GASVERSORGUNG. Europas Gasspeicher sind zu Beginn des Winters nur zu 72 Prozent gefüllt. Der Verband der Fernleitungsnetzbetreiber Gas zeigt sich in seinem Winterausblick entsprechend beunruhigt.
Wie sicher ist die Gasversorgung für den Winter? Die Debatte der vergangenen Wochen bewegte sich zwischen zwei Polen: Die Pessimisten auf der einen Seite warnen angesichts historisch niedriger Speicherfüllstände und hoher LNG-Marktpreise vor einer möglichen Mangellage. Die optimistischeren Stimmen verweisen auf die optimierte Importinfrastruktur und diversifizierte Lieferketten. Jetzt meldet sich der Europäische Verbund der Fernleitungsnetzbetreiber für Gas (ENTSOG) mit seinem Ausblick auf die Winterversorgung 2026/27 zu Wort. Das Fazit: So richtig sicher ist eigentlich nichts.
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Grundsätzlich, so heißt es in dem Bericht, sei die europäische Gasinfrastruktur flexibel genug, um die Nachfrage zu decken. Europa verfüge über LNG-Regasifizierungskapazitäten von rund 1.600
Milliarden kWh beziehungsweise 145
Milliarden Kubikmetern je Wintersaison. Diese könnten niedrigere Speicherfüllstände zu Beginn der Ausspeichersaison teilweise ausgleichen und dazu beitragen, die Gasnachfrage im Winter zu decken.
Doch dann kommt das Aber: Zum einen sei die Ausgangslage nach der „herausfordernden“ Einspeichersaison angespannt. Am 1.
Oktober waren die Gasspeicher in der EU durchschnittlich zu 72
Prozent gefüllt. Das entspricht rund 811
Milliarden kWh. 2025 lag der Füllstand bei 83
Prozent beziehungsweise 940
Milliarden kWh. Weitere Einspeicherung zum Winterbeginn sei empfehlenswert, schreibt der Entsog.
Zum anderen blieben hohe LNG-Liefermengen während des gesamten Winters wichtig. Sollte die Verfügbarkeit von LNG weiterhin begrenzt bleiben, könnten die Speicherfüllstände zum Ende des Winters deutlich unter 30
Prozent sinken – mit Auswirkungen auf die Versorgung während möglicher Kälteperioden im späteren Verlauf der Saison.
„Wie bereits frühere Bewertungen gezeigt haben, geht Europa mit einer widerstandsfähigen Gasinfrastruktur in diese Saison, die eine solide Grundlage für die Versorgungssicherheit bildet“, kommentiert Piotr Kus, Generaldirektor von Entsog, die Ergebnisse: „Der vorliegende Ausblick verdeutlicht zu Beginn des Winters, dass jedes zusätzliche Molekül, das heute zur Verfügung steht, sei es in den Speichern oder in Form von LNG, Europas Position nicht nur für die kommenden Monate, sondern auch für die nächste Einspeichersaison stärkt. Regionale Unterschiede bestehen weiterhin, insbesondere für Binnenländer in Mittel- und Osteuropa sowie Südosteuropa, die möglicherweise größere Schwierigkeiten haben, ausreichende LNG-Mengen zu beziehen.“
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Viel Rot: Übersicht über die Szenarien im „Winter Supply Outlook“ der Fernleitungsnetzbetreiber Gas (Zum Vergrößern bitte auf die Grafik klicken) Quelle: Entsog |
Grundlage für die Einschätzungen sind die Entwürfe dreier Szenarien. Im Referenzszenario kann die Nachfrage vollständig gedeckt werden. Allerdings sinkt der Speicherfüllstand bis Ende März 2027 bei ausreichenden LNG-Lieferungen auf 29
Prozent. Bei eingeschränkter LNG-Verfügbarkeit wären es nur noch 13
Prozent. Um den Gasbedarf zu decken und gleichzeitig einen Speicherfüllstand von 30
Prozent zu halten, wären über den Winter LNG-Importe von rund 1.060
Milliarden kWh erforderlich.
Kälte könnte Nachfrageeinschränkungen erzwingenDeutlich kritischer fällt die Modellrechnung für einen kalten Winter aus. Bei regulärer LNG-Verfügbarkeit müssten sieben Prozent der europäischen Gasnachfrage reduziert werden oder könnten ungedeckt bleiben. Das entspricht 237
Milliarden kWh. Bei eingeschränkten LNG-Lieferungen steigt dieser Anteil auf zwölf Prozent beziehungsweise 437
Milliarden kWh.
Ein vollständiger Ausfall der verbleibenden russischen Pipelineimporte würde die Situation verschärfen. In Kombination mit einem kalten Winter und begrenzter LNG-Verfügbarkeit könnten bis zu 15
Prozent der Nachfrage betroffen sein. Besondere Risiken sieht Entsog in Mittel-, Ost- und Südosteuropa. Dort könnten Engpässe beim Gastransport verhindern, dass zusätzliche LNG-Mengen aus Westeuropa die Verbrauchszentren erreichen.
Speicherfüllstände beeinflussen auch 2027. Die Analyse verweist zudem auf die Folgen niedriger Speicherstände für den nächesten Sommer. Bei ausreichender LNG-Verfügbarkeit hält Entsog eine Wiederbefüllung auf 90
Prozent bis Ende September für möglich. Bei eingeschränkten Importen könnten die Speicher dagegen lediglich 65
Prozent erreichen. (kmt)
Der vollständige
„ENTSOG Winter Supply Outlook 2026/2027“ der Fernleitungsnetzbetreiber ist auf den Internetseiten des Verbandes abrufbar.
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