Die deutschen Erdgasspeicher gehen mit einem historisch niedrigen Füllstand in die letzten zwei Monate der Befüllungsphase. Laut dem September-Update der Initiative Energien Speichern (Ines) lag der Füllstand Anfang September bei rund 53
Prozent. Seit Beginn der Aufzeichnungen vor 15
Jahren sei zu diesem Zeitpunkt kein vergleichbar niedriger Wert verzeichnet worden.
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Das Niveau von 53
Prozent, das aktuell erreicht ist, hatte im vergangenen Jahr bereits Ende Juni vorgelegen. Nach Einschätzung von Ines ist die Wiederbefüllung damit im bisherigen Jahresverlauf deutlich hinter dem erforderlichen Tempo zurückgeblieben.
77 Prozent technisch noch erreichbarDennoch besteht nach den Modellrechnungen von Ines noch die Möglichkeit, den Speicherfüllstand bis zum 1.
November 2026 auf rund 77
Prozent zu erhöhen. Damit würde der Füllstand nahezu dem derzeitigen Buchungsstand von rund 83
Prozent entsprechen.
Die technische Speicherkapazität allein reicht laut Ines allerdings nicht aus. Entscheidend sei, ob die Marktakteure ihre gebuchten Kapazitäten tatsächlich nutzen und in den kommenden Wochen entsprechend große Gasmengen einspeichern. Dafür müsste das Befüllungstempo deutlich steigen. In den verbleibenden zwei Monaten bis zum 1.
November müssten insgesamt mehr Gasmengen eingespeichert werden als in den vergangenen drei Monaten zusammen.
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Szenario für den Gasvorrat im Winter 2025-26 Quelle: INES |
Sebastian Heinermann, Geschäftsführer der Ines, verweist deshalb auf die wirtschaftlichen Bedingungen. Die Speicherbefüllung müsse wirtschaftlich tragfähig sein, damit Marktakteure die gebuchten Kapazitäten auch tatsächlich nutzten. Aktuell sind die Gaspreise so hoch, dass eine Bevorratung unwirtschaftlich erscheint.
Extrem kalter Winter birgt RisikoWelche Folgen der Füllstand zum Beginn der Heizperiode für die Versorgungssicherheit hat, hängt auch von den Temperaturen im Winter ab. Laut der Ines-Sensitivitätsanalyse würde ein Speicherfüllstand von rund 77
Prozent am 1.
November bei normalen Wintertemperaturen ausreichen, um die Gasversorgung im Winter 2026/27 vollständig zu gewährleisten. In diesem Szenario würden die Speicher bis zum 1.
April 2027 auf rund 38
Prozent sinken.
Bei extrem kalten Temperaturen wäre ein Füllstand von 77
Prozent dagegen nicht ausreichend. Nach den Modellrechnungen könnte es an einzelnen Tagen im Januar zu Unterdeckungen von mehr als 25
Prozent kommen.
Die Importe über LNG-Terminals genügten nicht als Absicherung, so Heinermann. Der Gasbedarf an einem kalten Tag betrage in Deutschland 5,4
Milliarden kWh. Inklusive der Weiterleitung an Nachbarländer könnten daraus auch 6,5
Milliarden kWh werden. Die Speicher leisteten davon 3
Milliarden kWh. LNG-Terminals könnten maximal 0,8
Milliarden kW am Tag liefern, in der Regel seien es eher 0,3
Milliarden kWh. „LNG-Terminals sind eine Importmöglichkeit übers Jahr, können aber keine Bedarfsdeckung leisten“, resümiert der Ines-Geschäftsführer.
Ines fordert kurzfristige AnreizeInes
hat deshalb bereits einen Aktionsplan mit Maßnahmen zur kurzfristigen Stärkung der Speicherbefüllung vorgelegt. Dazu zählt der Verband eine vollständige Rabattierung der Netzentgelte an Speicheranschlusspunkten. Zudem soll die Konvertierungsumlage für die Speichernutzung entfallen.
Darüber hinaus schlägt Ines
staatlich unterstützte und vergünstigte Finanzierungsmöglichkeiten vor, etwa über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Damit könnten die Finanzierungskosten für das einzuspeichernde Gas sinken. Auch zusätzliche Ausschreibungen sogenannter Long-Term Options (LTO) könnten nach Einschätzung des Verbands weitere Einspeicherungen anreizen.
Speicherrahmen soll langfristig geltenNeben kurzfristigen Maßnahmen fordert Ines einen dauerhaft verlässlichen Rahmen für die Gasspeicherung. Dieser soll nach den Vorstellungen des Verbands eine ausreichende Speicherbefüllung sicherstellen und zugleich den Erhalt der für die Versorgungssicherheit erforderlichen Speicherkapazitäten gewährleisten.
Dafür könnten wirtschaftliche Anreizmodelle, wirksam ausgestaltete Verpflichtungen oder eine Kombination beider Ansätze zum Einsatz kommen. Ziel müsse laut Ines ein Modell sein, das die Versorgungssicherheit gewährleistet und gleichzeitig möglichst große Spielräume für eine marktwirtschaftliche Bewirtschaftung der Speicher lässt.
Für das September-Update hat Ines die europäischen Gasmärkte auf Grundlage der realen Speicherfüllstände zum 1. September 2026 sowie aktualisierter Temperatur- und Verbrauchsdaten modelliert. Das nächste Update ist für den 10. November 2026 angekündigt.
Aktuelle
Informationen zu den deutschen Gasspeichern stehen im Internet bereit.
(sh)
// VON Susanne Harmsen WENIGER