Der „Wasserstoff-Gipfel 2026“ wurde am 29. September vom Handelsblatt in Berlin organisiert. Auf dem Kongress standen Kunden und Netze im Mittelpunkt. Für die Industrie sei eine verlässliche Versorgung eine zentrale Voraussetzung für den Einsatz von Wasserstoff, so der Tenor.
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Das machte Holger Klaassen, Director Energy beim Kupferhersteller Aurubis mit Sitz in Hamburg, deutlich. „Ich brauche den Wasserstoff 24/7 an der Werksleitung“, sagte Klaassen. Unternehmen, die Wasserstoff als Energieträger oder Rohstoff einsetzen, könnten keine Unterbrechungen der Versorgung akzeptieren.
Gleichzeitig begrenzten die internationalen Märkte den Spielraum für höhere Energiekosten. Aurubis habe bereits heute einen CO2-Fußabdruck, der nach Angaben Klaassens etwa halb so hoch sei wie der globale Branchendurchschnitt. Als Grundstoffhersteller müsse das Unternehmen dennoch international wettbewerbsfähig bleiben. Höhere Kosten könnten daher nicht ohne Weiteres an Kunden weitergegeben werden.
Auch Hans Dieter Hermes, Executive Vice President beim Unternehmen Sefe, sieht Absicherungsmechanismen als Voraussetzung für Investitionen. Er sprach sich für Contracts for Difference (CfD) aus. Diese Differenzverträge könnten sowohl kommerzielle Portfolios von Midstreamern als auch Großkunden im Rahmen des Importprogramms von „H2Global“ absichern. Zudem brauche es Mechanismen, die bei Lieferausfällen greifen, sagte Hermes.
OGE sieht Wasserstoffnetz im AufbauBeim Aufbau der Infrastruktur sieht Thomas Hüwener, CEO des Esseners Fernleitungsnetzbetreibers Open Grid Europe, erste Fortschritte. Von den geplanten 2.000 Kilometern des Wasserstoff-Kernnetzes seien 500 Kilometer bereits in Betrieb, sagte er. Der größte Anteil seien Umwidmungen bestehender Gasleitungen, aber auch 120 Kilometer eine neu gebaute Leitung zwischen Lingen und Marl (GetH2). Auch Speicher seien bereits an das Netz angeschlossen.
Für 6.000 MW der geplanten Transportkapazität von insgesamt 87.000 MW lägen zudem bereits Kundenbestellungen vor, berichtete Hüwener. Gleichzeitig warnte er vor ungünstigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für den weiteren Netzausbau. Er zeigte sich „schockiert“ über die Festlegungen der Bundesnetzagentur für die Gasnetzentgelte. Dies dürften bei der Festlegung für das Wasserstoffnetz im kommenden Jahr nicht so ungünstig ausfallen, sonst werde das Netz nicht entstehen, warnte er.
Ohne attraktive Eigenkapitalverzinsung gebe es nicht genug Bankability für die erforderlichen Investitionen, warnte Hüwener. Dem schloss sich Ralph Bahke, Geschäftsführer des Gasnetzbetreibers Ontras an. Aufgrund des verzögerten Hochlaufs sei es unabdingbar, jetzt das Vertrauen der Investoren zu erhalten.
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Diskussion auf dem Kongress (v.li.): Ingo Fährmann (BMWE), Kirsten Westphal (BDEW) und Ralph Bahke (Ontras) Quelle: Susanne Harmsen |
Politik will Rahmen für Hochlauf setzenIngo Fährmann, Referatsleiter Wasserstoffnetze im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE), verwies auf die anstehenden politischen Entscheidungen. Der Rahmen für einen realistischen Wasserstoffhochlauf solle gesetzt werden, sagte Fährmann. „Die neuen Langfristszenarien für das Energiesystem werden bald veröffentlicht, in ihnen spielt Wasserstoff eine große Rolle“, versprach er.
Für das Ministerium bestehe die Herausforderung darin, unterschiedliche Interessen abzuwägen und zugleich Investitionen in das Wasserstoffnetz anzureizen, ohne die Infrastruktur zu teuer werden zu lassen. Bei Wasserstoffspeichern verwies Fährmann auf ein im vergangenen Jahr veröffentlichtes Weißbuch. Aktuell werde eine Studie erstellt, die den Förderbedarf für Speicher ermitteln soll.
Auch bei den Förderinstrumenten sei die Finanzierung noch offen. Man versuche, ein Instrument nach dem Vorbild von CfD aufzusetzen, müsse dafür aber zunächst die Finanzierung klären, sagte Fährmann.
BDEW fordert Anschlüsse bis zum KundenKirsten Westphal, Mitglied der Hauptgeschäftsführung des BDEW, stellte ebenfalls die Wirtschaftlichkeit in den Mittelpunkt. Diese müsse zwar langfristig das Ziel sein, könne bei einer neuen Technologie aber nicht bereits zu Beginn alleinige Voraussetzung sein. Die Politik müsse den Markthochlauf deshalb mit CfD unterstützen, forderte Westphal.
Neben dem Kernnetz müssten aus ihrer Sicht auch die Verbindungen zu den einzelnen Abnehmern geregelt werden. Für die Abzweigungen vom Wasserstoff-Kernnetz brauche es entsprechende Festlegungen, damit auch „die letzten 20 Kilometer“ bis zu den Kunden gebaut würden.
(sh)
// VON Susanne Harmsen WENIGER