Der Rohstoffanalyst Argus erwartet bis 2030 eine Verdopplung der Investitionen in Biomethan innerhalb der EU auf ein umgerechnetes Produktionsvolumen von 20
Milliarden Kubikmetern. Damit werde die Biogaswirtschaft das unionsweite Ausbauziel von 35
Milliarden Kubikmetern verfehlen, sagte Argus-Biomethananalystin und -beraterin Deniz Duman am 6.
Oktober in einem Webinar.
// VON Georg Eble MEHR...
Im Jahr 2025 hatte Frankreich Deutschland als größten Produzenten Europas überholt: Es erreichte erstmals eine Produktionsmenge im zweistelligen Milliarden-kWh-Bereich und landete bei 13
Milliarden kWh. Deutschland erzeugte gut 10
Milliarden kWh. Weitere große Erzeuger von Biogas, das auf Erdgasqualität veredelt und ins entsprechende Netz eingespeist wird, sind Dänemark und Großbritannien (je 7
Milliarden kWh) sowie Italien (knapp 6
Milliarden kWh).
Das deutsche Biomethan wird in aller Regel im Inland verbraucht. Deutschland gehört jedenfalls weder zu den Top-Four-Exporteuren noch zu den vier größten Importeuren Europas. Am meisten Biomethan unter den 16 von Argus beobachteten nationalen Märkten führten die Niederlande aus, gefolgt von Frankreich, Litauen und Spanien. Am meisten Bioerdgas aus dem Ausland nahmen Spanien und dann Finnland, die Schweiz sowie Tschechien ab.
Der Sinn von HerkunftsnachweisregisternUm die grünen Eigenschaften von Biomethan zu erhalten und zu vermarkten, nachdem es sich im Gasnetz mit fossilem Erdgas vermischt hat, werden diese als elektronische Herkunftsnachweise vom Rohstoff getrennt und am Ende der Verkaufskette wieder mit ihm zusammengefügt. Im Falle eines Exports transferiert der Verkäufer die durch die Einspeisung und Registrierung erworbenen HKN von seinem nationalen HKN-Register in das Konto des Käufers in dessen nationalem HKN-Register - sofern diese miteinander verbunden sind.
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Referierten: Deniz Duman und unten von links Justin Colley, Lawrence Templeton (alle von Argus) sowie Katrien Verwimp (AIB) Quelle: Georg Eble, Argus |
So kamen von Januar bis September knapp 2,4
Milliarden kWh Exportvolumen innerhalb Europas zustande, berichtete die Strategiekoordinatorin der europäischen HKN-Registervereinigung AIB, Katrien Verwimp. Deutschland ist zwar, was Ökostrom betrifft, über das Umweltbundesamt (UBA) Mitglied von AIB, nicht aber von dessen „Gas and Hydrogen Scheme“ von HKN über Biomethan und grünen Wasserstoff.
Deutschland noch von den meisten Nachbarn abgeschnittenSolche HKN verwaltet derzeit hierzulande die Deutsche Energie-Agentur (Dena) in ihrem „Biogasregister“. Dieses ist aber mit keinem der deutschen Nachbarstaaten verbunden, weil es dem European Renewable Gas Registry (ERGaR) angehört. Parallel baut das UBA ein behördliches Gasregister auf, das erst 2028 zum AIB Gas and Hydrogen Scheme stoßen soll. Die Scharfschaltung würde den Biomethan-Austausch Deutschlands mit allen Nachbarn ermöglichen außer Dänemark, Polen und Tschechien. Richtung Polen fehlt es schon überhaupt an einem Nachhaltige-Gase-Register, ging aus einer Präsentation Verwimps hervor.
Dem ERGaR gehren derzeit über die Dena hinaus nur Register in Österreich und der Schweiz sowie der dänische Ferngasnetzbetreiber Energinet an, was die deutschen Nachbarn angeht.
HKN abschaffen?Die AIB-Frau machte auf den Unterschied zwischen Nachhaltigkeitsnachweisen (Proof of Sustainability, PoS - etwa für Abfall- und Reststoffe) und Herkunftsnachweisen (Garanties of Origina, GoO) aufmerksam. PoS und GoO ergänzten sich, auch in der Nachverfolgung, um Doppelvermarktung zu unterbinden. Verwimp sorgt sich, dass die EU die GoO zugunsten einer einheitlichen Lösung zumindest als verpflichtendes System abschafft, und ist nach eigenen Aussagen im ständigen fachlichen Austausch mit Brüssel.
Die Biomethan-Preise haben nach Aussage und Präsentation von Justin Colley, Global Manager Environmental Markets bei Argus, stark geschwankt und differieren auch untereinander, auch im selben Land, je nachdem, ob es sich um subventioniertes oder unsubventioniertes, RED-III-zertifiziertes oder unzertifiziertes Biomethan und um die Herkunft aus Getreide, Jauche, Abfall- oder Reststoffen handelt, die unterschiedliche Treibhausgas-Intensität (Carbon Intensity, CI) aufweisen. Ein Zickzackkurs zwischen 10 und 150
Euro/MWh in den vergangenen zwei Jahren darf aus Sicht Colleys den Blick nicht davor verstellen, dass sich die Preise erhöhen.
Immer noch sind unterm europäischen Strich, wobei das in jedem Land anders aussieht, Gebäude aller Art der größte Abnehmer von Biomethan. Doch die Nachfrage nach Bio-LNG für Schiffe wird stark steigen und sich bis 2045 mehr als verzehnfachen, sagte Colley voraus: Einerseits greifen die Bioquoten-Vorschriften durch die EU-Verordnung vom nächsten Jahr an, andererseits benötigt eine wachsende LNG-Tankerflotte unter anderem mehr Bio-LNG, um Compliance-Regeln zu erfüllen.
Am 17. November veranstaltet Argus in München eine Biomethan-Konferenz.
(geo)
// VON Georg Eble WENIGER