Die europäischen Nachbarländer Frankreich, Dänemark und die Niederlande sind beim Ausbau von Biomethan weiter als Deutschland. Das wurde bei einer parlamentarischen Konferenz der „Biomethan Taskforce“ in Berlin deutlich. Vertreter aus Politik, Energiewirtschaft und europäischen Partnerländern diskutierten dort, welche Rahmenbedingungen den Hochlauf in den jeweiligen Ländern unterstützen.
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Nach Einschätzung der Taskforce fehlt Deutschland vor allem ein verlässlicher politischer und regulatorischer Rahmen. Dazu zählen klare Ausbauziele, langfristige Perspektiven für Netzanschlüsse sowie ein stabiler Absatzmarkt. „Europa zeigt, dass Biomethan dort wächst, wo Politik Ziel, Markt und Infrastruktur zusammendenkt. Genau diese Verlässlichkeit brauchen wir jetzt auch in Deutschland“, sagte Bengt Bergt, Sprecher der „Biomethan Taskforce“.
40 Prozent Biogas im NetzAls Beispiele für unterschiedliche Ansätze verwies die Initiative auf Frankreich, Dänemark und die Niederlande. In Dänemark deckt Biogas inzwischen knapp 40
Prozent des Gasverbrauchs. Frankreich kombiniert Ausbauziele mit einer Biomethanquote und einem gesetzlich verankerten Anspruch auf Netzeinspeisung. Das Land verfügt damit nach Angaben der Taskforce derzeit über die höchste Biomethanproduktion in Europa.
Die Niederlande setzen dagegen auf die Weiterentwicklung ihrer bestehenden Gasinfrastruktur. Das Land will diese gezielt für grüne Gase nutzen, anstatt sie vollständig zurückzubauen. Auch die Ukraine könnte nach Einschätzung der Taskforce künftig zur europäischen Biomethanversorgung beitragen. Das Land verfüge über erhebliche Produktionspotenziale. Eine stärkere Nutzung könnte zugleich zur Stabilisierung des ukrainischen Energiesystems beitragen.
Gemeinsam sei den verschiedenen Ansätzen, dass Produktion, Nachfrage und Infrastruktur aufeinander abgestimmt würden. „Unsere europäischen Nachbarn zeigen, dass der Hochlauf keine Frage des Potenzials ist, sondern der politischen Verlässlichkeit“, sagte Bergt. Während Produzenten in Frankreich mit einem gesicherten Netzzugang planen könnten, sei in Deutschland teilweise unklar, ob ein Netzanschluss langfristig erhalten bleibe.
Deutsches Potenzial erschließenDabei verfügt Deutschland selbst über erhebliche Mengen an Biogas. Nach Angaben der Taskforce verbrauchte Deutschland 2025 insgesamt 864
Milliarden kWh Gas. Dem standen 12,3
Milliarden kWh heimische Biomethaneinspeisung gegenüber. Gleichzeitig erzeugten deutsche Anlagen bereits rund 100
Milliarden kWh Biogas, das überwiegend vor Ort zur Stromerzeugung eingesetzt wird.
Für einen Teil dieser Anlagen endet in den kommenden Jahren die Förderung. Eine Aufbereitung des Biogases zu Biomethan und die anschließende Einspeisung in das Gasnetz könnten dann eine wirtschaftliche Option sein. Voraussetzung dafür sei allerdings ein gesicherter Netzanschluss. „Die Mengen an Biomethan sind vorhanden, erreichen den Markt allerdings nicht“, sagte Bergt.
Die Taskforce warnt deshalb vor einem Rückbau von Gasnetzen, ohne die künftige Rolle von Biomethan zu berücksichtigen. Infrastruktur, die heute stillgelegt werde, stehe später nicht mehr für ein klimaneutrales Energiesystem zur Verfügung. „Aufgrünung statt Rückbau muss die Devise sein“, forderte Bergt mit Blick auf die Erfahrungen in den Nachbarländern.
Verbindliches Ziel nötigFür Deutschland fordert die Initiative einen verbindlichen Zielpfad für Biomethan. Dazu gehören aus ihrer Sicht langfristige Perspektiven für die Produktion und den Netzanschluss sowie ein verlässlicher Absatzmarkt. Konkret schlägt die Taskforce eine Netzanschlusssicherheit von mindestens 20 Jahren auch für Neuanlagen vor.
Darüber hinaus sollen nach Vorstellung der Initiative strategische Biomethan-Eignungsgebiete entstehen. Dort sollen verlässliche und wirtschaftlich tragfähige Regeln für Netzanschlüsse, Kostenteilung und notwendige Netzverstärkungen gelten. Auch die geplante Grüngasquote könne den Markt unterstützen.
Parallel dazu müssten die Regeln für Einspeisung, Handel und Nachweisführung so gestaltet werden, dass sich ein liquider Biomethanmarkt in Deutschland und Europa entwickeln kann. Ziel sei es, heimische Produktion stärker mit europäischen Potenzialen zu verbinden.
Auch der stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Sepp Müller, verwies bei der Konferenz auf die energiepolitische Bedeutung von Biomethan. Neben der Versorgungssicherheit seien die heimische Wertschöpfung und die Bedeutung des Energieträgers für den ländlichen Raum relevant.
Die Biomethan Taskforce ist eine Initiative des Verbandes Deutschen Gas- und Wasserstoffwirtschaft (DGWW).
(sh)
// VON Susanne Harmsen WENIGER