Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) wollen ihre Zusammenarbeit mit Deutschland in den Bereichen Energie, Industrie und Technologie ausbauen. Dazu haben Adnoc, XRG und Masdar während des Staatsbesuchs des emiratischen Präsidenten Mohamed bin Zayed Al Nahyan in Deutschland mehrere Vereinbarungen mit deutschen Unternehmen unterzeichnet. Die Abkommen könnten laut den beteiligten Unternehmen Investitionen von mehr als fünf
Milliarden Euro in Deutschland ermöglichen.
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Die Vereinbarungen betreffen unter anderem Flüssigerdgas (LNG), Erdgas, erneuerbare Energien, kohlenstoffarmes Ammoniak, Chemieprodukte sowie Technologien und künstliche Intelligenz (KI). Beteiligt sind unter anderem RWE, Securing Energy for Europe (Sefe), MB Energy, Covestro, Siemens und Bosch.
Die Vereinbarungen stehen im Zusammenhang mit der Ankündigung der VAE, langfristig 40
Milliarden Euro in Deutschland investieren zu wollen. Die emiratische Regierung will damit nach eigenen Angaben den Aufbau von Industrie und weiteren Zukunftsbranchen unterstützen. Parallel wurde der Emiratisch-Deutsche Investitionsrat gegründet. Er soll Regierungen, Kapitalgeber und Unternehmen zusammenbringen, Investitionshemmnisse abbauen und Investitionen in prioritären Sektoren fördern.
LNG-Verträge mit RWEDer staatliche Energiekonzern Abu Dhabi National Oil Company (Adnoc) und die RWE Supply & Trading GmbH, die Energiehandelsgesellschaft des deutschen Energiekonzerns RWE, haben eine Absichtserklärung zur Ausarbeitung von bis zu zwei langfristigen LNG-Kaufverträgen unterzeichnet. Die Vereinbarung baut auf einer strategischen Kooperation vom Februar 2026 auf.
Adnoc und RWE wollen LNG aus dem wachsenden Portfolio von Adnoc Gas und XRG nach Deutschland, Europa und Asien liefern. Als Quellen nennt Adnoc unter anderem die Projekte Ruwais und DAS sowie Vorhaben in Rio Grande, Mosambik und Argentinien. Die Lieferungen sollen Anfang der 2030er Jahre beginnen.
Zusätzlich haben Adnoc, XRG und SEFE eine Absichtserklärung unterzeichnet, um mögliche Kooperationen entlang der Erdgas- und LNG-Wertschöpfungskette zu prüfen. Dabei geht es um Gasversorgung, Infrastruktur, Logistik und die Optimierung von Portfolios.
Ammoniak und Chemie im FokusCovestro, der in Leverkusen ansässige Chemiekonzern, und die Unternehmen Fertiglobe und MB Energy wollen eine Zusammenarbeit für kohlenstoffarme Ammoniaklieferketten nach Deutschland prüfen. Eine weitere Vereinbarung betrifft Covestro und Taziz, ein Industrieunternehmen aus Abu Dhabi. Die Partner wollen ihre Machbarkeitsstudie für eine internationale Wertschöpfungskette für Methylendiphenyldiisocyanat (MDI) in Ruwais fortsetzen.
Die Studie baut auf einer ersten Vereinbarung vom Juni 2026 auf. Nach Abschluss der Untersuchung und vorbehaltlich notwendiger Genehmigungen wollen die Unternehmen über die nächste Projektphase entscheiden. Ziel ist eine endgültige Investitionsentscheidung, die einen Produktionsstart Anfang der 2030er Jahre ermöglichen könnte.
XRG, die internationale Energie- und Industrieplattform von Adnoc, hatte im vergangenen Jahr die Übernahme von Covestro abgeschlossen. Nach Angaben von Adnoc und seinen Partnern beläuft sich die Investition auf 14
Milliarden Euro.
Allerdings behinderten strenge Klimaschutzvorgaben der EU die Importe, fürchtet Rainer Seele. Der President Global Chemicals bei XRG und Aufsichtsratschef des deutschen Chemiekonzerns Covestro, sagte: „Mit der EU-Methanverordnung schneidet sich die EU selbst von relevanten Bezugsquellen ab.“
Technologie und KI als weiterer SchwerpunktAdnoc
hat zudem Kooperationsvereinbarungen mit Bosch Middle East, Siemens Energy und Siemens Industrial geschlossen. Die Unternehmen wollen Möglichkeiten für eine Zusammenarbeit bei fortgeschrittenen Technologien und KI untersuchen.
Die neuen Vereinbarungen knüpfen nach Angaben von Adnoc, XRG und Masdar an bereits getätigte Investitionen von mehr als 20
Milliarden Euro in den deutschen Energie- und Industriesektor an. Dazu zählen LNG-Lieferverträge von Adnoc für den deutschen Markt mit einem Volumen von 1,6
Millionen Tonnen LNG pro Jahr. Damit könne Gas zur Versorgung von mehr als 3,5
Millionen Haushalten bereitgestellt werden.
(sh)
// VON Susanne Harmsen WENIGER