WIRTSCHAFT.
Die Stadtwerke Dachau verbuchen 2025 ein deutlich geringeres Ergebnis als im Vorjahr. Die Beteiligung an Borkum II schlägt mit fast einer Million Euro negativ durch.
Gewinnrückgang im oberbayerischen Dachau: Das kommunale Versorgungsunternehmen der Stadt im Nordwesten Münchens bilanziert für 2025 einen Überschuss von rund 800.000
Euro. Im Jahr davor stand ein Ergebnis von 4,6
Millionen Euro zu Buche. Ein Großteil des Rückgangs geht auf das Konto der Stromsparte. Der Gewinn im Stromgeschäft ist im vergangenen Geschäftsjahr mit 3,7
Millionen Euro nur knapp halb so hoch wie im Vorjahr (7,5
Millionen Euro). Ein wesentlicher Grund dafür findet sich in der Nordsee.
// VON Manfred Fischer
MEHR...
Der Kommunalversorger ist über den Stadtwerke-Verbund Trianel an Windparks vor Borkum beteiligt. Für die Beteiligung der Gesellschaft Trianel Windkraftwerk Borkum
II (TWB
II) hat man in Dachau eine Wertberichtigung vorgenommen. „Die Ausleihungen (Darlehen und Zinsen) wurden zum 31. Dezember 2025 in Höhe von 971.000
Euro wertberichtigt“, teilt die Sprecherin der Stadtwerke auf Anfrage der Redaktion mit.
Die Wertberichtigung trage „der Einschätzung Rechnung, dass eine Rückzahlung in den kommenden Jahren derzeit nicht als wahrscheinlich gilt“, erklärte die Unternehmenssprecherin. Es ist nicht die erste Wertberichtigung für die Offshore-Beteiligung. „Die Beteiligung der Stadtwerke am Windkraftwerk Borkum II wurde bereits im Jahr 2023 mit 379.000
Euro abgeschrieben“, heißt es aus Dachau.
Der Windpark Borkum
II hatte eine holprige Geschichte. Baustart war 2018, ein Jahr später im April rutschte der Anlagenhersteller Senvion in die Insolvenz. Im Jahr 2020 übernahm Siemens Gamesa von Senvion dessen europäisches Servicegeschäft und vereinbarte für Borkum
II einen Servicevertrag mit der Betreibergesellschaft, der TWB
II.
Im Juni 2020 ging der Windpark, der 32 Anlagen umfasst und rund 200
MW installierte Leistung hat, in Betrieb. Im Herbst 2021 trat ein erster Rotorlagerschaden auf – ein Serienfehler, wie sich herausstellte. In der Zeit von Ende 2022 bis Januar 2025 wurden alle Rotorlager getauscht, wie es im Jahresabschluss der TWB
II 2024 heißt. Die installierten Anlagen tragen die Bezeichnung „6.2M152 Power Upgrade“, als Hersteller ist die Senvion Deutschland GmbH im Marktstammdatenregister verewigt.
Trianel: Überwiegend reguläres Betriebsjahr Das Geschäftsjahr 2025 endete für die TWB
II mit einem Verlust von rund 4 Millionen Euro. (2024: minus 50,5
Millionen Euro). Was den Geschäftsverlauf angeht, spricht Trianel von einem überwiegend regulären Betriebsjahr. Angepeilt hatte die TWB II-Geschäftsführung „einen Jahresgewinn im kleinen zweistelligen Millionenbereich“. Ursächlich für das unter Plan liegende Jahresergebnis seien erhöhte Aufwendungen für den des Rotorlagertausches und Rückstellung „im Schiedsverfahren JdN“ gewesen. Zudem verweist das Management auf das „schlechte Windangebot im 1. Halbjahr 2025“.
„JdN“ steht für Jan de Nul, ein belgisches Tiefbauunternehmen, das von Senvion mit der Installation der 32 Windenergieanlagen beauftragt worden war. Nach der Senvion-Pleite kam es zu Verzögerungen und Mehrkosten. Im April 2025 gab es ein Urteil zugunsten von „JdN“. TWB fechtet das Urteil an. „Aus Gründen der Vorsicht wurden die vollen aus dem Schiedsurteil resultierenden Mehrkosten über entsprechende Rückstellungen in Höhe von circa 35
Millionen Euro (abgezinst) im Jahresabschluss 2025 erfasst.
Rote Zahlen weist auch die andere Offshore-Beteiligung der Trianel vor Borkum aus. Die Trianel Windkraftwerk Borkum GmbH (TWB) verbucht für 2025 einen Verlust von 49,9
Millionen Euro (2024: 51,2
Millionen Euro). Ausschlaggebend für das schlechte Ergebnis auch dort die Technik. „Das Betriebsjahr 2025 war für den Offshore-Windpark TWB weiterhin von erheblichen technischen und operativen Herausforderungen geprägt. Die technische Verfügbarkeit konnte entgegen der Zielsetzung nicht stabilisiert werden und lag mit rund 60 Prozent nochmals unter dem bereits niedrigen Vorjahresniveau“, schreibt die TWB im Geschäftsbericht.
Gründe hierfür seien „insbesondere ein erheblicher Störungs- und Instandhaltungsrückstau aus dem Winter, eine insgesamt unzureichende Performance des Service- und Wartungsdienstleisters sowie eine hohe Anzahl komplexer Langzeitstillstände“ gewesen.
Der Windpark Borkum I wurde in der Zeit von 2011 bis 2015 errichtet, er besteht aus 40
Anlagen, die Turbinen des Typs AD5-116 stammen von Areva Wind – das Unternehmen schloss sich später mit Gamesa zum Joint Venture Adwen zusammen. Die installierte Gesamtleistung beträgt ebenfalls 200 MW. Für den Service ist Gamesa zuständig.
Bei Trianel richtet man den Blick nach vorn: „Während sich bei TWB
I noch Effekte aus Verfügbarkeits- und Wartungsthemen niedergeschlagen haben, hat sich die operative Situation bei TWB
II nach Abschluss der Rotorlager-Austauschkampagne deutlich verbessert“, teilt die Sprecherin des Stadtwerke-Verbunds gegenüber E&M mit. Beide Gesellschaften arbeiteten „kontinuierlich daran, die technische und wirtschaftliche Performance weiter zu steigern“.
(mf)
// VON Manfred Fischer
WENIGER