VERANSTALTUNG.
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche lässt Sefe bis Mitte Dezember 8 Milliarden kWh Erdgas beschaffen. Die Speicher sind aktuell nur zu knapp 58 Prozent gefüllt.
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hat in Abstimmung mit dem Bundeskanzler am 30. September entschieden, das bundeseigene Energieunternehmen Sefe mit zusätzlichen Gaseinkäufen zu beauftragen. Grund sind die vergleichsweise niedrigen Füllstände der deutschen Gasspeicher.
// VON Susanne Harmsen
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Sefe soll bis zum 15. Dezember 8 Milliarden kWh Erdgas beschaffen und einspeichern. Das Bundeswirtschaftsministerium begründet die Maßnahme mit den weiterhin bestehenden geopolitischen Risiken. Aus Sicht der Krisenvorsorge solle die zusätzliche Einspeicherung die Resilienz der deutschen Gasversorgung erhöhen. Dies war Thema bei der Handelsblatt-Gaskonferenz in Berlin.
Die Speicher in Deutschland sind derzeit zu knapp 58
Prozent gefüllt. Nach Angaben des Sefe-Vertriebschefs Hamead Ahrary entsprechen die zusätzlich angeordneten 8 Milliarden kWh rund 3 Prozent des möglichen Speichervolumens. Sefe wolle die Beschaffung „marktschonend“ umsetzen, um einen zusätzlichen Preisanstieg zu vermeiden. Das Unternehmen verkauft jährlich rund 200 Milliarden kWh Erdgas direkt an Kunden, etwa Versorger, Kraftwerksbetreiber und Industrieunternehmen.
Markt liefert zu wenig AnreizAhrary verwies zudem darauf, dass bereits 143 Milliarden kWh Gas eingespeichert seien. Eine strategische Gasreserve von 50 Milliarden kWh halte er für sinnvoll, um den sensiblen Markt zu beruhigen, sagte der Sefe-Manager.
Johanna Reichenbach, Senior Principal bei Frontier Economics, sieht derzeit keine ausreichenden wirtschaftlichen Anreize für eine stärkere Einspeicherung. Sie hält es für möglich, dass die jetzt beschafften Mengen später Bestandteil einer staatlichen Gasreserve werden, die das Wirtschaftsministerium bisher abgelehnt hatte.
Sebastian Heinermann, Geschäftsführer der Initiative Energien Speichern (INES), verwies auf einen bereits vorgelegten Aktionsplan zur stärkeren Einspeicherung. Darin seien unter anderem niedrigere staatliche Gebühren und Abgaben als mögliche Instrumente genannt worden, was nicht umgesetzt worden sei, so Heinermann.
Nur noch 66 Prozent Speicherfüllung erwartetTechnisch seien nach seiner Einschätzung höhere Speicherstände möglich. Wenn alle gebuchten Mengen tatsächlich eingespeichert würden, könnten die Speicher maximal etwa 75
Prozent erreichen. „Ich rechne aber nur mit etwa 66
Prozent“, sagte Heinermann. Die LNG-Terminals könnten nur eine begrenzte Gasmenge liefern, bei maximalem Betrieb rund 0,8 Milliarden kWh täglich, während die Speicher bis zu acht Milliarden kWh pro Tag liefern könnten.
Die Versorgung im kommenden Winter lasse sich nach Heinermanns Einschätzung sichern. Sorgen bereitet ihm dagegen die Entwicklung der Speicherstände zum Frühjahr. Sollten die Speicher dann stark geleert sein, könnten hohe zusätzliche Beschaffungsmengen erforderlich werden – mit entsprechenden Auswirkungen auf den Gaspreis.
Streit über heimische FörderungAuf der Konferenz wurde vor diesem Hintergrund über die Rolle der heimischen Erdgasförderung diskutiert. Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe (DUH), verwies darauf, dass heimisches Erdgas derzeit rund 4,8
Prozent der deutschen Versorgung ausmache. Eine Ausweitung der Förderung könne weder kurzfristig die Preise noch die Versorgungslage wesentlich verbessern, argumentierte er.
Neue Investitionen würden erst nach mehreren Jahren zusätzliche Mengen liefern. „Die entscheidenden Stellschrauben liegen nicht in der Zerstörung des Wattenmeers“, sagte Müller-Kraenner. Der deutsche Gasverbrauch sei seit 2022 bereits um 11
Prozent gesunken. Mit einer zunehmenden Elektrifizierung könne er weiter zurückgehen. Eine Ausweitung der Gasförderung sei daher nicht erforderlich, sagte er.
Ludwig Möhring, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Erdgas, Erdöl und Geoenergie (BVEG), widersprach. Auch der heutige Anteil der heimischen Förderung sei nur durch frühere Investitionen möglich geworden. „Jedes Molekül, das wir hier selbst haben, entlastet Importe und erhöht unsere Resilienz“, sagte Möhring. Eine umweltverträgliche Förderung sei aus seiner Sicht mit dem Stand der Technik möglich. Zugleich verwies Möhring auf die Bedeutung von Erdgas für die Transformation des Energiesystems.
Die Gaswirtschaft sei zum Ausstieg bereit. Solange Erdgas jedoch rund 25 Prozent des Endenergieverbrauchs decke, müsse die Versorgung gewährleistet werden. Katherina Reiche müsse sich als Gaslobbyistin beschimpfen lassen wegen der neuen Kraftwerke zur Stromerzeugung, die nur etwa eine Milliarde kWh Erdgas verbrauchen würden, aber das Stromsystem sichern. „Es ist keine Hilfe für den Klimaschutz, wenn wir dafür Fracking-Gas aus den USA importieren, das 30
Prozent mehr CO2-Ausstoß verursacht als eigenes Erdgas“, argumentierte Möhring für eine heimische Förderung.
(sh)
// VON Susanne Harmsen
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