EMISSIONSHANDEL. Die letzte Auktion für 26er-CO2-Ausstoßrechte im deutschen Verkehrs- und Gebäudesektor ist vorüber. Die Ergebnisse waren so langweilig und vorhersehbar wie in den zehn Ausgaben zuvor.
Die letzte Auktion nationaler CO2-Emissionszertifikate (nEZ) für das Ausstoßjahr 2026 ist am 9.
September, 15
Uhr, zum Höchstpreis von 65
Euro/Tonne für alle nEZ ausgegangen, so, wie in den zehn wöchentlichen Versteigerungen zuvor ebenfalls. Der Mindestpreis ist politisch mit 55
Euro/Tonne angesetzt.
// VON Georg Eble MEHR...
Es war die letzte derartige Versteigerung in diesem Jahr für dieses Verschmutzungsjahr. Nächstes Jahr geht die Auktionsreihe trotz der Novelle des Brennstoffemissionshandelsgesetzes (BEHG, siehe separate Meldung) erneut mit einem Preiskorridor zwischen 55 und 65
Euro/Tonne weiter.
Es wurden am 2.
September fast alle verbleibenden 10,7
Millionen nEZ versteigert, die den CO2-Ausstoß von 10,7
Millionen Tonnen aus dem Verkehrs- und Gebäudesektor abdecken.
Fun Fact: 443 Zertifikate blieben übrig. Sie gehen sozusagen unter, geht aus einer Antwort der veranstaltenden Börse EEX hervor. Die Zahl sei durch Pro-rata-Zuteilung und Abrundung entstanden, die Börse handle hier in Abstimmung mit dem Auftraggeber, dem Umweltbundesamt (UBA).
Der Klima- und Transformationsfonds (KTF) des Bundes wird aus dem nationalen Emissionshandelssystem (nEHS) vom 9.
September erneut 694
Millionen Euro einnehmen. Der Grund ist einfach und vorhersehbar: Es sollten in diesem Jahr nur 192
Millionen nEZ auktioniert werden (Paragraf
12 Absatz
5 Brennstoffemissionshandelsverordnung). In derselben BEHV steht drin, dass der CO2-Ausstoß im Verkehr und in der Gebäudeheizung bundesweit jährlich sinken soll, von 301
Millionen Tonnen (2021) über 255
Millionen Tonnen (2026) und 236
Millionen Tonnen (2027) bis auf 180
Millionen Tonnen (2030).
Das heißt, die nEZ, die in die Auktion kommen, sind zu knapp dafür bemessen, dass der Mindestpreis von 55
Euro/Tonne eine reelle Chance hätte. Die Nachfrage nach nEZ bewegte sich bei den vorherigen Runden zwischen 292 und 546
Millionen Geboten. Versteigert wurden aber nur jeweils entweder 10,7
Millionen nEZ oder - bei entsprechender Nachfrage zum Höchstpreis – das Doppelte davon.
Diese Redaktion hatte das Auktionsergebnis daher einige Stunden vorher richtig prognostiziert. Was nicht vorhersehbar war und auch nicht prognostiziert wurde, war die tatsächliche Gebotsmenge. Sie sank gegenüber dem 12.
August von 508
Millionen auf 497
Millionen nEZ. Der Überzeichnungsfaktor sank auf hohem Niveau von 47,6 auf 46,5 mit. Die mittlere Erfolgsquote blieb gerundet bei 2
Prozent.
Was diese Auktion den Händlern fossiler Heiz- und Kraftstoffe bringtFür die Inverkehrbringer fossiler Kraft- und Brennstoffe ist die Teilnahme an dieser Auktionsreihe wettbewerblich wichtig, weil sie auch mit dem Höchstpreis immer noch einen Preisvorteil von 3
Euro/Tonne bietet. Denn der Nachverkaufspreis im November – dann ohne Auktion, sondern vielmehr zum Festpreis und in unbegrenzter Menge – beträgt 68
Euro/Tonne. Bei Heizöl etwa machen die nEZ seit diesem Jahr 20,50
Euro des Endpreises aus, der derzeit oberhalb bei gut 150
Euro pro 100
Liter liegt. Verkaufstermine sind alle Dienstage und Donnerstage vom 3.
November bis 3.
Dezember, wieder bei der EEX, nur nicht als Auktionator, sondern als Ticketbüro.
Nächstes Jahr lassen sich nEZ für dieses Jahr für 73
Euro pro Tonne nachkaufen. Die Auktionen fürs Ausstoßjahr 2027 finden dann im dritten Quartal 2027 statt. Genauere Termine sind von der ausrichtenden Börse EEX noch nicht veröffentlicht.
Die Frage bei dieser politischen Preisgestaltung bleibt daher auch mit der BEHG-Novelle bestehen: Warum eine teure Auktion, wenn sie ohnehin vorhersehbar mit dem Höchstpreis ausgeht? Was sich 2027 ändert, ist lediglich, dass nur noch Gebote zur Auslieferung auf ein Compliance-Konto zulässig sind. Dies soll die Spekulation eindämmen, doch „Intermediäre dürfen weiter am nEHS (nationalen Emissionshandelssystem, die Redaktion) teilnehmen, wenn sie das für einen Compliance-Kunden tun und die Zertifikate auf dessen Konto gehen“. Mit diesen Worten interpretiert eine EEX-Sprecherin den BEHG-Kabinettsentwurf, der ebenfalls am 9.
September verabschiedet wurde.
Die Lage nach 20272028 geht dieser sogenannte zweite Emissionshandel (ETS2) in ein europäisches Regime über, das nur noch marktbasierte europäische Emissionshandelssystem für Brenn- und Kraftstoffe (EU-ETS2). Es sei denn, das EU-ETS2 wird schon wieder verschoben. Deutschland hatte sein ETS2, das Ende 2026 ausgelaufen wäre, nach der unionsweiten Verschiebung bis Ende 2027 verlängert. Nationale CO2-Preise im Verkehrs- und Gebäudesektor gibt es nur in einigen wenigen EU‑Staaten.
(geo)
// VON Georg Eble WENIGER