter dem Preis von 140,75
Euro, der am Donnerstag für den Freitag ermittelt worden war.
Maßgeblich für das Preisgefälle von Freitag auf Montag war die höhere Einspeiseleistung von Wind und Solar, die am ersten Arbeitstag der neuen Woche anfallen sollen. Mit prognostizierten 31,8
Gigawatt liegen diese deutlich über den 20,3
Gigawatt, die die Meteorologen von Eurowind für den Berichtstag ermittelt haben. Für die Folgetage ab Dienstag geht der Wetterdienst von einer etwas geringeren Einspeiseleistung aus als sie für den Montag erwartet wird.
Der Samstag wurde an der Börse mit 82,46
Euro je Megawattstunde im Base und niedrigen 25,92
Euro je Megawattstunde im Peak auktioniert. Die Stunden von 11 bis 17
Uhr waren leicht negativ. Der geringste Preis ergab sich mit minus 2,95
Euro für die Stunde zwischen 15 und 16
Uhr.
Am langen Ende des Strommarktes gewann das Cal
27 bis zum frühen Freitagnachmittag um 1,68 auf 105,22
Euro je Megawattstunde. „Es ist durchaus möglich, dass das Strom-Frontjahr vor dem Hintergrund eines länger andauernden Irankriegs Kurs auf 115
Euro aufnimmt“, so ein Händler mit Blick auf die höheren Preise für die Monate und Quartale.
CO2: Fester haben sich die CO2-Preise am Berichtstag gezeigt. Der Dec
26 gewann bis gegen 13.16
Uhr 1,75 auf 80,94
Euro je Tonne. Umgesetzt wurden bis zu diesem Zeitpunkt nur 25,3
Millionen Zertifikate. Das Hoch lag bei 80,98
Euro, das Tief bei 76,92
Euro. Nach der Veröffentlichung der Reformpläne für das EU-ETS sprang der Dec
26 nach oben, der sich zuvor deutlich im Minus befunden hatte.
Offenbar hatten viele Anleger mit einer stärkeren Aufweichung des Emissionshandelsregimes gerechnet. Die Gesamtzahl verfügbarer Rechte für den Ausstoß klimaschädlicher Gase wie CO2 soll laut den Plänen der Kommission langsamer abnehmen als bislang geplant. Konkret strebt die Kommission an, dass ab 2031 mehr Zertifikate zur Verfügung stehen. Derzeit ist vorgesehen, dass es bis 2027 pro Jahr 4,3
Prozent und ab 2028 4,4
Prozent weniger Zertifikate geben soll. Danach soll die Anzahl nun weniger stark abnehmen − nach dem Willen der Behörde von 2031 bis 2035 um 3,7
Prozent und von 2036 bis 2040 um 1,7
Prozent.
Erdgas: Fest haben sich die europäischen Gaspreise am Freitag präsentiert. Der Frontmonat am niederländischen TTF gewann bis gegen 13.30
Uhr um 2,015 auf 56,850
Euro je Megawattstunde. Am deutschen THE legte der Day-ahead um 0,755 auf 55,805
Euro je Megawattstunde zu.
Neben den bestehenden Herausforderungen der Blockade der Straße von Hormus, niedriger Gasspeicherstände und einer höheren LNG-Nachfrage in Asien dürften nun noch zwei weitere Probleme hinzukommen, die beim Gaspreis für Preisauftrieb sorgen dürften: Das US-LNG-Terminal Freeport fällt bis voraussichtlich Ende August zumindest teilweise aus, sodass die US-LNG-Exporte eingeschränkt sein könnten.
Durch Freeport werden monatlich etwa 2
Milliarden Kubikmeter exportiert, was knapp 12,5
Prozent der US-LNG-Exporte darstellt. Vor allem Europa wird laut den Analysten der Commerzbank die Einschränkungen am Terminal Freeport zu spüren bekommen. 60 bis 70
Prozent der LNG-Exporte gehen von dort aus nach Europa, zwischen 30 bis 40
Prozent nach Asien. Die zweite Herausforderung besteht darin, dass in den USA in den kommenden Wochen weitere Hitzewellen erwartet werden, die den Eigenbedarf der USA erhöhen dürften, wodurch weniger Gas zum Export zur Verfügung stünde. Europa bezieht rund 50
Prozent seiner LNG-Importe aus den USA.
(cdg)
// VON Claus-Detlef Großmann WENIGER